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Therapie bei Depression: Schlafentzug soll Betroffenen helfen

Schlafentzug als Therapie bei Depression
Schlafentzug als Therapie bei Depression So soll Betroffenen geholfen werden 00:12:54
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Schlafentzug als Therapie bei Depression

Depressionen sind mittlerweile eine echte Volkskrankheit - allein in Deutschland leiden fast 4 Millionen Menschen unter der psychischen Erkrankung. Eine umstrittene Therapie-Methode soll den Patienten Hoffnung machen: Schlafentzug.

Therapie gegen Depressionen
Reicht ein regelmäßiger Schlafentzug wirklich aus, um Menschen mit Depressionen zu helfen? © WavebreakMediaMicro - Fotolia

Von einer Depression spricht man, wenn eine Antriebs- und Lustlosigkeit vorliegt, die aus freiem Willen nicht mehr zu bewältigen ist - denn meist ist eine Depression biologisch oder genetisch bedingt. Aber auch ein einschneidendes Schlüsselereignis kann der Auslöser sein. Immer häufiger wird bei Patienten in Kliniken die sogenannte Wachtherapie - also ein gezielter Schlafentzug - als Mittel gegen die Depression eingesetzt.

Professor Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat eine Untersuchung zu der nicht ganz unstrittigen Therapieform geleitet. Er erklärt, dass Patienten der Schlafentzug zunächst paradox erscheine, weil gerade bei einer Depression ein gesteigertes Velangen nach Schlaf und Entspannung vorliegt. Betroffene erhoffen sich durch Ruhe und Schlaf, das Gefühl der Erschöpfung und Rastlosigkeit loszuwerden.

Doch Studien zeigen, dass bei vielen Depressions-Patienten eine schlagartige Besserung des Gemützustands vorliegt, wenn sie den Schlaf bereits nach der Hälfte der Nacht abbrechen. Dies, so Professor Hegerl, hänge mit einem Ausgleich zwischen dem inneren Alarmzustand der Patienten und dem erhöhten Müdigkeitsgefühl zusammen. Der Schlafentzug steuere dabei der inneren Unruhe von Depressiven entgegen.

Kritisch ist die Therapieform jedoch vor allem deshalb, weil sie keine Dauerlösung darstellt. Sobald der Patient wieder länger schläft, stellt sich der depressive Zustand erneut ein. Auch das Umfeld dieser Wachtherapie ist von Bedeutung: Häufig lässt sich ein solcher Schlafentzug nur im Rahmen eines Klinikaufenthalts, nicht aber allein in den eigenen vier Wänden realisieren.

Reicht eine geringe Reduktion des Schlafes aus?

Professor Hegerl erforscht deshalb die Folgen, die bereits eine leichte Reduktion des Schlafes haben kann. Da Depressions-Patienten zum sogenannten 'Überschlafen' neigen, also oft bis zu zehn oder elf Stunden im Bett verbringen, will er den Schlaf auf eine Dauer von etwa sieben bis acht Stunden verkürzen. Und vielleicht reicht bereits das, um Betroffenen Erleichterung zu verschaffen.

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