Til Schweiger im Tatort: Top oder Flop?

Til Schweiger im Tatort
Til Schweiger als Tatort-Kommissar polarisiert © picture alliance / dpa, Sven Hoppe

Ist Til Schweiger etwa zum Einschlafen?

Seit gestern Abend, schätzungsweise kurz vor oder kurz nach halb neun Uhr habe ich ein neues Alleinstellungsmerkmal: Ich bin vermutlich die einzige Frau in Deutschland, die vor dem neuen Tatort mit Til Schweiger eingeschlafen ist. Ich konnte ihn nicht anschmachten, ich konnte mich nicht über ihn ärgern, und auch am Tag danach kann ich mich an kaum noch etwas erinnern. Nur ein paar Filmfetzen (offenbar bin ich zwischendurch ein paar Mal hochgeschreckt), sind mir von dem medialen Ereignis des März 2013 geblieben. Naja, auch nicht so schlimm. Sollte mich jetzt einer der 12,57 Millionen Menschen (neuer Reichweiten-Rekord für einen Tatort!), die den 'Tatort' tatsächlich geguckt haben, fragen, wie ich die Premiere denn fand, kann ich auf jeden Fall sagen: "War ganz schön viel Rumgeblute und Geballere. Aber Schweiger war toll."

Von Ursula Willimsky

Immerhin: Den Anfang habe ich noch aktiv gesehen. Und ich habe Schweigers ersten Satz ("Fuck!") gehört. Sein Vorgänger Schimanski hatte übrigens 1981 in seinem ersten Tatort auch ein böses Wort im ersten Satz („Scheiße“). Das war immerhin noch zweisilbig. Aber heutzutage muss ja alles immer ganz schnell und hart sein. Und "Horst" heißt jetzt eben "Nick".

Außerdem glaube ich mich noch an einen Wortwechsel zu erinnern: "Schiller? Wie der Dichter?" "Ne, mit T davor, Tschiller". Oder so ähnlich. Danach sagte Schweiger/Tschiller wohl noch total selbstironisch irgendwas von wegen "ich nuschel ein bisschen", aber das hab ich schon wieder nicht mehr registriert. An einen Schusswechsel kann ich mich erinnern. An eine Blutlache. Und an eine supertolle Felljacke, die eine der Prostituierten trug. Achja, und in einer meiner seltenen Wachphase durfte ich beobachten, wie Tschiller/Schweiger recht kerlig-männlich erst einem Kleinbus hinterherrannte und ihn dann auch tatsächlich einholte.

Til Schweiger - nicht immer ernstgenommen

Weil Schweigers Tatort-Kommissar aber natürlich so als Typ total indated (subtile Anspielung auf Schweigers Kritik am Tatort-Vorspann, der sei nämlich "outdated") sein muss, zeigte er auch ganz weiche Seiten. Nicht nur Kerl, sondern auch Kümmerer, so wie es zur Zeit eben angesagt ist.

Wie es das Schicksal so will, habe ich auch diese Schlüsselszene offenbar miterlebt: Ich erinnere mich dunkel eine Frühstücksszene mit einem nöligen Kind, das ein weiches Frühstücksei einforderte. Da Schweiger nach dem Grundsatz "Nicht ohne meine Töchter" zu agieren scheint, wurde das undankbare Blag von seiner echten Tochter dargestellt. Sehr schön finde ich in diesem Zusammenhang eine Frage, die auf Twitter aufgeworfen wurde: "Und wie viele der minderjährigen Prostituierten werden jetzt von Schweigers Töchtern gespielt?"

Tja, fast habe ich jetzt doch den Eindruck, dass ich die wichtigsten Szenen gesehen habe, die eigentliche Handlung kann ich mir auf jeden Fall zusammenreimen. Und dass Kapuzenpullis an Schweiger toll aussehen, wusste ich ohnehin schon. Da brauch ich keinen Tatort für.

Til Schweiger wird in Deutschland mit seinen Filmen ja nicht immer ernst genommen. Er polarisiert: Entweder findet man ihn super, oder kann ihn gar nicht leiden. Bei Frauenzimmer.de-Userinnen kam Kommissar Schweiger allerdings sehr gut an, die meisten fanden ihn toll. Ob er allerdings unbedingt in einem "Tatort" ermitteln sollte, da gingen die Meinungen schon sehr auseinander: Von "nackt im Bett wär er mir lieber gewesen", "endlich mal ein spannender 'Tatort'" bis "kam mir vor wie stirb langsam" oder "zu viel Blut, Geballer und Action" hatte da jede von Euch eine andere Meinung. Spannend bleibt auf jeden Fall die Frage, wie Till/Nick sich bei seinem nächsten Einsatz machen wird.

Dann werde auch ich sicher wach(!) mit dabei sein. Damit ich mitreden kann. Und damit auch ich weiß, was alle damit meinen, wenn sie von dem "supersüßen Kollegen" sprechen, der vom Krankenbett aus mit ermittelt hat.

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