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Traumberuf Hochzeitsplaner: Die Heirats-Profis von morgen haben ein IHK-Zertifikat

Neue Ausbildung zum Hochzeitsplaner
Endlich ein echter Hochzeitsprofi: Irina Wider hat die Ausbildung zur professionellen Hochzeitsplanerin bestanden. © Irina Wider

"Es reicht nicht mehr, 'einfach' zu heiraten"

Irina Wider zieht die dicke Kunststoff-Tür hinter sich zu und lächelt. Aber ihr Lächeln wirkt angespannt. Auf den erröteten Wangen zeichnet sich ihre Nervosität ab. Die junge Frau ringt nach Worten, will ihren Eindrücken Luft verschaffen. Und das ist kein Wunder, denn Irina kommt gerade aus einer ihrer schwersten Prüfungen.

Zwei Wochen hat sie sich auf diesen Tag vorbereitet. Zwei Wochen jeden Abend an ihrer Präsentation gearbeitet. Irina Wider will professionelle Hochzeitsplanerin werden. Um ihren Traum zu verwirklichen, hat sie an Deutschlands erstem Hochzeitsplaner-Lehrgang teilgenommen - eine verkürzte Form der Berufsausbildung, die mit einer Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Köln endet.

Jeder Prüfling muss die Kalkulation und Vorbereitung einer Hochzeit vor einem Expertengremium präsentieren. Das Besondere: Irinas Hochzeitspläne sind real. Im Sommer wird sie die komplette Vermählung von Bekannten organisieren. Aber dann nicht mehr so nebenbei, in der Freizeit, sondern hauptberuflich - als echter Hochzeits-Profi mit IHK-Zertifikat.

Prinzipiell kann sich momentan jeder "Hochzeitsplaner" nennen, ob nun kompetent oder nicht. Der Wedding-Planer Trend aus den USA ist mittlerweile bei uns angekommen - viele Amateure bieten ihre Dienste an, auch weil es lange Zeit keine offizielle Hochzeitsplaner-Ausbildung gab. Eine gesonderte Ausbildung für diesen Bereich anzubieten, war deshalb längst überfällig. In den USA genießen die Damen und Herren schon lange einen guten Ruf, nehmen sie doch dem Brautpaar den Stress um die Organisation vor der Hochzeit ab. Von "Frooonk" Matthée, dem Hochzeitsplaner oder Fernsehformaten wie 'Meine Traumhochzeit' wurden wir für die Thematik schon einmal sensibilisiert.

Der Beruf des Hochzeitplaners hat Zukunft, sagt Patricia Follesa. Die Buch-Autorin ('So planen Sie Ihre Traumhochzeit', Draksal Fachverlag) sitzt im Prüfungsausschuss, zusammen mit zwei Ausbilderinnen der IHK und zwei Hochzeits-Experten aus ihrem Team. Sie ist Inhaberin der Agentur 'Hochzeitsprofis' und bildet mit ihren Kollegen Michael Draksal (Unternehmens-Coach) und Vincent Schwiedeps (Eventagentur-Inhaber) ein erfahrenes Spezialisten-Trio.

Auch, oder gerade weil der Beruf noch neu ist, sei durch die Ausbildung die Möglichkeit geboten, einer der ersten zu sein, den Trend zu erkennen: "Der Bedarf für Unterstützung bei den Hochzeitsvorbereitungen nimmt stetig zu, weil auch der Anspruch an die eigene Hochzeit immer höher wird. Es reicht oft nicht mehr 'einfach' nur zu heiraten, vielmehr soll dieser Tag ein Event werden", so Patricia Follesa. Je nach Region und Professionalität kann ein Hochzeitsplaner zwischen 10 und 20 Prozent des geplanten Hochzeits-Budgets als Honorar für die Organisation verlangen.

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Hochzeitsplaner müssen Stress vertragen

Irina ist im Prinzip fast schon ein Profi. In den vergangenen zwei Jahren hat die junge Frau mit den langen blonden Haaren bereits 13 Hochzeiten geplant, alle hätten Spaß gemacht und sie letztendlich für diesen Beruf begeistert. Denn eigentlich hat Irina Reiseverkehrskauffrau gelernt, hat zudem noch eine Ausbildung als Dekorateurin gemacht, was im Hochzeitsplaner-Business sicherlich von Vorteil ist.

Im vergangenen Sommer fällte sie dann ihre Entscheidung: "Ich möchte mich 2014 selbstständig machen. So ist es professioneller. Ich denke, das ist die richtige Entscheidung." Über die Hochzeitsplaner-Ausbildung, die sich über vier Wochenenden erstreckte, spricht sie ausschließlich positiv - vor allem wegen der guten Balance zwischen Theorie und Praxis. Die anfänglichen Bedenken wegen der Sprache (Irina kommt ursprünglich aus der Ukraine) waren unbegründet, die Inhalte seien verständlich und ausführlich vermittelt worden: "Ich habe in diesem Kurs sehr viel Neues für mich erfahren und sehr viel gelernt. Ich habe alles verstanden, alles mitgemacht."

Schwerpunkte der Ausbildung sind zum einen Basisinhalte wie Existenzgründung, um erst einmal das Grundgerüst der Selbstständigkeit zu schaffen. Auch die Vermarktung und Zielsetzung des zukünftigen Unternehmensprofils ist wichtig. Darauf aufbauend stehen Themen rund um die Hochzeitsorganisation auf dem Lehrplan: Wie finde ich die ideale Location? Wo können die Gäste möglichst gut und günstig übernachten? Was tue ich, wenn die Braut inmitten eines Hormon-Wirrwarrs plötzlich keine Braut mehr seien will? Beratung, Preise, Finanzierung, Rechtsfragen, Management - allerhand Soft Skills also, die ein Komplettpaket bilden und die Kursteilnehmer bestmöglich auf alle erdenklichen Situation vorbereiten sollen.

Die neun ausschließlich weiblichen Kursteilnehmerinnen hatten einen ganz unterschiedlichen Background: "Einige haben sogar schon Hochzeiten geplant, andere gerade selbst geheiratet oder wollen sich beruflich umorientieren", sagt Follesa. Irina gehörte schon zu den erfahrenen Einsteigern.

Für die 32-Jährige hat sich der Stress gelohnt, denn nach dem abschließenden Bewertungsgespräch ist klar: Irina hat bestanden! Ihrer Karriere steht jetzt nichts mehr im Wege. Sie will sich auf türkische, russische und aramäische Hochzeiten spezialisieren, weil sie die Mentalität und das Temperament dieser Kulturkreise am besten versteht. Die nächsten Termine stehen auch schon an: Im Frühling ist die frisch gebackene Hochzeitsplanerin gleich doppelt gebucht und tanzt so wortwörtlich auf zwei Hochzeiten gleichzeitig.

Mit jeder Minute werden Irinas Gesichtszüge entspannter. "Ich habe wirklich gedacht, dass mein Konzept den Prüfern nicht so gefallen hat. Sie waren streng in der Prüfung, hatten so viele Fragen. Aber jetzt waren sie sehr positiv und meinten: 'Es war sehr gut'. Meine Nervosität soll ich aber hier in Köln lassen", lacht sie überwältigt.

Von Anna Wüst

Haben Sie das Zeug zum Hochzeitsplaner?

Um an der Ausbildung teilzunehmen, braucht man keine Vorkenntnisse, keine Abschlüsse oder Qualifikationen. Besonders wichtig bei diesem Berufszweig sind jedoch zwischenmenschliche Komponenten. Patricia Follesa empfiehlt: "Die angehenden Hochzeitsplaner sollten sehr einfühlsam mit Menschen umgehen können. Nur so kann man sich auf ihre Wünsche und Vorstellungen einlassen."

Hochzeitsplaner arbeiten mit unterschiedlichsten Charakteren zusammen, die eigenen Wünsche stehen dabei nicht im Vordergrund. Sich individuell auf das Brautpaar einzustellen, hat oberste Priorität.

Außerdem ist organisatorisches Geschick gefragt: Der reibungslose Ablauf muss garantiert werden. "Alle Verhandlungen mit Dienstleistern, die Erstellung von Ablaufplänen und die Überwachung des Budgetrahmens sollen für das Brautpaar übernommen werden". Fundiertes Fachwissen zum Thema Hochzeit ist dafür unbedingt notwendig.

Nicht zuletzt sollten Hochzeitsplaner mit einem gewissen Stresslevel zurechtkommen, denn während der Hochzeit kann es auch mal chaotisch werden. Wichtig dabei ist sowohl eine gute Kommunikation mit den Eheleuten, als auch mit den Dienstleistern. Follesa weiß, wie wichtig es ist, Menschen offen zu begegnen: "Die Fähigkeit, Netzwerke und gute Kontakte zu erstklassigen Hochzeitsdienstleistern zu knüpfen, ist unerlässlich."

Ist Ihr Interesse geweckt? Mehr Infos zum Thema Hochzeitsplanung finden Sie im Internet unter www.agentur-hochzeitsprofis.de oder in Patricia Follesas Buch 'So planen Sie Ihre Traumhochzeit'.

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