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Totgeburt: Was ist eigentlich eine "stille Geburt"?

Trauer nach Totgeburt: Frau und Mann umarmen sich
Nach einer stillen Geburt ist Trost und Vertrauen sehr wichtig © Berchtesgaden - Fotolia

Stille Geburt: So schmerzhaft ist das Erlebnis für Frauen

Vier von 1000 Geburten enden ohne Happy End. Die Kinder werden tot geboren. Was als "stille Geburt" bekannt ist, ist für die Eltern eine hoch sensible Angelegenheit - der unproduktivste Schmerz, den es wohl gibt. Aber wie verarbeitet man solch ein Erlebnis und welche Rechte haben Eltern in solch einem Fall?

Von Christiane Mitatselis

Was ist der Unterschied zwischen einer Tot- und einer Fehlgeburt?

Wenn ein tot geborenes Baby mehr als 500 Gramm wiegt (unabhängig von der Dauer der Schwangerschaft), handelt es sich in Deutschland rechtlich um eine Totgeburt. Von einer Fehlgeburt spricht man, wenn der Embryo leichter als 500 Gramm ist. Bei einer Totgeburt wird die Geburt in der Regel künstlich eingeleitet. Das im Mutterleib verstorbene Kind wird „still“ zur Welt gebracht. Die Eltern bekommen danach die Gelegenheit, sich das tote Kind anzusehen, um sich von ihm zu verabschieden. Sie erhalten nach einer Totgeburt zudem eine Geburtsurkunde mit Sterbevermerk, das Kind darf in einem eigenen Grab beerdigt werden. Seit 2013 ist eine solche Bestattung auf Wunsch der Eltern auch dann möglich, wenn das tote Baby weniger als 500 Gramm wiegt.

Wie öffentlich sollte man eine Totgeburt machen?

Kaum eine Schwangere hat nach einer Totgeburt eine Chance auf Geheimhaltung. Selbst, wenn der Bauch noch nicht auffällig rund ist - die meisten Frauen geben nach dem dritten Monat bekannt, dass sie schwanger sind. Sie müssen also damit rechnen, auf den Verlust des Babys angesprochen zu werden - und können nur hoffen, dass die Mitmenschen genug Fingerspitzengefühl haben, um keine verletzenden Fragen zu stellen. Wie offen man im Anschluss damit umgeht, entscheidet jeder für sich selbst.

Wie läuft eine "stille Geburt" ab?

Hat der Arzt den Tod des Babys festgestellt, muss die Mutter ins Krankenhaus. Dem Verdacht, dass das Kind verstorben ist, wird da noch einmal nachgegangen. Hat er sich bestätigt, wird der Geburtsvorgang künstlich eingeleitet, denn der Körper produziert in dem Moment keine Wehen. Ärzte raten in solchen Fällen von einem Kaiserschnitt ab, denn für den Körper und die Psyche der Frau ist der reguläre Geburtsvorgang wichtig, um die Totgeburt abschließen zu können. Voraussetzung ist, dass die Gesundheit der Mutter durch die Totgeburt nicht gefährdet ist.

Welche Hilfe gibt es nach einer Totgeburt?

Bis in die 1980er Jahr wurden Frauen nach einer Totgeburt kaum betreut. Sie wurden in der Regel sediert, das Kind entfernt - und das war es. Erst im Laufe der 1990er Jahre stellte man fest, dass Frauen mit Totgeburten viel besser fertig werden, wenn sie in der Nachsorge von Ärzten, Hebammen und bei Bedarf auch von Psychologen oder Seelsorgern betreut werden, all das ist heute auf Wunsch der Frau möglich. Genauso hat man festgestellt, dass es für den Trauerprozess sehr hilfreich ist, dass sich die Eltern vom toten Baby verabschieden, ihm einen Namen geben und es beerdigen.

Gibt es bei einer Totgeburt rechtlichen Schutz für die Mutter im Sinne des Mutterschutzes?

Ja, den gibt es - und zwar dann, wenn ein Kind mindestens 500 Gramm wog oder bei der Geburt starb. Hier wird Mutterschutz gewährt. Es gilt eine Schutzfrist von acht bis zwölf Wochen nach der Entbindung. Auf ausdrücklichen Wunsch kann eine Frau aber schon zwei Wochen nach einer Totgeburt wieder arbeiten gehen.

Wiegt das tote Baby weniger als 500 als Gramm, handelt es sich rechtlich also um eine Fehlgeburt, tritt der Mutterschutz tritt nicht in Kraft. Sind die körperlichen oder psychischen Belastungen der Frau nach der Fehlgeburt beträchtlich, so kann sie sich aber krankschreiben lassen. Es gelten dann die Regelungen über Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Auch in Sachen Kündigungsschutz tut sich momentan etwas. Familienministerin Manuela Schwesig will Frauen auch nach einer Fehlgeburt vor Kündigungen schützen, als hätten sie ein gesundes Kind geboren. Da die Mutter durch die Fehlgeburt in "eine besondere Belastungssituation" komme, soll sie geschützt werden.

Wann kann man nach einer Totgeburt wieder schwanger werden?

Ja, natürlich. Nach einer Totgeburt haben viele Frauen aber die Sorge, dass es wieder passieren könnte. Wie lange man warten sollte, bevor man die nächste Schwangerschaft wagt, können nur Ärzte bestimmen. Wichtig ist, dass geklärt wird, was die Ursache der Totgeburt war. War zum Beispiel eine bakterielle Infektion der Auslöser, so muss sie vollständig ausgeheilt sein. Bei einigen erblichen oder chronischen Erkrankungen der Frau besteht ein erhöhtes Risiko, das Kind wieder zu verlieren. Auch das kann nur ärztlich geklärt werden.

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