Tod durch Sterbehilfe: Jetzt spricht Brittany Maynards Mutter

"Sie war ein kluges, hübsches Mädchen"

Brittany Maynard wollte nicht auf den schlimmen Tod durch ihren Hirntumor warten und entschloss sich, selbst zu wählen, wann sie sterben möchte. Diesen letzten Wunsch – selbst zu entscheiden – hat sich Brittany erfüllt. Die 29-Jährige hat sich mit Sterbehilfe-Medikamenten selbst das Leben genommen. Ihre Mutter Debbie Ziegler erzählt von ihrer tapferen Tochter.

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Tod durch Sterbehilfe: Brittanys Mutter Debbie erzählt von ihrer Tochter
Brittany Mynard und ihre Mutter Debbie Ziegler standen sich immer sehr nah. © REUTERS, HANDOUT

"Meine Mutter wird bald ihr einziges Kind verlieren" - vor ihrem Tod schon sorgte sich Brittany Maynard darum, wie es ihren Hinterbliebenen, besonders ihrem Mann Dan und ihrer Mutter Debbie, gehen würde. "Dan und ich haben den Wunsch aufgegeben, eine Familie zu gründen. Meine Mutter wird bald ihr einziges Kind verlieren. Wir sind uns wohl alle einig, dass kein Elternteil sein Kind beerdigen sollte."

Die 29-jährige wurde von ihrer Familie und ihren Freunden bei ihrem Vorhaben, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, unterstützt. Das US-Magazin 'People‘ berichtet nun nach Brittanys Tod, wie ihre Mutter Debbie Ziegler sich an ihre Tochter erinnert.

"Sie war ein kluges, hübsches und charismatisches kleines Mädchen, und wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann erreichte sie es auch“, erzählte die stolze Mutter. Auch in der Schule war Brittany immer eine Einser-Kandidatin. Erst im Studium bekam sie ihre erste Zwei und war wahnsinnig enttäuscht. „Als sie mich anrief sagte ich zur ihr: 'Ich schicke dir Geld,‘ und sie fragte: 'Warum?‘ Ich erklärte ihr: 'Ich möchte, dass du eine Freundin einlädst und mit ihr auf das Unperfektsein anstößt.' Ich wollte sie trotzdem loben und sie wissen lassen, dass kein Mensch perfekt sein muss“, erinnert sich die trauernde Mutter.

Debbie Ziegler zog ihre Tochter allein auf, aber das Mädchen sollte niemals auf etwas verzichten. Sie füllte nicht nur liebevoll ihre Mutterrolle aus, sondern übernahm auch die Vaterrolle und ging mit Brittany zum Camping, Angeln und Bergsteigen.

Dabei entwickelte Brittany ihre Liebe zur Natur und ihre Leidenschaft für das Reisen. "In der Highschool wollte sie am liebsten ständig unterwegs sein“, berichtet Debbie. "Sie wollte nach Vietnam, Nepal und Afrika. Diese Reiseziele machen einem als Mutter schon Angst, besonders weil Brittany oft alleine unterwegs war.“ Aber immer ließ Debbie ihre Tochter ziehen, denn das war ihr Wunsch.

Sogar der Vatikan meldet sich zu Wort

Bald engagierte sich Brittany auch sozial. Sie arbeitete in einer Obdachlosen-Unterkunft und unterrichtete Waisenkinder in Nepal. "Sie wollte immer etwas zurückgeben“, erklärt Debbie. Auf ihren Reisen war sie an den ärmsten Orten der Welt. Debbie ist sich sicher, dass diese Erfahrungen ihrer Tochter halfen, mit der qualvollen Krankheit besser umzugehen. Sie versank nicht in Selbstmitleid, sie wusste, dass sie schon so viel erlebt und gegeben hat, das beruhigte ihre Mutter. Dem Wunsch eines Angehörigen nach Sterbehilfe stattzugeben und diesen zu akzeptieren ist nicht leicht. Brittany konnte sich aber durch die Fürsorge und Liebe, die sie stets erfuhr gewiss sein, dass sie den richtigen Weg für sich gewählt hat.

Nicht jeder kann Brittanys Entscheidung so einfach akzeptieren. Nach ihrem Tod schaltet sich nun der Vatikan in die Diskussion ein, die Brittany Mynard ausgelöst hat. "Wir verurteilen keine Personen", sagte der Leiter der päpstlichen Akademie für das Leben, Ignacio Carrasco de Paula, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Jedoch sei der Akt an sich durchaus zu verurteilen. "Diese Frau hat es gemacht und angenommen, würdevoll zu sterben. Doch hier ist der Fehler. Sich das Leben zu nehmen, ist keine gute Sache, sondern eine schlechte. Denn es heißt, Nein zu sagen zum eigenen Leben", erklärt de Paula.

Ob falsch oder richtig muss in Brittanys Fall nun niemand mehr entscheiden. Sie konnte in Würde sterben. "Ich habe das nicht gemacht, weil ich Aufmerksamkeit möchte", stellte sie vor ihrem Tod klar, "Ich möchte eine Welt haben, in der jeder mit Würde sterben kann, so wie ich. Meine Reise wird durch meine Wahl viel einfacher."