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Transsexualität: So schwer war Hannahs Weg zur Frau

Hannah kam als Dennis auf die Welt

Hannah ist auf den ersten Blick einfach eine fröhliche, junge Frau. Freude und Lebenslust strahlen ihr förmlich aus den funkelnden, braunen Augen. Es ist daher kaum vorstellbar, dass einst Alkohol, eine Fress-Brech-Sucht und Selbstmordgedanken ihr Leben bestimmt haben. Die 25-Jährige ist eigentlich als Dennis auf die Welt gekommen - und ist daran fast zerbrochen. Janine Steeger hat die heute glückliche Hannah zu einem Gespräch unter Frauen getroffen und ihr ein paar sehr mutige Fragen gestellt.

Transsexualität: So schwer war Hannahs Weg zur Frau
"Ich hatte Angst vor meinem eigenen Körper!"

"Auch wenn man schon mal davon gehört hat, dass es so etwas gibt, dass ein Mädchen in einem Jungenkörper steckt oder auch umgekehrt - das ist gar nicht so leicht zu verstehen. Früher hat man solche Menschen für psychisch krank gehalten." So offen kann Hannah heute über ihre "Fehlbildung", wie sie es selbst nennt, sprechen. Doch das war vor nicht allzu langer Zeit kaum möglich. Die 25-Jährige haderte mit ihrem Schicksal, im falschen Körper geboren worden zu sein. Ein Junge, der lieber mit Mädchen spielt, Mädchensachen macht und zuhause sogar Mädchensachen anzieht. Hänseleien und verstörte Blicke waren an der Tagesordnung.

Aber mindestens genauso schlimm wie die Hänseleien war Hannahs Angst - vor ihrem eigenen Körper. Die Pubertät verschlimmerte das Ganze zusätzlich, wollte aus dem Jungen einen Mann machen. Bart, tiefe Stimme, große Hände - all das wollte Hannah jedoch unbedingt verhindern. Doch die Medikamente, die ihr dabei geholfen hätten, die unerwünschte Entwicklung aufzuhalten, wollte dem jungen Mädchen damals niemand geben. Familie, Lehrer, Jugendamt - alle haben ihr gesagt, dass dies nur eine Phase sei und wieder vorbei gehen würde.

Letzter Ausweg Hormontherapie - "Ich hätte mich sonst umgebracht"

Um eine Hormontherapie und später eine sogenannte geschlechtsangleichende Operation zu bekommen, muss man in Deutschland einen ziemlich langen Weg gehen. Gerade bei Minderjährigen sind die Behörden sehr vorsichtig. Betroffene müssen einen Gutachter finden, der bestätigt, dass sich ein Mensch tatsächlich im falschen Körper befindet. Und solche Gutachter sind rar und einen guten zu finden, ist oft reine Glückssache.

Was hätte Hannah getan, wenn sie nicht dieses Glück gehabt hätte? "Als Dennis hätte ich mich umgebracht.", sagt die junge Frau im Gespräch mit Janine Steeger. So groß war ihre Verzweiflung. Hannah erzählt, dass sie in dieser Zeit, in der nicht klar war, ob der Gutachter in ihrem Sinne entscheiden würde, viel Alkohol getrunken hat und eine Essstörung entwickelte.

Mit Hilfe von Bernhard Breuer hat Hannah es aber letztendlich doch geschafft, Medikamente zu bekommen, die die Pubertät unterdrücken. Mit 18 wurde sie dann operiert. Heute ist sie auch körperlich eine Frau.

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