LIEBE LIEBE

Trennung der Eltern: Trotzdem unter einem Dach leben?

Getrennt unter einem Dach
Getrennt unter einem Dach © Fotolia

Trennung: Für die Kinder weiter zusammen leben

In den Medien ist immer wieder zu lesen, wie viele Paare sich scheiden lassen (in Großstädten inzwischen jedes zweite Ehepaar!), wie viele Scheidungswaisen es gibt, die von der Mama-Wohnung zur Papa-Wohnung tingeln und zurück. Da hagelt es Mahnungen. Kinderpsychologen haben viel zu tun, weil so viele Kinder drastisch unter der Trennung leiden.

Deshalb appelliere ich stets an alle Paare mit Kindern: Überlegt es Euch zehn Mal, bevor Ihr Euch trennt. Deshalb konzipiere ich alternative Lebensmodelle, die es für die Kinder leichter macht, damit zu leben, dass die Eltern kein Liebespaar mehr sind. Ich arbeite zunächst an der Theorie. Und gehe dabei auch neue Wege. Ich muss das tun. Sonst wäre ich eine schlechte Liebesexpertin.

Ich halte es zum Beispiel für vorstellbar, dass die Eltern nach einer Trennung noch unter einem Dach wohnen, die Kinder in der elterlichen Wohnung betreuen. Motto: "Eltern bleiben, auch wenn die Liebe zwischen Mann und Frau futsch ist". So dass das Familiengefühl bestehen bleibt. Für die Kinder, für die Eltern. Dass die Eltern sich trennen, das ist schon schlimm genug. Wenn dann noch der Möbelwagen vor der Tür steht, ist das aus meine Sicht eine dramatische Potenzierung des Leids. Die nicht sein muss. Ich habe neulich eine Reportage gelesen über Paare, die dieses Modell leben, dass sie gemeinsam in einer Wohnung die Kinder betreuen. Die waren alle sehr zufrieden.

Trennung: Viele paare können sich keine zwei Wohnungen leisten

Nun gibt es eine Tatsache, die diesem Modell sehr entgegenkommt, es fast notwendig macht in vielen Fällen. Abgesehen vom emotionalen Nutzen gibt es entschiedene materielle Vorteile, wenn man die Zelte der elterlichen Wohnung nicht abbricht. Denn: Viele Paare können sich nicht zwei Wohnungen leisten! Das ist eine elementare Tatsache. Tun sie es trotzdem, ist oft Verarmung die Folge. Schon von daher ist es zumindest eine Überlegung wert, mit den Kindern getrennt unter einem Dach zu leben. Sich zu arrangieren. Oder einer nimmt sich ein WG-Zimmer.

Ich will versuchen, mögliche Szenarien zu beschreiben, damit das hier nicht theoretisch bleibt.

Oft ist nach einer schweren Trennung erst einmal der Ofen aus. Ist Betrug im Spiel gewesen, ist einer verletzt, muss seine Wunden lecken. Es ist mir klar, dass das Zeit braucht. Aber Zeit vergeht. Wunden heilen. Und, wie gesagt, ich spreche hier nur von Paaren MIT Kindern. Jedem Ex-Paar, das am Wohl der Kinder gelegen ist, müsste es also irgendwann möglich sein, sich an einen Tisch zu setzen und zu überlegen, wie mache ich es am besten für die Kinder? Hat einer einen neuen Partner, könnte er bei diesem Partner wohnen und zur Kinderbetreuung und zur Familienzeit in die Wohnung kommen, in der der andere Partner mit den Kindern wohnt.

Ich wei? sehr wohl, dass das alles ungewohnt klingt. Jede Revolution ist zunächst ungewohnt. Aber ist diese Alternative, dass Kinder ständig mit ihrem Rucksack unterwegs sind, besser? Zwei Kinderzimmer, eines bei Mama, eines bei Papa. Zwei Zuhause? Kein Zuhause? Das frage ich hier provokativ.

Zwei Mal in den Urlaub? Einmal mit Papa? Einmal mit Mama? Warum nicht einmal im Jahr auch eine Woche „Familienurlaub“? Weil man seinen Ex-Partner so hasst? Warum hasst man einen, den man mal geliebt hat? Und mit dem man Kinder hat. Das ist meine Gegenfrage.

Natürlich müssen die neuen Partner mitspielen. Auch sie müssen lernen, mit dem Herzen „um die Ecke“ zu denken. Das braucht viel Fingerspitzengefühl. Das braucht vor allem ein neues Verständnis von Liebe.

Ich muss sagen: Mir behagt dieses neue Verständnis. Ich finde es ausgesprochen liebevoll.

Ich erwarte nicht, dass alle Menschen ihr Leben, ihr Liebesleben, ihre Auffassung von Liebe, von heute auf morgen aufgeben.

Ich freue mich aber sehr, wenn meine Gedanken und Ideen zum Nachdenken anregen. Im Sinne der Liebe. Im Sinne von „Liebe leicht gemacht“.

Eure Birgit

Anzeige