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Textilfabriken in Asien: Preis der Kleidung sagt nichts über Arbeitsbedingungen aus

10.09.14 07:53
Textilfabriken in Bangladesch, China und Co.: So sehen die Arbeitsbedingungen aus
Bildquelle: dpa bildfunk
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Arbeitsbedingungen in Textilfabriken in Bangladesch und China im Fokus

Seitdem bei einem Einsturz einer Nähfabrik in Bangladesch über 1.000 Arbeiter ums Leben kamen, sind die Produktionsbedingungen der Textilfabriken stärker in den Fokus gerutscht. Nicht nur die Billig-Modekette Primark lässt in Ländern der Dritten Welt produzieren, sondern auch Unternehmen wie Adidas, H&M und Co. Wie sehen Leben und Alltag von Nähern in Entwicklungsländern aus? Wie viel verdienen sie? Und was können wir tun, um die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse in armen Ländern zu stoppen?

Die "Kampagne für saubere Kleidung" fördert die Umsetzung sozialer Mindeststandards sowie die Durchsetzung des Vereinigungsrechts bei der Herstellung von Kleidung. Dies soll in enger Kooperation mit den Partnern der Dritten Welt erreicht werden. Auch das "Südwind-Institut" in Bonn beteiligt sich an der Initiative. Frau Dr. Sabine Ferenschild ist seit 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim "Südwind-Institut". Sie befasst sich seit 1996 mit der Problematik "Sozialstandards und Arbeitsrechtsverletzungen in der weltweiten Textil- und Bekleidungsindustrie". Sie hat unserer Redakteurin Nora Lohner Rede und Antwort gestanden.

Was hat sich in den letzten 18 Jahren in der Textilbranche in Ländern wie Bangladesch, China und weiteren Entwicklungsländern getan?

Dr. Sabine Ferenschild: "Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Es gibt nach wie vor anhaltende Probleme, was die Arbeitsplatzsicherheit angeht. In Bangladesch betrifft das vor allem die Gebäudesicherheit. Zudem gibt es anhaltende Probleme im Bereich der Lohnhöhe - und das betrifft alle Länder. Außerdem gibt es nach wie vor Probleme, was das Recht auf Gewerkschaftsfreiheit und Interessenvertretung in den Fabriken angeht. So sind Gewerkschaften in China beispielsweise gar nicht zugelassen. In Bangladesch gibt es zwar ein verbrieftes Recht auf Gewerkschaftsfreiheit, aber die Gewerkschaftsarbeit wird dort massiv behindert.

Dennoch darf man die nicht die Augen davor verschließen, dass es auch deutliche Verbesserungen – zum Beispiel bei der Arbeitsplatzsicherheit - gibt. Teils betrifft dies das Anbringen von Feuerlöschern in den Fabriken, teils die Breite der Gänge zwischen einzelnen Arbeitsplätzen. So sind zum Beispiel Fluchtwege häufiger nicht mehr so vollgestellt wie noch vor einigen Jahren.


Gibt es in Ländern wie China oder Bangladesch einen Mindestlohn?

Dr. Sabine Ferenschild: "In fast allen Produktionsländern des Südens gibt es einen staatlich festgelegten Mindestlohn. Ebenso sind die Mindestlöhne in nahezu allen diesen Ländern in den letzten Jahren gestiegen. Trotzdem gibt es eine massive Lücke zwischen den Mindestlöhnen und den existenzsichernden Löhnen. Unsere Partnerorganisation, die 'Asiatische Grundlohn“-Kampagne', hat diese existenzsichernden Löhne für fast alle Länder berechnet: In den meisten Ländern müsste der Lohn verdoppelt, in manchen Ländern verdreifacht werden, um in den Bereich der Existenzsicherung zu kommen. Die Löhne reichen also immer noch nicht, um den Beschäftigten ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen.

In der Provinz Guangdong in China – dort, wo der größte Teil der Textilindustrie in China angesiedelt ist und wo auch die höchsten staatlichen Mindestlöhne gezahlt werden – liegt der Mindestlohn bei 118 Euro. Die 'Asiatische Grundlohn-Kampagne' berechnet den existenzsichernden Lohn mit 366 Euro. In Bangladesch liegt der Mindestlohn bei 49 Euro, und ein existenzsichernder Lohn läge bei 235 Euro. China ist das bei weitem wichtigste Lieferland für Deutschland, Bangladesch ist ein wichtiges Lieferland für einzelne Hersteller sowohl im Discounter-Bereich als auch im Niedrigpreissektor.“


Wie sieht der Alltag eines Arbeiters in einem Entwicklungsland wie Bangladesch oder Sri Lanka aus: Wie viele Stunden müssen die Menschen dort arbeiten?

Dr. Sabine Ferenschild: "Es gibt in allen Ländern national geltende Arbeitszeiten. Und es gibt über die internationale Arbeitsorganisation ein international geltendes Arbeitsrecht, das sich auch auf die Arbeitszeit bezieht. Nach internationalem Arbeitsrecht soll die reguläre Arbeitszeit maximal 48 Stunden pro Woche betragen. Erlaubt sind zusätzlich zwölf Überstunden pro Woche. Dann wären wir bei einer 60-Stunden-Woche. Das haben viele Länder in ihr jeweiliges nationales Arbeitsrecht übernommen. Auftraggeber wie Adidas beispielsweise akzeptieren diese Richtlinien in ihren freiwilligen Verhaltenskodizes.

Dennoch liegen in vielen Ländern und vielen Betrieben die Arbeitszeiten deutlich darüber. Statt zwölf werden häufig bis zu 40 Überstunden pro Woche geleistet, was fast eine Verdopplung der regulären Arbeitszeit bedeutet. Die Arbeiter leisten manchmal sogar freiwillig diese Überstunden, weil ihre Löhne nicht reichen und sie über die Überstunden eben zu akzeptablen Gesamtlöhnen kommen.

Nur ein Teil der Betriebe wird wirklich kontrolliert

Welchen gesundheitlichen Gefahren sind die Arbeiter ausgesetzt?

Dr. Sabine Ferenschild: "In Veredelungsindustrien, in denen gefärbt und gebleicht wird oder wo Jeans sandgestrahlt werden, kann man von sehr hohen gesundheitlichen Gefahren ausgehen. In den allgemeinen Konfektionierungsbetrieben ist vor allem die hohe Staub- und Faserbelastung ein Problem. Wenn es dort in den Fabriken keine guten Klima- oder Entlüftungsanlagen gibt, dann inhalieren die Beschäftigten mit jedem Atemzug diese feinen Faserpartikel ein. Das ist vor allem in den Spinnereien ganz schlimm.

Eine weitere Gefahr für die Beschäftigten sind Stichverletzungen. Die Arbeitnehmer müssen sehr schnell arbeiten und da geraten die Finger nun einmal schnell in die Nadeln der Nähmaschinen. In den Webereien kommt das Problem der hohen Lärmbelastung hinzu. Pro Stufe der Textilverarbeitung variieren die gesundheitlichen Gefahren also sehr stark."


Lassen tatsächlich nur Discounter und Billigmodeketten in Bangladesch produzieren?

Dr. Sabine Ferenschild: "Auch namhafte Produzenten lassen in Bangladesch produzieren. Sie spalten ihre Produktion auf: Die Kleidungsstücke im unteren Preissegment, die sie etwas günstiger verkaufen, lassen sie dort produzieren. Unternehmen mit teurer Mode behaupten allerdings von sich, dass sie stärker auf die Arbeitsplatzsicherheit achten und ihre Aufträge an manche Betriebe gar nicht erst vergeben würden. Auf der Seite "bangladeshaccord.org" sind sämtliche Unternehmen gelistet, die in Bangladesch produzieren lassen und durch Mitgliedschaft im Accord ihr Einverständnis erklärt haben, Textilfabriken in Bangladesch zu sicheren Arbeitsplätzen zu machen.

Diejenigen Unternehmen, die den Accord unterzeichnet haben, lassen auch in Bangladesch produzieren. Denn wer an dem Fortschritt in einem bestimmten Land Interesse hat, hat mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine Form von Auftragsfertigung dort. Von den deutschen Unternehmen sind dies zum Beispiel Adidas, Aldi Nord, Aldi Süd, Esprit oder Kik.“


Lässt sich vom Preis eines T-Shirts beispielsweise auf die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer in den Textilfabriken schließen?

Dr. Sabine Ferenschild: "Nein, eigentlich nicht. Die Preiskalkulation der Unternehmen wird nämlich nicht offen gelegt. Deshalb kann man vom Preis nicht auf die Arbeitsbedingungen schließen. Wenn man von einem Unternehmen wie Primark ausgeht, das T-Shirts für zwei bis fünf Euro verkauft, könnte man spontan sagen, dass davon keine menschenwürdige Arbeit finanziert worden sein kann. Auf der anderen Seite haben gerade Discounter dieses Model, dass sie ihre Gewinne durch Masse erwirtschaften. Und nur über die Masse gelingt es, dass sie die Kleidung zu einem solch niedrigen Preis überhaupt anbieten können.

Etwa 50 Prozent des Preises bleiben beim Einzelhandel. Demnach sind das bei einem hochpreisigen Unternehmen und einem T-Shirt für 20 Euro 10 Euro, bei einem T-Shirt für 3 Euro nur 1,50 Euro. Diese Unternehmen müssen das einfach durch die Masse wettmachen.

Dabei muss man bedenken, dass Primark, Kik und Co. ihre Preise nur dann halten können, wenn die T-Shirts auch nur kurze Zeit halten, denn nur dann werden auch rasch T-Shirts nachgekauft. Durch die rasch wechselnden Modezyklen steigt auch der Druck, alle zwei Monate eine neue Kollektion fertig zu haben. Dadurch wächst auch der Druck auf die Beschäftigten. Dort ist dann noch weniger Spielraum für Lohnerhöhungen als bei Unternehmen, die im höherpreisigen Segment kalkulieren. Doch auch dort werden immer wieder Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt. Deshalb garantiert ein hoher Preis nicht unbedingt gute Arbeitsbedingungen, sondern lediglich eine andere Preiskalkulation des Unternehmens.“


Wo wird denn fair gehandelte Kleidung produziert? Und an welchen Labels erkenne ich "faire Mode"?

Dr. Sabine Ferenschild: "Fair gehandelte Kleidung wird zu großen Teilen in den gleichen Ländern produziert, in denen auch der Massenmarkt produzieren lässt. Auf der Homepage der 'Christlichen Initiative Romero', die auch eine Mitgliedsorganisation der "Kampagne für saubere Kleidung" ist, finden Sie einen Label-Führer sowie eine Bewertung der einzelnen Label. Da können Sie sehen, dass auch Unternehmen, die unter Einhaltung von Arbeitsstandards und Arbeitsrechten produzieren lassen, in Bangladesch produzieren lassen. Die lassen sich aber überprüfen und tragen dazu bei, dass Schritte in Richtung existenzsichernde Löhne gegangen werden. Und viele von diesen Labels verarbeiten zum Beispiel Bio-Baumwolle, was mich sehr überzeugt, da man dort schon bei der Rohstoffbeschaffung ansetzt und nicht erst bei den Arbeitsbedingungen in den Konfektionsbetrieben.“


Also kann ich von dem Hinweis "Made in Bangladesh" im T-Shirt gar nicht den Rückschluss ziehen, dass dieses Produkt unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt wurde?

Dr. Sabine Ferenschild: "Nein. Und wir wollen auch gar nicht dazu aufrufen, solche Produkte zu meiden. Unsere Partner in Bangladesch sagen beispielsweise, sie wollen keine Boykott-Aktionen, sondern eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen.

Beim Einkauf sollten sich Konsumenten an besonders aussagefähigen Labels orientieren. Dann ist es auch egal, ob die Textilien in Bangladesch oder China hergestellt wurden. Ein Beispiel für ein solches Label, das glaubwürdig ist, ist 'Global Organic Textile Standard' (GOTS).

Aufgabe wäre eigentlich, dass sich die Menschen hier nicht nur als Konsumenten, sondern auch als politisch handelnde Menschen verstehen, die auch mal kritische Nachfragen bei den Unternehmen stellen. Die Menschen müssen sich stärker an kritischen Aufrufen oder Unterschriftenaktionen beteiligen und dadurch demonstrieren: Wir wollen, dass weltweit Arbeitsrechte eingehalten werden.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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