Trauerbewältigung: Wie verkraftet man den Tod geliebter Menschen?

Verwitwet
Ein Verlust des Partners ist schwer

Wie lange dauert die Trauerbewältigung?

Vier Jahre ist Robert Enke nun schon tot. Der Torwart des Erstligaclubs Hannover 96 nahm sich im November 2009 das Leben. Er hatte jahrelang mit schweren Depressionen zu kämpfen. Seine Frau Teresa beeindruckte damals wohl viele, weil diese zarte und zierliche Frau so extrem gefasst und aufgeräumt wirkte. Ihre Gefühle sprach sie offen aus. Um so glücklicher bin ich, dass sie nun in einem Interview mit der Bildzeitung sagte: „Ich fange an, mein Leben in den Griff zu bekommen, meine Tochter hilft mir sehr.“ Durch diesen Satz wird wohl allen bewusst, wie sehr sie noch immer mit der Bewältigung der Trauer kämpft. Wie lange dauert eigentlich Trauerbewältigung und wann wird aus Trauer eine psychische Erkrankung?

Von Sabine Möller

Mit Trauer geht jeder Mensch anders um. Während die einen beim Verlust eines geliebten Menschens nur Wanken, fallen andere regelrecht um. Manch einer steht nach einem Jahr wieder auf und lebt das Leben weiter, ein anderer knabbert jahrelang am Verlust und kann sein eigenes Leben nicht mehr bewältigen. So dauert Trauer bei jedem Menschen unterschiedlich lang. Ob die Dauer normal ist, entscheidet wohl jeder für sich. In den USA haben Ärzte und Forscher in diesem Jahr eine Richtlinie aufgestellt: Wer zwei Wochen nach dem Tod eines nahe stehenden Menschen schwere depressive Symptome zeigt, ist psychisch krank. In Deutschland kommt diese Richtlinie noch nicht zum Tragen, weil hier andere Kriterien für die Diagnose psychischer Störungen gelten. Außerdem stellt sich die Frage: Kann man Leiden einfach weg therapieren oder mit Psychopharmaka bekämpfen?

Dr. Doris Wolf ist Psychologin in Mannheim und hat schon viele Ratgeber zur Trauerbewältigung, unter anderem "Einen geliebten Menschen verlieren", geschrieben. In einer ihrer Publikationen schreibt sie, dass die meisten Hinterbliebenen drei bis fünf Jahre brauchen, um den Weg aus der Trauer herauszufinden. Tabletten, Alkohol oder Süßigkeiten helfen bei der Trauerbewältigung in der Tat, aber nur kurzfristig. Sie rät, nicht länger als vier Wochen damit seinen Schmerz zu bekämpfen.

Hilfe zur Trauerbewältigung

Für Trauernde gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen, beispielsweise den Bundesverband Verwaister Eltern in Deutschland e.V. oder TrauerWelten e.V., einen Verein zur Begleitung trauernder Menschen. Auch Wohlfahrtsverbände, die es in jeder größeren Stadt gibt, wie die Arbeiterwohlfahrt oder das Deutsche Rote Kreuz haben Experten zur Trauerbewältigung.

Wer einfach mit jemandem reden möchte, egal zu welcher Uhrzeit, kann sich auch an die Telefonseelsorge wenden (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222). Vielen Menschen hilft aber auch ihr starker christlicher Glaube. Dort finden Trauernde Unterstützung. Aber egal, wo sich Betroffene Hilfe suchen, Unterstützung erfahren sie überall, denn Reden hilft bei der Trauerbewältigung mehr als das alleinige Auseinandersetzen.

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