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Torschlusspanik: Jede Dritte heiratet den Falschen - und weiß es!

Viele Frauen heiraten wegen Torschlusspanik den falschen Mann
Torschlusspanik: Viele Frauen entscheiden sich für den falschen Mann © WavebreakMediaMicro - Fotolia

Torschlusspanik führt viele Frauen vor den Altar

Hochzeit mit dem Frosch statt mit dem Prinzen: Jede dritte Frau weiß schon vor der Heirat, dass ihr künftiger Ehemann nicht das Sahnehäubchen ist. Warum heiratet sie ihn trotzdem? Torschluss-Panik?  

Von Jutta Rogge-Strang  

"Aber ich habe ihn doch geliebt!" "Wir hatten tollen Sex!" Zehn Jahre und zwei Kinder später ist der Rausch komplett verflogen: Meine Freundin ist geschieden, nach etlichen Pöbeleien und Backpfeifen hatte sie endlich die Scheidung eingereicht, ein erbitterter Rosenkrieg folgte. Mir war das alles schon von Anfang an klar: Der Typ war doof und absolut nichts für sie. "Ich habe das damals nicht gesehen", versichert meine Freundin heute. 

Doch viele Frauen gehen offenbar sehenden Auges ins Unglück:  Sogar jede dritte Frau heiratet den falschen Mann - obwohl sie schon vor der Hochzeit weiß, dass es nicht der Richtige ist. Besser mit einem schrecklichen Mann eine Familie gründen, als für immer allein zu bleiben? Immerhin stehen die Chancen 50:50, dass es doch klappt - oder stimmt an der Milchmädchen-Rechnung was nicht?      

Biologische Uhr macht Torschlusspanik

Die Hauptgründe sind laut einer Umfrage der US-Paartherapeutin Jennifer Gauvain und ihrer Co-Autorin Anne Milford (die selbst ihre Hochzeit fünf Monate vor dem großen Tag absagte) tatsächlich Torschluss-Panik und das laute Ticken der biologischen Uhr: "Er ist vermutlich meine letzte Chance zu heiraten und niemand sonst ist in Sicht", berichtet ein Drittel der befragten 1.000 geschiedenen Frauen. Da heißt es dann, Zähne zusammenbeißen und durch. Immerhin sind bei meiner Freundin auch zwei nette Kinder entstanden - ohne Ehemann wäre das wohl nicht so leicht passiert.  

Und es gibt ja tatsächlich noch die Chance, dass sich die Beziehung im Laufe der Jahre verändert und verbessert. Im Alltagsleben mit Kindern hat man sowieso nicht viel Zeit, um sich um die eigenen Beziehungs-Probleme zu kümmern. Und die Märchengeschichten vom Prinzen auf dem weißen Pferd hat frau sich im Laufe der einsamen Single-Jahre schon längst abgeschminkt. Vielleicht gibt es auf der Welt irgendwo den Richtigen, der perfekt passt - aber wenn er ihr partout nicht über den Weg laufen will, muss es eben auch anders gehen. Sonst ist es eines Tages auch für die 3.-Wahl-Männer zu spät.    

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass ganz viele attraktive Frauen mit wirklich uninteressanten Männern zusammen sind? Es kann nicht daran liegen, dass es mehr schöne Frauen als tolle Männer gibt. Im Single-Zeitalter muss man eben nehmen, was kommt - auch wenn es nicht der Traumprinz ist. Besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Und notfalls lässt man sich eben scheiden - wie meine Freundin.  

Therapeutin Jennifer Gauvain hält das jedoch für einen Fehler: "Lassen Sie sich nicht von der Angst vor dem Alleinsein diktieren, mit jemandem zusammenzusein, mit dem Sie kaum etwas gemeinsam haben. Sagen Sie nicht Ja vor dem Altar, nur weil es der nächste logische Schritt ist oder Sie schon viel Geld und Zeit in die Hochzeits-Vorbereitungen gesteckt haben. Und vor allem sollte eine Scheidung nicht schon eine mögliche Option sein, bevor Sie überhaupt verheiratet sind."

Letztlich bleibt ja immer noch das Fernsehen: Da kann sich Frau als die berühmte alte Jungfer allein vergnügen und die Beziehungssehnsucht in diversen Daily Soaps ausleben. Darauf einen Kartoffelchip!                    

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