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Titten, Thesen, Temperamente: die Frauen und ihr Busen

Über 'Bacon', 'Biscuits' und Co.

Tanja Tischewitsch nennt ihren Busen Bacon. Super Sache, nicht nur wegen der doppelten Alliteration. Sondern auch wegen der Begründung: Erstens esse sie selber sehr gerne Speck, und zweitens mögen ja alle Speck, also Bacon, also – so geht die Argumentationskette wohl weiter - auch ihren Busen. Nur sie selbst ist zur Zeit mit ihren Bacons etwas unzufrieden. Wie wir im Dschungelcamp erfahren durften, fürchtet sie um deren Fülle. Tanja tut damit etwas, was allen Frauen gerne nachgesagt wird: Sie hadert mit ihrer Oberweite. Auch wenn nicht jede ihre diesbezüglichen Sorgen so offen wie Tanja zur Schau trägt. Eine kurze Betrachtung über Titten, Thesen und Temperamente.

Titten, Thesen, Temperamente: die Frauen und ihr Busen
© RTL

Von Ursula Willimsky

Starten wir mit der Namensgebung. Da ist Bacon in Sachen Originalität schon ganz weit vorne. Im ersten Moment dachte mancher vielleicht: Die will die gängige Umschreibung 'Balkon' etwas ungeschickt einenglischen. Aber nein. Sie meinte tatsächlich Bacon. Bemerkenswert scheint in diesem Zusammenhang übrigens auch die Tatsache, dass eine Frau ihren Brüsten überhaupt Namen gibt. Kolportiert wurde das bisher nur von der US-Schauspielerin Jennifer Garner, die ihre Brüste angeblich 'Biscuits' nennt. Wenn Kosename, dann muss es offenbar was Nahrhaftes sein. Ansonsten sind uns keine namentlichen Nennungen bekannt.

Soweit wir wissen, macht das noch nicht einmal Miley-'free the nipple'-Cyrus. Und selbst Heidi Klums Hans und Franz scheinen ja eher einer ironischen Laune, beziehungsweise Verkaufsstrategie zu entspringen. Am Anfang ihrer internationalen Karriere sagte die Model-Mama gerne am Set: „Das sind deutsche Brüste, die eine heißt Hans, die andere Franz“. Klingt nicht ganz so, als ob Frau Klum auch im Privaten namentliche Zwiegespräche mit ihren Brüsten führen würde.

Die Dinger brauchen ohnehin keine Ansprache, sondern Pflege. Mit Cremes und Spezialgymnastik versuchen die meisten Frauen, der Schwerkraft möglichst lange ein Schnippchen zu schlagen. Einige vertrauen zusätzlich auf die Künste eines Arztes. Brustvergrößerungen sind hierzulande die häufigsten schönheitschirurgischen Eingriffe. Die Zahlen schwanken etwas – zwischen 20. 000 und 55.000 OPs sollen im Jahr 2013 durchgeführt worden sein.

83,1 Prozent aller deutschen Frauen mögen ihren Busen

Unvorstellbar vor allem für die, denen die Natur im oberen Drittel zu viel schenkte: Rückenschmerzen. Blusen, die entweder über dem BH aufklaffen oder sich um die Taille herum wie Zelte ausbreiten. Probleme beim Joggen, Hüpfen und Radfahren. Und das Gefühl, als fleischgewordene Männerphantasie durchs Leben zu laufen. Große Brüste sind nicht immer ein Segen.

Das sehen inzwischen auch einige Promis. Victoria Beckham zum Beispiel ließ sich ihre Implantate wieder entfernen, um ihre Silhouette ihrem Image als Geschäftsfrau anzupassen. Selbst Katie Price hat obenrum abgebaut (um fünf Körbchengrößen): „Jetzt schauen die Leute mir zuerst ins Gesicht!“ Ja. Ist doch auch schon was. Bestimmt wünschen sich auch wohlproportionierte Frauen aus anderen Branchen, dass die Geschäftspartner weniger auf die natürliche Ausstattung und dafür stärker auf die fachliche Expertise achten. Bekleidungstipps zum Karriere-Thema „Wie kaschiere ich einen großen Busen“ gibt es zumindest zuhauf.

Das Thema Busen scheint ein Dauerbrenner zu sein, vielleicht ja einfach, weil man ihn so schlecht verbergen kann. Die perfekte Nabelform – Nischenthema für Menschen, die gerne bauchfrei rumlaufen. Oberschenkel – kann man unter Röcken und Hosen verschwinden lassen. Aber der Busen? Den sieht jeder, auch wenn mehrere Lagen Stoff ihn verdecken.

Evolutionsbiologen behaupten, dass Männer große Brüste mögen, weil sie Fruchtbarkeit signalisieren: Diese Frau hat in ihrem Körper viel Fett gespeichert, sie ist gesund, sie wird eine prima Mutter für meine Kinder sein. Wir Menschenfrauen sind die einzigen Säugetiere, denen während der Pubertät ein Busen wächst. Mutter Natur hat ihn wohl als Nährstoff-Speicher für Stillende gedacht. Der Mensch braucht dieses Zusatzdepot, weil Babys Hirn sehr viel Energie benötigt, um zu wachsen. Mäusemamas haben keinen Busen, auch wenn sie ihre Babys säugen.

Weshalb die durchschnittliche Körbchengröße bei Menschen zudem je nach Herkunftsland variiert, können wir uns aber auch nicht erklären. Die deutschen Frauen tragen im Durchschnitt C- bis D-Körbchen mit sich herum, finnische, norwegische und schwedische Frauen sogar Doppel-D. Im asiatischen und afrikanischen Raum ist es Größe A.

Liegt´s an der Ernährung? Busenspezialistin Tanja würde da wahrscheinlich ja sagen. Angeblich werden ihre Markenzeichen besonders prall, wenn sie viel Fettiges isst (Krakauer, aber auch mal Pommes mit Softeis). Offenbar leidet sie an einer seltenen Genmutation, die es ihr erlaubt, Fettzellen ganz gezielt in bestimmte Körperregionen zu schicken. Diese Mutation hätten wir wohl alle gern. Obwohl: Eigentlich sind wir trotz allem ehrlicherweise doch ganz zufrieden mit unseren Körperrundungen. 83,1 Prozent aller deutschen Frauen mögen ihre Bacons, auch wenn sie ihnen keine albernen Kosenamen geben.

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