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Thomas Feibel: Kinder müssen Facebook lernen wie Lesen und Schreiben

17.04.14 15:26
In seinem Roman "Like me" schreibt Autor Thomas Feibel über die Gefahren im Netz.
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"Facebook ist ein bisschen wie Internet mit Freunden"

Der Journalist Thomas Feibel hat zahlreiche Bücher und Artikel zum Thema "Jugend und elektronische Medien" geschrieben. Jetzt ist sein Roman "Like me" erschienen, in dem es um die Gefahren im Netz geht. Wir haben ihn getroffen und mit ihm über Vorteile und Nachteile der sozialen Medien für Kinder und Jugendliche gesprochen.

Die Internetplattform "On" in Ihrem Buch "Like me" stellt ein fiktives Pendant zu Facebook dar. Kann man sich die beiden Plattformen in etwa gleich vorstellen?

Thomas Feibel: Ja, im Grunde schon, aber das Ganze geht im Roman ja noch ein ganzes Stück weiter und wird sogar eine eigene TV Show, beziehungsweise ist kurz davor eine TV Show zu werden: die ON Show. Und das finde ich auch bei Facebook gar nicht so weit hergeholt. Bald könnte es durchaus Facebook TV geben.

Wie sind Sie dazu gekommen, das Buch "Like me – jeder Klick zählt" zu schreiben oder sich überhaupt mit der Materie auseinander zu setzen? Haben Sie einen persönlichen Bezug zum Thema, wie zum Beispiel Ihre Kinder?

Thomas Feibel: Ja, aber über meine Kinder möchte ich nicht reden. In erster Linie bin ich Journalist und habe mich dabei auf Kinder und Neue Medien spezialisiert. Ich schreibe Sachbücher und Artikel und bei einem Artikel ist mir aufgefallen, dass die Nachfrage von Schulen zum Thema Facebook und auch Pädophilie sehr groß ist. Und anstatt immer nur Erwachsenenratgeber zu schreiben, kann man das Thema auch direkt mit den Kindern besprechen, ganz auf Augenhöhe. So kamen wir dazu, zwei Sachbücher und einen Roman zum Thema herauszubringen.

Wie gefährlich schätzen Sie das digitale Netzwerk und insbesondere Facebook denn für Kinder ein?

Thomas Feibel: Das kann man nicht so schwarz-weiß beantworten. Ich finde Facebook ist ein bisschen wie Internet mit Freunden. Dabei müssen die Kinder einfach wissen, wo die Gefahren liegen. In meinen Vorträgen erkläre ich den Kindern, dass sie sich mit niemandem aus dem Internet verabreden sollen, den sie nicht kennen, da Pädophile erst mal eine Beziehung über einen längeren Zeitraum hin aufbauen. Ich denke, dass die Kinder, die bei Facebook sind, durchaus auch alt genug dafür sind, dass man mit ihnen über die Risiken des Internets spricht. Dann kann das Ganze Spaß machen. Aber sie brauchen Aufklärung, sie müssen wissen - gerade auf Facebook bezogen - was ist nur ein Streich und was geht nicht. Eltern sollten dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn die Eltern dauernd ihre Kinder fotografieren und diese Fotos posten, wie sollen die Kinder dann verstehen, wenn man ihnen sagt: "Poste nicht so viele ‚Selfies‘ von dir im Internet".

Finden Sie denn, dass es deswegen Facebook- oder allgemein Social Media-Kurse zur Aufklärung an den Schulen geben sollte?

Thomas Feibel: Ich denke nicht, dass Schule immer alles leisten muss. Der Umgang mit Computer und Internet gehört für mich zu den Grundkompetenzen und diesen lernen die Kinder ja bereits in der Schule. Es sind die digitalen Anforderungen, die die zukünftige Arbeitswelt an unsere Kinder stellt. Kinder müssen diese Sachen genauso erlernen wie Lesen, Schreiben und Rechnen.

Grundschulkinder haben teilweise 400 Facebook-Freunde

Warum ist Facebook gerade für (immer jüngere) Kinder und allgemein in der Jugendkultur so interessant?

Thomas Feibel: Insgesamt 50 Prozent der Grundschüler sind bereits auf Facebook. Ich denke, das liegt daran, dass das Internet im Gegensatz zu Fernsehen, Radio und auch zu Büchern kein Konsummedium ist, sondern ein Gestaltungsmedium. Die Möglichkeit, sich selbst darzustellen und etwas gestalten zu können, hat seinen Reiz. Es geht um Selbstdarstellung im besten Licht, aber dazu kommt dann auch immer die Sammelwut, möglichst viele Freunde zu haben. Einige Kinder im Grundschulalter haben schon über 400 Freunde und das kann nicht richtig sein.

Sind Netzwerke wie Facebook vermehrt für Cyber-Mobbing verantwortlich? Früher fand das Ganze ja hauptsächlich ‚offline‘ statt…

Thomas Feibel: Ich würde da Facebook nicht vom Internet trennen wollen. Man sollte nicht mit dem Finger explizit auf Facebook zeigen, denn auch schon vorher gab es Fälle von Mobbing im Internet. Bei Cybermobbing liegt der Nachteil bei der Anonymität der Täter. Ansonsten entsteht Mobbing aber genauso am Arbeitsplatz oder in der Schule. Es hat also weniger mit Facebook an sich zu tun.

Ab wann und in welchem Maße sollten die Eltern eingreifen, wenn ihre Kinder sich nur noch auf Facebook in und anderen sozialen Netzwerken bewegen?

Thomas Feibel: Es gibt dafür kein richtiges Rezept. Aber was ich für einen sinnvollen Tipp halte ist, alle Sounds von Facebook und den sozialen Netzwerken abzuschalten. Also sämtliche Geräusche von Benachrichtigungen und Statusmeldungen zu deaktivieren. Und abends Geräte raus aus dem Kinderzimmer.

Zum Abschluss ein Fazit: Soziale Netzwerke - Fluch oder Segen?

Thomas Feibel: Das finde ich schwer zu beantworten. Ich schaue einfach, welche Medien im Moment bei Kindern gefragt sind und versuche dann, Hilfe und Rat zur Orientierung anzubieten. Ich versuche, den möglichst angenehmsten Weg zu finden, damit die Kinder glücklich sind, wenn sie sich online bewegen. Wenn ich mich aber festlegen müsste, würde ich sagen, für mich als Autor überwiegen die Vorteile. Wie das für Kinder ist, möchte ich nicht beurteilen.

Vielen Dank für das Interview.

Ein Bericht von Fenja Engelhardt

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