Ticket-Streit: Bahn-Shitstorm wegen Flaschensammlerin

Ticket-Streit: Bahn-Shitstorm wegen Flaschensammlerin
Ganz schön viel Wirbel um eine Aktion, die auch menschlicher hätte gelöst werden können.

Anke Hargaßer wollte Schwarzfahrerin helfen

40 Grad Hitze, ein überfüllter Zug und eine defekte Klimaanlage - das ist an sich schon eine Kombination, die selbst ausgeglichene Typen schnell auf die Palme bringt. Anke Hargaßer hat am vergangenen Sonntag genau diese Situation in der Nähe von München erlebt, aber entspannt darauf reagiert. Richtig aufgeregt hat sie sich allerdings über eine Aktion der Fahrkartenkontrolleure. Und mit ihrer Entrüstung löste Anke Hargaßer einen Shitstorm auf der Facebook-Seite der Deutschen Bahn aus, der sich gewaschen hat.

Was war geschehen? Bei der obligatorischen Fahrkartenkontrolle hatten alle ihre Fahrkarten gezückt, nur eine Flaschensammlerin nicht. Also holte der Kontrolleur sein Erfassungsgerät hervor, um der Schwarzfahrerin ein Bußgeld zu verpassen. Anke Hargaßer beobachtete die Szene und schaltete sich ein: Die Dame könne auf ihrem übertragbaren Ticket mitfahren, bot sie an. Der Kontrolleur akzeptierte das nicht. "Er hat es vorgezogen dieser Frau, die nachts durch München läuft, um Pfandflaschen für 10 EUR zu sammeln, einen Bußgeldbescheid über 60 EUR auszustellen…", postete Anke Hargaßer auf der Facebook-Seite der Deutschen Bahn. Verbunden mit folgender Frage, für die sie virtuellen Applaus in Form von über 80.000 Likes erhielt: "Was ist eigentlich mit Ihrem Unternehmen los und wann wollen Sie damit anfangen, ein bisschen von dem Verständnis zurück zu zahlen, dass Ihnen Ihre Kunden jeden Tag entgegen bringen?"

Eine verständliche Frage. Natürlich ist es nicht in Ordnung, ohne Ticket einen Zug zu nutzen. Aber aus Sicht der Kundin waren zwei gültige Tickets vorhanden - warum also durfte sie die überzählige Karte nicht an die Mitfahrerin abgeben? Hätte der Schaffner nicht ausnahmsweise ein Auge zudrücken können, anstatt seine Vorschriften durchzusetzen? Wo bleibt da die Menschlichkeit?

Die Bahn reagierte auf die Kritik - aber wie

Die Bahn reagierte auf den Post von Anke Hargaßer folgendermaßen: "Es ehrt Sie sehr, dass Sie einer anderen Person helfen wollten, die kein gültiges Ticket hatte und sich anscheinend auch keins leisten konnte. Der soziale Umstand eines Schwarzfahrers ändert aber nichts daran, dass derjenige vorsätzlich eine Leistung erschleichen wollte bzw. hat." Auch nachvollziehbar, klar.

Diesen Nachsatz hätten sich die Bahn-Mitarbeiter aber besser gespart: "Ich kann Ihr Unverständnis und Mitleid durchaus verstehen, allerdings werden solche Leute es dann grundsätzlich immer wieder versuchen. Wenn man immer ein Auge zudrückt oder immer jemand da ist, der in dieser Situation helfen möchte, so wie Sie, wäre ja grundsätzlich gar kein Ticketkauf notwendig."

Solche Leute? Auge zudrücken lohnt sich nicht? Nunja, viele Facebook-User sahen das anders. "Die Reaktion der 'DB Bahn' - und auch die Sprache, in der sie sich dabei ausdrückt - kommt einer moralischen Bankrotterklärung gleich", kommentierte beispielsweise Luke Box. Ganz schön viel Ärger um eine Situation, die mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und Menschlichkeit auch zu lösen gewesen wäre.

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