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Therapie bei Depressionen: Ungenaue Diagnosen und unangemessene Behandlung

Studie zu Depressionen deckt Mängel auf

Laut einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung werden rund drei von vier Patienten mit Depressionen nicht richtig behandelt. Im Faktencheck deckte die Studie zahlreiche, erschreckende Mängel auf - dabei leiden in Deutschland etwa vier Millionen Menschen unter einer behandlungsbedürftigen Depression. Statistisch gesehen erkrankt etwa jeder fünfte Mensch im Laufe seines Lebens daran.

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Oft werden Depressionen unangemessen behandelt.
Viele Mängel bei Behandlung und Diagnose von Depressionen. © alexsokolov - Fotolia

Allein im Jahr 2011 wurde bei jedem achten Erwachsenen in Deutschland eine Depression diagnostiziert. Wenn eine Depression erkannt wird, kann sie eingestuft und entsprechend ihres Schweregrades behandelt werden. Die Studie der Bertelsmann-Stiftung deckte jedoch genau hier Schwachstellen auf.

Nur ein Viertel der Patienten erhielt danach die von der Nationalen Leitlinie empfohlene Behandlung, die bei schweren depressiven Phasen eine Kombination aus Antidepressivum und Psychotherapie vorsieht. Etwa 18 Prozent der Patienten wurden im Untersuchungszeitraum zwischen 2010 und 2012 sogar überhaupt nicht behandelt.

Regionale Unterschiede und Mängel bei der Behandlung

Die Qualität der Diagnose und Behandlung einer Depression hängen der Studie zufolge auch vom Wohnort ab. Mancherorts werden Depressionen rund viermal häufiger entsprechend der Leitlinie behandelt als in anderen Regionen. Im Norden und der Mitte Deutschlands ist die Rate derer, die ausreichend behandelt werden deutlich höher, als in Regionen im Süden und Osten. Gerade in Gebieten wie Bayern und Baden-Würtemberg werden Depressionen weniger leitlinienorientiert behandelt - obwohl gerade hier besonders häufig Depressionen diagnostiziert werden.

Rund 31 Prozent der Patienten mit chronischer Depression werden gar nicht behandelt - etwas mehr als die Hälfte wird unzureichend versorgt. Demgegenüber stehen nur 12 Prozent der chronischen Depressionsfälle, in denen eine Behandlung entsprechend der Leitlinie erfolgt. Auch schlimm: Im hohen Alter werden Depressionen besonders mangelhaft versorgt.

Passende Behandlung scheitert oft an der Versorgung

Die Ursachen für fehlerhafte Diagnosen und Behandlungen konnten zum Teil auf die Versorgungsdichte zurückgeführt werden. In Regionen mit wenig ärztlicher Versorgung werden oft nur schwere Fälle von Depression diagnostiziert und behandelt. Ist die Dichte von Fachärzten und Psychotherapeuten hingegen höher, werden Depressionen häufiger erkannt und entsprechend der Leitlinien behandelt.

Die Folgen einer Depression können schwerwiegend sein: Etwa jeder siebte Mensch mit schweren depressiven Störungen nimmt sich das Leben. Die fehlerhafte Behandlung und unzureichende Diagnostik ist absolut unnötig, da depressive Erkrankungen grundsätzlich gut zu behandeln sind, wenn sie passend therapiert werden.