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Tipps gegen Langeweile in den Ferien

Tipps gegen Langeweile in den Ferien: Kinder sinnvoll beschäftigen
Tipps gegen Langeweile in den Ferien

Kinder sinnvoll beschäftigen

Endlich. Endlich! Die großen Ferien sind da. Und dann? Fällt relativ schnell der Satz: "Möönsch, ist mir langweilig!" Und statt glücklicher Kinder, die in der Sommersonne toben, hat man eine nölige Brut zu Hause sitzen, die nichts mit sich selbst anzufangen weiß und erst mal alles "doof" findet. Viele Mütter speichern diesen Satz als Vorwurf gegen sich ab: "Ich muss dafür sorgen, dass mein Kind keine Langeweile hat." Und fangen an, ihm Angebote zu machen. Schwupps werden die Ferien zur Rund-Um-Bespaßung mit vielen Ausflügen und Events. Ein bisschen Spaß muss sein, das ist klar. Aber Fachleute sind sich einig: Ein bisschen Langeweile muss auch sein.

Von Ursula Willimsky

Eigentlich ist dieser schwebende, flirrende Zustand der Langeweile ja ein durchaus erstrebenswerter Zustand. Bedeutet er doch, dass man sich den Luxus gönnen kann, gar nichts zu tun. Urlaub, Ferien - das waren ja auch immer Zeiten, in denen man sich zurücklehnte, eben keine Aufgaben und Termine hatte und sich gepflegt langweilte. Gerade so, dass es noch schön ist.

Man sollte sich den Heruasforderungen stellen

Viele Erwachsene scheinen das verlernt zu haben. Konstanze, eine 45-Jährige Grafik-Designerin aus Köln, bringt es auf den Punkt: "Ich mach mir richtig Sorgen, weil ich nicht mehr einfach so mal in Ruhe dasitzen kann." Sie hat Hummeln im Hintern und zwar permanent. Noch vor ein paar Jahren konnte die Single-Frau problemlos einen langen Nachmittag auf ihrer Terrasse abgammeln ohne sich groß was dabei zu denken. Die Zeit verstrich, und Konstanze war zufrieden. Heute hat sie permanent das Gefühl, etwas tun zu müssen. Irgendwo ist ihr die Fähigkeit, ihre Muße-Stunden zu genießen, abhanden gekommen.

Aktiv-Sein ist das Motto der Zeit. Die - allen Unkenrufen zum Trotz gar nicht so knapp bemessene - Freizeit soll man nutzen, etwas Sinnvolles mit ihr anstellen. Etwas erleben und sich neuen Herausforderungen stellen. Wir finden: Das ist alles super. Aber ab und zu sollte man sich auch einfach mal "nichts" gönnen. Um wieder zu sich selbst zu finden und sich zu erden.

Eltern sollten Verständnis aufbringen

Dasselbe raten Experten übrigens auch im Umgang mit gelangweilten Kindern. Wenn denen der Ferientag zu lang wird, neigen ja viele Mütter dazu, in lieb gemeinten Aktionismus zu verfallen: "Mal doch was! Sollen wir etwas spielen? Wollen wir eine Runde Rad fahren?". Es werden solange Angebote gemacht, bis etwas gefunden ist, das das Kind die nächste Zeit beschäftigt.

Ingrid Leifgen rät im Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik dazu, die Langeweile des Kindes einfach mal auszusitzen - nur dann habe das Kind die Chance, sich selbst etwas auszudenken oder selbst etwas zu entdecken, das ihm Freude macht - und mit dem es sich dann auch stundenlang beschäftigen kann.

Statt Vorschläge zu machen oder gar selber ein Spiel anzufangen, so ihr Tipp, sollten Eltern vielmehr Verständnis für die Gefühle des Kindes und vor allem Vertrauen in seine Fähigkeiten zeigen: "Ich kann verstehen, dass du dich jetzt ein bisschen langweilst. Ich bin aber sicher, das geht gleich vorbei. Dir wird bestimmt wieder etwas einfallen." Auf diese Weise würde das Kind ermutigt, eigene Strategien gegen die Langeweile zu entwickeln und die momentane Krise selbst zu überwinden. Früher oder später werde seine Fantasie sich regen. Lernen, sich selbst zu beschäftigen - das pusht das Selbstvertrauen.

Kinder sollten lernen, den Leerlauf selber zu füllen

Langeweile ist oft auch das Resultat einer Reizüberflutung. Viele Kinder sitzen in Zimmern, die vollgestopft sind mit Spielsachen - und haben prompt auf nichts Lust. Auch für diese Kinder kann Langeweile im Endeffekt spannend sein, wenn man ihnen die Chance gibt, den inneren Leerlauf aus sich selbst heraus zu füllen. Was ja auch für die Eltern einen gewissen positiven Effekt hat: Sie müssen nicht permanent als Animateur für ihre Kinder im Einsatz sein.

Sich der großen Langeweile stellen: Da werden auch Erinnerungen an die langen, langen Ferien der eigenen Kindheit wach. Klar war einem da immer wieder öde. Und nach der Öde kam auch nichts besonders aufregendes. Aber irgendwie ging man am Abend dann ja doch zufrieden ins Bett. Und unten im Sandkasten stand die größte Sandburg der Welt. Und man hatte stundenlang Steinchen geschmissen. Oder man saß einfach so oben im Kletterbaum, hat die Beine und die Seele baumeln lassen, hat ein bisschen geträumt und in der Gegend rumgeguckt - und war einfach nur glücklich.

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