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Trauer ums Kind: Hilft ein neues Baby?

Trauer ums Kind: Hilft ein neues Baby?
Trauer ums Kind: Kann ein neues Baby helfen?

Kann ein neues Baby das verlorene Kind ersetzen?

Wenn das eigene Kind stirbt, beginnt für die Eltern oft ein einziger Albtraum. Was in einer Mutter oder einem Vater vorgeht, die um ein Baby trauern, kann meist nur jemand begreifen, der das gleiche schon mal selbst durchgemacht hat. So wie Schauspieler John Travolta und seine Ehefrau Kelly Preston. Nachdem der gemeinsame Sohn Jett 2009 im Alter von nur 16 Jahren an einem Krampfanfall starb, wünschten sich die beiden wieder ein Kind. Im November 2010 kam Söhnchen Benjamin auf die Welt. Ist ein neues Baby wirklich der richtige Schritt nach solch einem Verlust - egal ob durch Tod oder Fehlgeburt?

Nicht nur der Tod eines geborenen Kindes, sondern auch eine Fehlgeburt ist für die Eltern ein echter Schock. Unglaublich: Rund 30 Prozent aller beim Arzt festgestellten Schwangerschaften enden vor der Geburt, die meisten bereits vor dem dritten Monat. Auch wenn die Mutter zuvor das Baby noch nicht einmal gespürt hat, ist der Verlust unbegreiflich. Denn für werdende Eltern beginnt das Leben ihres Babys nicht erst mit der Geburt, sondern schon in dem Augenblick, in dem die Schwangerschaft bemerkt wird. Da wird ein Kinderzimmer eingerichtet, oft steht der Name bereits fest. Und je länger die Schwangerschaft dauert, desto schlimmer ist der Schmerz, wenn das ersehnte Baby stirbt.

Vor dem neuen Baby erst die Trauer bewältigen

"Ihr habt doch schon ein Kind" oder "Ihr könnt doch noch eines bekommen" hören die trauernden Eltern oft. Als könnte ein Nachkömmling das Leben des toten Babys einfach ersetzen. Schließlich hat für die Eltern das eine Kind mit dem anderen nichts zu tun.

Doch ein Baby, das nach dem Tod des Kindes geboren werden soll, vielleicht schon. Denn viele dieser Kinder sollen den Eltern die Trauer erleichtern, vielleicht sogar das tote Geschwisterchen ersetzen. Ein schwerer Druck, der von Geburt an auf einem Kind lasten könnte, das latent eine Ersatz-Rolle spielt. Eine harte Aufgabe für ein Kind, das es ohne den Tod oder auch die Fehlgeburt seines Bruders oder seiner Schwester vermutlich nie geben würde.

Damit das neue Baby sich jedoch als ein eigenständiges Wesen entfalten kann, das nicht den Verlust seines verstorbenen Geschwisterkindes kompensieren soll, sollten Eltern sich mit erneuten Baby-Plänen Zeit lassen. Psychologen raten, zunächst den Verlust der verlorenen Babys zu verarbeiten. Nach einer solchen Krise ist es zunächst einmal wichtig, wieder zu sich selbst zu finden. Eine Fehlgeburt stellt schließlich auch oft die Partnerschaft auf eine harte Probe, die manche Beziehungen nicht bestehen.

Wichtig sei es laut Experten, sich darüber klar zu werden, dass das neue Kind das Alte nicht ersetzen kann und wird. Man sollte sich zudem von dem verlorenen Kind verabschieden, damit man wieder frei ist für neuen Nachwuchs. Das sei so ähnlich wie nach einer Trennung, sagen Psychologen. Erst muss die verlorene Beziehung - auch die zu einem Kind - abgeschlossen sein, damit ein Neuanfang gelingen kann. Wenn Sie also nach dem Verlust Ihres Babys über eine neue Schwangerschaft nachdenken, fragen Sie sich erst einmal, ob Sie den Verlust des Babys verarbeitet haben. Ihnen selbst und dem neuen Baby zuliebe.

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