Thüringer Datenschutz überprüft Zalando

Der Thüringer Datenschutz hat Zalando ins Visier genommen

Diebstahl-Kontrollen zum Schichtende, komplette Überwachung der Mitarbeiter und permanenter Leistungsdruck - das alles hat Reporterin Caro Lobig erlebt, als sie drei Monate als Lagerarbeiterin beim Online-Händler Zalando arbeitete. Jetzt wird der Logistik-Standort des Unternehmens in Erfurt durch den Thüringer Datenschutz kontrolliert.

Der Online-Shop Zalando ist ins Visier von Datenschützern gerückt.
Lutz Hasse vom Thüringer Datenschutz überprüft das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt. Die Mitarbeiter sollen dort unter anderem von Kameras überwacht werden.

„Wir haben uns jetzt entschlossen, bei Zalando vor Ort zu prüfen, ob es sich wirklich so darstellt. Sie können davon ausgehen, dass wir von vielen Seiten Material zugespielt bekommen haben, sodass ich davon ausgehen kann, dass man uns nicht so leicht vor die Fichte führen kann“, erklärt der Thüringer Datenschutzbeauftragte Lutz Hasse.

Das Logistikzentrum in Erfurt ist so groß wie 18 Fußballfelder. 2000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen dort. Viele arbeiten als sogenannte Picker. Diesen Job hat auch Reporterin Caro Lobig während ihrer dreimonatigen Undercover-Recherche bei Zalando übernommen. Picker sammeln die bestellten Artikel ein und dokumentieren das mit einem Scanner. Die erreichte Menge erscheint auf dem Bildschirm des entsprechenden Teamleiters. So fällt auf, wer sich zu wenig bewegt – unabhängig davon, ob derjenige nur auf neue Aufträge wartet oder tatsächlich eine Pause macht. In der EXTRA-Reportage war zu sehen, wie die verdeckt recherchierende Caro Lobig ermahnt wurde, weil sie seit 37 Minuten keinen Artikel mehr geholt hatte.

Datenschützer hoffen auf Kompromiss mit Zalando

Die Geschäftsführung von Zalando äußert sich auf ihrer Internetseite zu den Vorwürfen der Überwachung der Mitarbeiter: „Laut Darstellung diene das Logistik-IT-System vor allem der Überwachung der Mitarbeiter. Unser IT-System dient jedoch in erster Linie der Steuerung unserer Logistikprozesse“.

Die möglicherweise lückenlose Überwachung war nur ein Punkt in dem sieben Stunden dauernden Gespräch des Datenschutzbeauftragten bei Zalando. „Wir haben juristisch hart gefightet - wir haben die Argumente ausgetauscht… Ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass wir im Sinne des Datenschutzrechts einen guten Kompromiss finden werden", sagt Hasse über das Gespräch mit Zalando. Bleibt zu hoffen, dass dieser Kompromiss nicht nur die Datenschützer zufriedenstellen wird, sondern auch die Mitarbeiter.

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