GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Transgender-Kind Ryland: Wenn die Tochter zum Sohn wird

Kind fühlt sich im falschen Körper

Wie groß muss der Leidensdruck sein, wenn ein 4-jähriges Kind sagt, dass es sich in seinem Körper nicht wohl fühlt - dass es sich eigentlich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt? Ryland kam als Mädchen zur Welt, trug Kleider und lange Haare, aber immer ohne es wirklich zu wollen. Seine Eltern Jeff und Hillary Whittington mussten die härteste Entscheidung ihres Lebens treffen.

Transgender
Ryland kam als Mädchen zur Welt, aber nur als Junge ist er glücklich.

Ryland wird 2008 geboren: als Mädchen. Vater und Mutter sind stolz auf ihre Prinzessin. Die Kleine wächst mit Kleidchen und Schleifen im Haar auf. Doch sie reagiert nicht, wenn die Eltern ihren Namen rufen und spricht kaum. "Wir wussten, dass wir etwas unternehmen müssen. Wir ließen das Kind untersuchen und bekamen die offizielle Diagnose über hochgradige Schwerhörigkeit. Dann informierten wir uns über Implantate", erinnert sich Vater Jeff Whittington.

Die Kleine wird operiert, bekommt ein Hörgerät. Bereits im Vorschulalter hat sie alles aufgeholt und kommuniziert wie jedes andere Kind auch. Doch das Hören wird zum kleinsten Problem der Familie. Denn als das Mädchen sprechen kann, sagte es: "Ich bin ein Junge." "Wir lachten darüber und Jeff sagte belustigend: 'Nein, du bist ein Mädchen'", erzählt Mutter Hillary. Doch darauf reagierte ihre Tochter anders als erwartet. Sie wurde sauer und sie schrie: "Ich bin ein Junge!"

Wie die meisten Eltern, dachten auch Jeff und Hillary zunächst an eine Phase. Ein Ausprobieren der Geschlechter. Doch immer häufiger gibt es sonderbare Situationen. Die Kleine wird immer unglücklicher. Allein die Auswahl der Kleidung ist ein täglicher Kampf. Erstmal nichts Ungewöhnliches, sagen Experten. Nur ein Viertel aller Kinder, die sich nicht typisch männlich oder weiblich verhalten, werden Transgender. "Mädchen dürfen Fußball spielen, Jungs mit Puppen, ohne dass man da gleich etwas Krankhaftes sieht. Transgender ist eine Geschlechtsidentitätsstörung - dabei werden auch die Kleidung und soziale Aspekte abgelehnt", sagt die Psychologin Rüya Kocalevent.

Ob es sich nur um eine Phase handelt oder um ein tiefergehendes Problem, zeigt sich darin, ob das Kind unter der Lebenssituation leidet. Ryland will nicht lernen ein Mädchen unter Mädchen zu sein und flüchtet sich in die männliche Welt. Und neben seiner dauerhaften Traurigkeit werden auch Rylands Aussagen immer krasser: "Wenn meine Familie stirbt, dann kann ich meine Haare abschneiden und ein Junge sein", soll der Kleine zu seinem Vater gesagt haben - als Vierjähriger.

Rylands Weg ist noch lange nicht zu Ende

Die Eltern sind verzweifelt, wissen nicht mehr weiter. Im Internet recherchieren sie und sind fassungslos - 41 Prozent aller Personen die Transgender sind, denken über Selbstmord nach. Für Mutter Hillary war Rylands Schock-Aussage der Auslöser für eine Veränderung. Sie hatte genug von all dem Leid und sagte Ryland: "Warum willst du warten, bis wir sterben? Du kannst deinen Haarschnitt gleich jetzt haben!" Ein Schritt, der alles veränderte.

"Nachdem Ryland seinen neuen Haarschnitt bekam, war er ein ganz anderes Kind", sagt Hillary Whittington. "Das Lächeln in seinem Gesicht war größer denn je!"

Es ist eine echte Geburtsstunde: Aus dem Mädchen wird der Junge Ryland. Er ist glücklich. Keine Spur mehr von Traurigkeit, Einsamkeit, Unwohlsein. Jeff und Hillary lesen viel im Internet und holen sich Hilfe bei Beratungsstellen. Denn nach seiner optischen Verwandlung in einen Jungen, kommt Ryland in die Vorschule. "Ich wusste, dass ich die Erzieherin informieren muss. Denn es gab einige Kinder, die Ryland kannten und ihn gerne hänselten. Es würde eine ganze Armee an Erzieherinnen brauchen, um Ryland die ganze Zeit zu beschützen", sagt Mutter Hillary.

Doch die Familie hat Glück - Rylands Erzieherin kümmert sich rührend um den Jungen, ganz ohne Vorurteile. So lange Ryland ein Junge sein kann, ist er glücklich und zufrieden. Ein klares Zeichen, dass die Eltern richtig gehandelt haben. Ob Ryland später wirklich mal im Körper eines Mannes leben möchte, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner wissen.

Rylands Weg ist noch lange nicht zu Ende - doch den wichtigsten Schritt hat er geschafft: seine Familie akzeptiert ihn, so wie er ist und wie er sein will. Und das ist das Beste, was dem 7-Jährigen passieren kann.

Anzeige