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Teilzeit arbeiten: Wie Geburtstag und Weihnachten zusammen?

Teilzeit arbeiten: Wie Geburtstag und Weihnachten zusammen?
Unsere Kolumnistin Sandra Bohlender über Freud und Leid von Teilzeit-Arbeit

Mütter in der Teilzeitfalle: Weniger Arbeit - mehr Zeit?

Immer wenn ich mich mit kinderlosen berufstätigen Frauen in meinem Bekanntenkreis darüber unterhalte, wie wir unseren Arbeitsalltag gestalten, höre ich oft: "Du hast es gut: Du hast einerseits einen Job, der dich zwei Tage in der Woche fordert und der Dir Spaß macht und andererseits die Freiheit, Dir die Zeit an den restlichen drei Tagen zu Hause selbst einteilen zu können." Zeit für mich, Zeit für meine beiden Kinder, Zeit für den Haushalt und trotzdem mein eigenes Geld verdienen und berufliche Anerkennung bekommen - klingt doch ideal! Ich muss mich nicht zwischen zwei Leben entscheiden, ich nehme einfach beide.

Von Sandra Bohlender

In der Tat war es so, dass ich mich damals nach der Geburt meiner Kinder nicht entscheiden wollte: Mir gefiel der Gedanke, beide Seiten an mir kennenzulernen - die Seite der Hausfrau und Mutter und die der berufstätigen Redakteurin. Und ich muss zugeben: Ich genieße gewisse Momente an meinen freien Tagen zu Hause in vollen Zügen - besonders jene, wenn die Kinder (und der Mann) das Haus verlassen haben und das Haus ganz still ist - ein Traum. Dann setze ich mich hin, schnappe mir die Zeitung und frühstücke ein zweites Mal, ganz in Ruhe.

Wenn die beiden dann aus der Schule kommen, finde ich es großartig, ihnen die Tür aufmachen und sie fragen zu können, was in der Schule so los war, mit ihnen Hausaufgaben zu machen, ihren Sorgen zuzuhören oder im Garten zu spielen.

Genauso genieße ich aber auch den Moment, nach meinen freien Tagen wieder in die Redaktion zurückzukehren, mich in die Arbeit zu knien, meine Kollegen zu treffen und an diesem Tag eben nicht für meine Familie da zu sein. Ich bin dann eben nicht anwesend - und gebe die Verantwortung für laufende Nasen, Schürfwunden oder sonstige Wehwehchen meiner Kinder an meinen Mann oder meine Mutter ab. Tut irgendwie auch mal gut.

Das schlechte Gewissen kennen alle Teilzeit-Mütter

Aber ich muss ebenfalls zugeben: Ganz so rosarot und ideal läuft das natürlich nicht immer. Wenn ich an meinen freien Tagen zu Hause bin, habe ich natürlich einiges zu tun: Das Haus muss geputzt, der Garten gepflegt, die Wäsche gewaschen und gebügelt (und in die Schränke sortiert) werden. Es muss eingekauft und gekocht werden - manchmal backe ich sogar Kuchen. Wenn dann die Einkommensteuererklärung, irgendwelche Behördengänge, Arzttermine oder ein Stromanbieterwechsel anstehen, wird´s eng im Tagesablauf. Irgendwie ist die Aufgabenliste immer länger als der Tag.

Manchmal sehe ich meine Nachbarin im Garten nebenan sitzen (!) und stundenlang telefonieren - und frage mich, wie sie das macht. Woher hat sie sich die Zeit organisiert? Ich dachte einst, als Teilzeit-Mutter kann ich wieder regelmäßig Sport in meinen Wochenplan einplanen - ich glaube, das letzte Mal schwimmen war ich im April.

Natürlich fühle ich mich manchmal auch richtig ausgepowert: Nach einem hektischen und langen Arbeitstag bin ich oft so erschöpft, dass ich im Zug einschlafe und an meinem Heimatort von freundlichen Mitreisenden geweckt werden muss. Und was am Monatsende von meinem Gehalt - bei Steuerklasse 5 - so übrigbleibt..., naja.

Neulich habe ich ein interessantes Buch zu diesem Thema gelesen: "Karriere im Eimerchen? - Warum Mütter nicht zum Arbeiten kommen" von Nina Puri. Vieles in diesem Buch kam mir frappierend bekannt vor: "Halb arbeiten und halb für das Kind da sein, klingt ja wie Weihnachten und Geburtstag zusammen." Wenn man dann aber "vormittags Weihnachten vorbereiten und nachmittags Kindergeburtstag organisieren" muss, ist einem nicht mehr so sehr nach Feiern zumute - eher nach Sofa, mit einer Tasse Tee und einem guten Buch.

Auch der Dauerbegleiter teilzeitarbeitender Mütter - das schlechte Gewissen - ist mir sehr vertraut. Auch ich kenne die vorwurfsvollen Blicke von Kita-Betreuerinnen, wenn man die Abholzeit nur um fünf Minuten überzieht. Oder wenn man sein plötzlich fieberndes Kind nicht 10 Minuten nach dem Anruf der Kita abholt, weil die Arbeitstelle nun einmal 70 Kilometer entfernt liegt. "Warum arbeiten sie auch so weit weg?" Glauben Sie mir: Wenn meine Redaktion eine Filiale in meiner kleinen niederrheinischen Kreisstadt aufmacht, bin ich die Erste, die sich da bewirbt.

Sicher ist: Alles hat seine Vor- und Nacheile. Ein Geheimrezept für ein stressloses Teilzeit-Mutter-Dasein habe ich auch noch nicht gefunden - ich bin aber immer offen für Vorschläge. Ohne verlässliche Fremdbetreuung, Unterstützung der Väter und ab und zu beherztes Improvisieren geht aber ganz sicher gar nichts - in diesem alltäglichen Teilzeit-Mutter-Wahnsinn. Und irgendwann sind die Kinder ja dann auch mal groß...

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