Tierversuche im Max-Planck-Institut: Wissenschaftler stellen sich den Vorwürfen

Tierversuche im Max-Planck-Institut
Affe Stella leidet bei Tierversuchen

Was sagen die Wissenschaftler zu ihren Tierversuchen?

Affen, die scheinbar nur noch dahin vegetieren, Tiere, die offenbar völlig verhaltensgestört sind, sich über quälend lange Minuten in einem sogenannten Primatenstuhl drehen: Ein Tierschützer, der sich Pawel nennt, hatte sich für sechs Monate ins Max-Planck-Institut in Tübingen eingeschleust, um Missstände in Versuchslabors aufzudecken. Die schrecklichen Bilder aus dieser Zeit schockierten bereits vergangene Woche nicht nur Tierfreunde im Internet. Bei 'Stern TV' stellten sich die Tierschutzbeauftragten des Instituts den Vorwürfen - und diskutierten mit 'Pawel' über den Zustand der Tiere.

Almut Schütz vom Max-Planck-Institut wies die Vorwürfe zunächst von sich: "Niemand schaut solche Bilder gern an. Aber ich muss auch sagen, das ist nicht die Regel, das gibt wirklich ein falsches Bild." Allerdings erhob sie sogar Vorwürfe gegen den Undercover-Tierschützer: Er soll die betreffenden Situationen bewusst provoziert haben, um entsprechende Bilder zu bekommen. "Unseren Tierpflegern ist aufgefallen, dass das gut funktioniert hat mit dem Tier, bis etwa Mitte Januar. Und das war die Zeit, in der vor allem Sie zuständig waren für diesen Teil des Stalls und für die Versorgung dieser Tiere", wirft sie dem Tierpfleger vor. Für diese Aussage hatten die Zuschauer im Studio nur Lachen übrig.

Kein Wunder, denn der Vorwurf klingt auch ungeheuerlich, zumal die Abteilung in der Abteilung für biologische Kybernetik Pawel sogar noch ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt hatte. Darin steht unter anderem: "Er überzeugte in qualitativer und quantitativer Hinsicht immer mit sehr guten Leistungen." Wie kann man also jemandem, der am pathologischen Verhalten von Affen schuld sein soll, solch ein Top-Zeugnis ausstellen?

Die Wissenschaftler vom Institut gehen noch weiter. Jetzt heißt es, der Undercover-Pfleger hätte Alarm schlagen müssen, als er solche schlimmen Zustände im Labor sah. Sie werfen dem jungen Mann unterlassene Hilfeleistung vor!

Doch Pawel wehrt sich: "Die Affen haben die Tierpfleger gesehen. Die Affen hat der Tierarzt gesehen. Die Affen haben auch die Wissenschaftler gesehen. Da stellt sich doch die Frage, ob sie als Tierschutzbeauftragte nicht die einzigen waren, die sich diesem Sachverhalt nicht im Klaren waren."

Affendame Stella musste eingeschläfert werden

Und in der Tat sprechen die von Pawel aufgenommenen Bilder eine offensichtlich andere Sprache: Affendame Stella ist nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt. Weil sich ihr Implantat im Kopf entzündete, wird sie tagelang regelmäßig behandelt - das dokumentiert ein Angestellter des Instituts. Er ruft sogar deswegen beim Tierarzt an: "Ich bin jetzt hier bei Stella und die sieht nicht gut aus. Die bewegt sich sehr schlecht und die sieht aus, als wäre sie halbseitig gelähmt."

Dieses Gespräch fand am 3. Oktober statt. Pawel filmte das Tier aber erst einen Tag später. Die Angestellten des Instituts müssen also frühzeitig über Stellas Leiden Bescheid gewusst haben. Und laut Pawel soll der Tierarzt ebenfalls frühzeitig gesagt haben, dass Stella eingeschläfert werden müsse, da man nichts mehr für sie tun könne. Allerdings soll Stella in Wirklichkeit erst Tage später, nach langer und offenbar qualvoller Zeit, eingeschläfert worden sein.

Dass die Anwesenden im Studio sich nicht einig werden und sich gegenseitig Vorwürfe machen, ist klar. Inzwischen gibt es aber auch aus der Politik Forderungen an das Max-Planck-Institut - bis alle Vorwürfe lückenlos geklärt sind - die Versuche an den Affen auszusetzen.

Zur Erforschung des Gehirns, unter anderem im Rahmen der Parkinson-Forschung, werden die Tiere im Institut stundenlang auf spezielle Stühle geschnallt und müssen auf visuelle Reize reagieren. Ihre Köpfe sind mit Schrauben fixiert, sie sind bewegungsunfähig. Teilweise bekommen sie laut Pawel tagelang kein Wasser. Auf seiner Homepage jedoch zeigt das Institut selbst zufriedene und unverletzte Tiere. Es ist die Rede von einer mäßigen Belastung und strengen Kontrollen bei den Tierversuchen. So begründet es seine Forschung: "In der Grundlagenforschung geht es um grundlegende Funktionsprinzipien, auf die die angewandte klinische Forschung überhaupt erst aufbauen kann. (…) Dabei gilt auch, dass jeder Erkenntnisgewinn ein kleines Puzzleteil ist, das zum Wohle der Menschheit dienen kann".

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