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Teenager-Guide: Kinder in der Pubertät

Teenager-Guide: Kinder in der Pubertät
"Sind das noch unsere Kinder?" Millionen Eltern von pubertierenden Jugendlichen fragen sich das täglich. © Monkey Business - Fotolia, Monkey Business Images

Wenn die Eltern schwierig werden

Türen knallen, Schultaschen fliegen in die Ecke, Musik dröhnt durch das Haus. Tobias, 14 Jahre, mit wildem Strubbelhaar und ganz in schwarz gekleidet, schließt sich in sein Zimmer ein. Bis zum Abend ist er nicht mehr ansprechbar. Seine Schwester Jessica, 16, kommt und geht, wann sie Lust hat, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Wenn Mutter Heike Kegelmann, 38, wissen will, wohin das Töchterchen verschwindet, wird Jessi rotzig. Heike Kegelmann ist ratlos: „Es ist, als hätte sie ein Schild an der Stirn, auf dem steht: Zugang für Eltern verboten – wir sind jetzt Teenager!"

Von Kerstin Kraska-Lüdecke

"Sind das noch unsere Kinder?" Millionen Eltern von pubertierenden Jugendlichen fragen sich das täglich, wenn sie das neue, fremde Wesen in ihrem Haus betrachten. Teenager sein bedeutet Aufruhr, Veränderung und Rebellion. Aus dem braven, kleinen Mädchen wird eine Punkerin, aus dem immer fröhlichen kleinen Jungen ein in sich gekehrter Freak. Die Eltern, die gerade noch Zufluchtsort und Tröster waren, sind jetzt die "uncoolen Alten", die eigentlich nur nerven und alles verbieten, was Spaß macht. Dies ist die Zeit, die alle Eltern fürchten: Die Pubertät.

Was wie eine Krankheit klingt, ist natürlich keine. Übersetzt man aus dem Lateinischen, so steht „pubes“ für Schamhaar, „pubertas“ für Geschlechtsreife. Praktisch bedeutet dies einen Abnabelungsprozess: Die Kinder lösen sich von ihren Eltern und gehen nun mehr und mehr eigene Wege. Für beide, Eltern und Teenager, ist es keine leichte Zeit. Die "Ärzte" haben mit ihrem Lied "Junge" dieses Lebensgefühl hervorragend getroffen – und zwar auch aus Sicht der Eltern: "Und wie Du wieder aussiehst, Löcher in der Hose, und ständig dieser Lärm...". Um dann mehrfach wehklagend zu wiederholen: "Und du warst so ein süßes Kind..."

1. Körper und Schönheit

Teenager-Guide: Kinder in der Pubertät
Wann darf ich meiner Tochter erlauben sich zu schminken? © picture alliance / Christian End, Christian Ender

Die Veränderungen vom Kind zum Teenager passieren an zwei Fronten. Die Pubertät bedeutet einerseits, dass das Kind körperlich nun zum Jugendlichen reift. Die Kids schießen in die Höhe, Jungs kommen in den Stimmbruch, die Schambehaarung und die Geschlechtsorgane wachsen. Jetzt bildet sich auch deutlich eine männliche und eine weibliche Figur heraus: Bei den Jungs wachsen die Muskeln, Mädchen setzen an Hüfte und Bauch Fett an. Nicht allen gefällt das: Die weibliche Idealfigur ist rank und schlank, und deshalb gibt es zahllose, besonders weibliche, Teenies, die mit ihrem Aussehen unzufrieden sind. Sie beginnen Diäten, schminken sich, und träumen vielleicht sogar schon von einer Schönheitsoperation.

Die Veränderungen vom Kind zum Teenager passieren an zwei Fronten. Die Pubertät bedeutet einerseits, dass das Kind körperlich nun zum Jugendlichen reift. Die Kids schießen in die Höhe, Jungs kommen in den Stimmbruch, die Schambehaarung und die Geschlechtsorgane wachsen. Jetzt bildet sich auch deutlich eine männliche und eine weibliche Figur heraus: Bei den Jungs wachsen die Muskeln, Mädchen setzen an Hüfte und Bauch Fett an. Nicht allen gefällt das: Die weibliche Idealfigur ist rank und schlank, und deshalb gibt es zahllose, besonders weibliche Teenies, die mit ihrem Aussehen unzufrieden sind. Sie beginnen Diäten, schminken sich, und träumen vielleicht sogar schon von einer Schönheits-OP.

Für Mädchen sind die Veränderungen zum Teenager laut Expertenmeinung schwieriger zu ertragen als Jungs, die mit ihrem veränderten, sprich männlicheren Körper eigentlich viel besser klarkommen. Die Girls haben außerdem ein weiteres einschneidendes Erlebnis, das sie endgültig vom Kind zum Teenager macht: Sie bekommen ihre erste Monatblutung. Noch vor 150 Jahren bekamen Mädchen diese erst mit 17, heute schon mit durchschnittlich 12 Jahren!

Medien, Fernsehen, Werbung und besonders Rock- und Popmusik machen es vor: Jungs müssen schlank und muskulös gebaut sein, am besten mit Sixpack und Waschbrettbauch bestückt. Die Mädchen dagegen vollbusig und langbeinig, kein Gramm Fett an der falschen Stelle, extrem hip gekleidet, top frisiert und super geschminkt!

Nicht wenige Mütter von Teenager-Mädchen betrachten staunend deren Schminkutensilien und Kleiderschränke. Da herrscht gelinde gesagt enorme Vielfalt, denn die Mädchen wollen sich im bestmöglichen Licht präsentierten: Nur die Hälfte aller weiblichen Teenies fühlt sich nämlich wohl in ihrer Haut, die andere Hälfte ist eher unzufrieden. Dies erklärt auch den extremen Körperkult, den Kids heutzutage betreiben: Styling, Klamotten, Frisuren, Tattoos und Percings sind ihnen sehr wichtig.

Eine besondere Rolle bei den Mädchen spielt das Gewicht: Viele, die völlig normalgewichtig sind, halten sich für dick und wollen abnehmen. Das treibt schon Elfjährige dazu, eine Diät auszuprobieren. Laut der Bravo-Studie 2009 hat von den befragten Teenies bereits jedes dritte Mädchen und jeder zehnte Junge bereits mindestens eine Diät gemacht.

Der Wunsch, in eine andere Haut zu schlüpfen, ist bei Teenagern groß. Nicht alle glauben an das Märchen, dass auch aus einem hässlichen Entlein am Ende ein schöner Schwan wird. Sie wollen lieber selbst nachhelfen und sind sogar bereit, den Chirurgen dafür an ihren Körper zu lassen: Jeder sechste Jugendliche, so stellte die Bravo-Studie 2009 fest, würde eine Schönheits-OP als Geschenk akzeptieren. Fragt man die Teenies nach ihrem größten Wunsch in Bezug auf ihr Aussehen und ihren Körper, dann steht bei Jungs wie Mädchen das Abnehmen und Schlanksein an erster Stelle.

Die Akzeptanz von Schönheits-Operationen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und das Alter der Patienten sinkt stetig. Was früher eine reine Erwachsenen-Sache war, liegt bei Teenies tatsächlich schon mal auf dem Gabentisch: Einmal die Lippen aufspritzen zum Beispiel, oder die Brust mit Silikon vergrößern. Fast die Hälfte aller Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren soll angeblich schon einmal darüber nachgedacht haben, sich Fett absaugen zu lassen.

Medizinisch gesehen sind die Eingriffe meistens entweder unnötig oder sogar höchst bedenklich. Richtig abschrecken lassen sich Teenager auf der Suche nach der perfekten Figur davon aber offenbar nicht. Zum Glück sind die Eltern aber meistens vernünftiger: In einer aktuellen Umfrage des Spiegel sprachen sich 87 Prozent der befragten Erwachsenen dafür aus, Schönheitsoperationen bei Minderjährigen verbieten zu lassen.

2. Liebe, Sex und Zärtlichkeit

Teenager-Guide: Kinder in der Pubertät
Schon Zwölfjährige bekennen sich zu romantischen Gefühlen und viele Dreizehnjährige wünschen sich bereits eine partnerschaftliche Beziehung.

Die einschneidensten Veränderungen erfahren Teenager im Bereich Körper und Sexualität. Um besser zu verstehen, was sich dort bei den Jugendlichen tut, was sie denken, wie sie ticken und wie sie zu Verhütung, Beziehungen und Sex stehen, veranstaltet die Jugendzeitschrift "Bravo" regelmäßig Umfragen. Das Ergebnis der neusten Erhebung wurde jetzt in der "Dr. Sommer Studie 2009" veröffentlicht. Befragt wurden bundesweit rund 1200 Mädchen und Jungs zwischen 11 und 17 Jahren.

Fasst man die Ergebnisse zusammen, so sind ein paar Tendenzen deutlich zu erkennen: Die Jugendlichen, besonders die Mädchen, sind insgesamt weniger zufrieden mit ihrem Äußeren, mit ihrem Körper und dem Gewicht, als noch vor ein paar Jahren. Dafür schwärmen die Teenies schon viel früher vom anderen Geschlecht oder meinen sogar, sie wären verliebt: Schon Zwölfjährige bekennen sich zu romantischen Gefühlen und viele Dreizehnjährige wünschen sich bereits eine partnerschaftliche Beziehung. Diesem Wunsch nach Romantik hat vermutlich auch der gerade verfilmten Teenie-Buch-Reihe "Twilight" zu ihrem bahnbrechenden Erfolg verholfen: In der Geschichte geht es um die romantische und gleichzeitig unmögliche Liebe zwischen einem Vampir und einem High-School-Mädchen.

Schon sehr junge Kids flirten also bereits heftig miteinander, aber gleichzeitig besteht im Bereich Aufklärung und Sexualität immer noch ein sehr großer Informationsbedarf bei den Teenagern. Trotz einer allgegenwärtigen Informationsflut durch Internet und Fernsehen sind sich viele Jungs und Mädchen unsicher, wenn es um Fragen der Verhütung, Schwangerschaft und dem Schutz vor Aids geht. Eltern sollten sich also nicht allzu sehr darauf verlassen, dass ihre Kinder schon wissen, was sie tun, und mit Ihnen doch noch mal das Gespräch suchen. Spätestens dann, wenn die Tochter oder der Sohn anfangen, sich zu verabreden, sollte man das Thema Verhütung noch mal auf den Tisch bringen!

Die Teenager 2009 sind mit 12 bis 13 Jahren geschlechtsreif. Laut der Bravo-Umfrage haben sich die Hälfte aller befragten Zwölfjährigen schon einmal auf den Mund geküsst. Die Jungs befriedigen sich im Schnitt ab etwa 13 Jahren selbst, zwischen 13 und 15 machen die meisten Teenager Erfahrungen mit Zungenküssen. Zum Petting kommt es etwa mit 15 bis 16, zum richtigen Sex dann zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr.

Geht es um Fragen der Aufklärung, so sind dafür meistens die Eltern, aber auch die Lehrer die ersten Ansprechpartner für die Jugendlichen. Über Gefühle und intime Einzelheiten sprechen sie aber lieber mit dem besten Freund oder der besten Freundin. Die Eltern werden jetzt immer mehr außen vor gelassen. Und während früher Mädchen den gleichaltrigen Jungs in der Enzwicklung voraus waren, ist dies nicht mehr so: Die Entwicklung verläuft inzwischen fast parallel.

Teenager-Guide: Das erste Mal

Teenager-Guide: Kinder in der Pubertät
Auch wenn das Erste Mal eher spontan passiert, so sind die meisten Jugendlichen dennoch schon länger darauf vorbereitet © picture-alliance/ ZB, Jörg Lange

Die Entwicklung vom Kind zum Teenager verläuft teilweise recht rasant, so empfinden dies jedenfalls viele Eltern: Ihre Kids sind gerade aus der Grundschule heraus, und doch ist das Schwärmen für eine Person des anderen Geschlechts für sie nichts besonderes mehr: Schon mit durchschnittlich elf Jahren fühlen sie sich zu anderen Jugendlichen hingezogen. Richtig verliebt sind die Teenies allerdings erst mit 12 oder 13 Jahren und haben mit 13 bis 15 ihren ersten Partner. Eltern sollten sich daher nicht wundern, wenn sie in Gesprächen von Fünftklässlern von "verliebten Pärchen" hören, die schon richtig "miteinander gehen".

Auf die erste Liebe folgt aber auch meist recht schnell das erste Schlussmachen: Wenn das junge Pärchen merkt, dass seine Gefühle füreinander nachlassen oder beide einfach nicht zusammen passen, wird der Schlussstrich gezogen. Dies geschieht aber überwiegend in einem persönlichen Gespräch, und nicht durch eine SMS oder Nachricht im Internet-Forum.

Ein Meilenstein in der Entwicklung der Teenager ist der Moment, in dem sie zum ersten Mal Sex haben. Dieses emotional sehr aufwühlende Erlebnis haben die Teenies heute meist im Alter von 16 bis 17 Jahren. Mehr als die Hälfte der 16- und etwa ein Drittel der 17-Jährigen sind aber immer noch Jungfrau.

Die in der Dr. Sommer-Studie befragten Jugendlichen sollten auch beschreiben, wie sie sich nach dem Ersten Mal gefühlt haben. Dabei gab es gravierende Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 64 Prozent der Jungs empfanden Glücksgefühle, aber nur 36 Prozent der Mädchen. Dafür fühlten diese sich zu 25 Prozent "schrecklich" oder "unwohl", bei den Jungen hatten dagegen nur acht Prozent dieses negative Gefühl.

Überwiegend wagten sich die Teenies gemeinsam mit einem festen Partner (72 bis 80 Prozent) an die ersten sexuellen Erfahrungen, und meistens geschah es dann eher spontan (79 bis 85 Prozent) als geplant. Das Erlebnis wird dann anschließend viel eher mit den besten Freunden (55 Prozent) als mit der Mutter (15 bis 27 Prozent) besprochen.

Auch wenn das Erste Mal eher spontan passiert, so sind die meisten Jugendlichen dennoch schon länger darauf vorbereitet. Oft haben sie sich sogar schon vorher um Verhütungsmittel gekümmert, wobei die Pille bei Mädchen und das Kondom bei den Jungs am häufigsten eingesetzt werden.

Im Gegensatz zu einem großen Teil der Teenies, die sich recht verantwortungsvoll zeigen, wenn es um Verhütung geht, gibt es auch das Gegenteil: Laut der Bravo-Studie hat sich die Zahl der Jugendlichen, die regelmäßig nicht verhüten, in den letzten Jahren etwa verdoppelt! Als Grund dafür nannten die befragten Teenies, dass sie entweder einfach nicht daran gedacht haben oder gerade kein Verhütungsmittel zur Hand hatten. Da liegt es nahe, dass mehr als die Hälfte aller Jugendlichen Angst hat, dass die Verhütung nicht geklappt haben könnte.

Etwa 25 Prozent aller sexuell erfahrenen Mädchen hat schon einmal einen Schwangerschaftstest bei sich gemacht und etwa zehn Prozent ließen sich sogar schon einmal die "Pille danach" verschreiben. Sollten sie dennoch ein Kind gezeugt haben, könnten sich ein Viertel der Teenager vorstellen, das Kind abtreiben zu lassen.

3. Stars und Trends

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Stars suggerieren die Botschaft: Kleider und Styling machen Leute © dpa, Daniel Deme

Die Welt der Teenies ist vielfach bunt, laut und schrill. Zum so genannten Jugendkult zählen heute zahlreiche Dinge, die ihre Eltern selbst erst im Erwachsenalter kennengelernt haben: Die Kids leben in einer digitalen Welt, die durch Computer, Handys, Chatten und Foren dominiert wird.

Viele Zehnjährige können schon besser downloaden oder twittern als Vater oder Mutter. Neben dem Rückzug in die Parallelwelt "Compi" treten sie auf der anderen Seite nach außen extrem stylisch und selbstbewusst auf: Frisuren, Nägel, Lidschatten und der neuste Minirock stehen bei den Mädchen ganz oben auf der Prioritätenliste, lässige Klamotten, Muskelmasse und coole Frisuren bei den Jungs.

Vorbilder sind da Stars aus der Rock- und Popszene wie Tokio Hotel, Justin Bieber und Lady Gaga. Sie suggerieren die Botschaft: Kleider (und Styling) machen Leute! Und viele Teenies finden das super. Um so gut auszusehen wie ihr Star, oder wenigstens annähernd so hübsch und schlank zu sein, halten viele Teenies sogar eine Schönheits-Operation für eine gute Idee.

Was früher vielleicht der Keller oder der Dachboden war, ist heute die digitale Welt für Teenager: Sie ist der ideale Rückzugsort! Hier kennen die Kids sich aus, sind unter Gleichaltrigen und Gleichgesinnten. Ihre Eltern können ihnen vielfach hierher nicht folgen.

Vernetzt und verlinkt in Chatrooms, Foren und Internet-Freundeskreisen leben die Kids ähnlich wie der von Keanu Reeves gespielte Neo im Filmklassiker "Matrix" in einer Art Parallelwelt. Sie verlagern ihre sozialen Kontakte größtenteils ins Internet, sind auf Seiten wie "Mädchen", "Yasni", "SchülerVZ" und "faceboook" zu Hause, wo sie ihre Freunde treffen, sich austauschen und Fotoalben von sich veröffentlichen. Das gute, alte Tagebuch hat nun endgültig ausgedient. Die Jugendlichen verewigen ihre geheimsten Wünsche und Gedanken inzwischen in Online-Chats oder Blogs.

Inzwischen besitzen in Deutschland bereits über 75 Prozent aller Haushalte einen Computer. Um zu erfahren, was in ihren oft muffligen und verschlossenen Kindern vorgeht, melden sich auch häufig schon verzweifelte Mütter unter einem Decknamen wie "Lisa, 14 Jahre" im Lieblingsforum ihrer Tochter an. Dabei stoßen sie nicht selten auf Überraschungen: "Aus dem Internet habe ich erfahren, dass meine Tochter seit einem Jahr einen festen Freund hat. Erzählt hat sie mir das nicht." klagt Helga (41), Mutter einer 15-Jährigen.

Nach einer Enigma-Studie besitzen 99 Prozent aller Haushalte, in denen Teenager zwischen 12 und 19 Jahren leben, mindestens einen Computer und ein Handy. Fast ebenso viele (94 Prozent) haben einen Internetzugang und einen Fernseher. Einen MP3-Player besitzen 93 und eine Spielekonsole 63 Prozent – Vernetzung total. Doch auch diese schöne, neue Welt hat eine Kehrseite: Immerhin drei bis sieben Prozent der Internetnutzer wird heute schon als "onlinesüchtig" eingestuft, ebenso viele als "stark gefährdet".

Styling-Tipps aus dem Internet

Teenager-Guide: Kinder in der Pubertät
Der "Bitch-Style" ist bei Mädchen sehr beliebt © Ariwasabi - Fotolia

Enge Tops in knalligen Farben, Lackstiefel, Minirock und dazu ein "Arschgeweih" – manchen Eltern bleibt da glatt die Spucke weg beim Anblick ihrer "lieben Kleinen". Das gesamte Outfit eines Teenagers, egal nach welchem Look gestylt, soll nur eines ausdrücken: "Liebe Eltern, ich will nicht so aussehen wie ihr!" Kein Wunder, dass zu Hause oft ein Kleinkrieg am Kleiderschrank stattfindet.

Ein Look wie Bill von Tokio Hotel oder Lady Gaga steht bei den Teenies hoch im Kurs. Nach einer aktuellen Studie geben Teenager jährlich rund 5,3 Milliarden Euro für Mode und Beauty aus. 77 Prozent der Jungen und sogar 87 Prozent der Mädchen finden es enorm wichtig, gut auszusehen.

Zum Leidwesen vieler Eltern sind die Teenager nun auf spezielle Marken fixiert, die ein richtig schönes Loch in den elterlichen Geldbeutel reißen. Ein Trost: Experten meinen, dass das Trendbewusstsein und das Festlegen auf angesagte Marken den Jugendlichen durch die Pubertät hilft und ihnen Selbstbewusstsein und ein Zugehörigkeitsgefühl verleiht.

Die jugendlichen Styles wechseln allerdings schnell, und was gestern "in" war, kann heute bereits total "out" sein. Momentan ist die amerikanische Schuhmarke "Chucks" anscheinend bei Jungs und Mädchen gleichermaßen beliebt. In Teenie-Foren wird dieser Trend aber schon wieder tot gesagt. Ähnlich dem Emo-Style mit bleichem Gesicht und schwarzen Klamotten. Dazu eine jugendliche Userin: "Emo-Style war letztes Jahr, zum Glück hat's dieses Jahr etwas nachgelassen! Da sah ja wirklich jeder Zweite gleich aus!"

Was wirklich angesagt ist und was man als Teenager heute tragen sollte, erfährt man ebenfalls zuverlässig aus Internet-Foren. Hier tauschen jugendliche User untereinander aus, was man wissen muss. So informiert beispielsweise ein Mädchen: "Die Jungen tragen 'normale bis lässige' Hosen ein cooles Shirt, Chucks (!) und Mützen wie US-Jungschauspieler Zac Efron."

Bei den Mädchen ist es komplizierter, denn da gibt es verschiedene Kategorien: Der "Bitch-Style", wie ihn Nachwuchssängerin Annemarie bei der RTL-Show "DSDS" bekannt machte, sieht im Alltagslook so aus: Jogging-Hose, gefärbte Haare, 33 verschiedene Make-Up-Töne und dazu weiße Stiefel. Da dies natürlich reine Geschmackssache ist, gibt es auch noch den Alternativ-Look: "Hübsche Sommerkleider, Röhrenjeans, Ballerinas, viel Schmuck und angesagte Star-Trends, so wie in den Hollywood-Serien..."

Auch die Softwarefirmen haben den neuen Styling-Trend bereits aufgegriffen. So baut die Firma Ubisoft gerade die neue Marke "Girls life" für die Spielekonsole Nintento DS aus. Die neuen Spiele werden speziell für Mädchen zwischen neun und 13 Jahren entwickelt. Diese können damit auf dem Mini-Bildschirm ihren "eigenen trendy Lifestyle" erschaffen.

Viele Teenies sind große Fans von japanischen Animé-Filmen. Das sind am Computer erstelle Zeichentrick-Filme aus Japan, die, anders als die Cartoons aus den USA und Europa, nicht hauptsächlich für Kinder gemacht wurden, sondern sich an alle Altersstufen richten. Neben den zahlreichen Serien, die im Fernsehen laufen, wie "Naruto" oder "Yu-gi-oh", und den dazu gehörenden Büchern, hat sich auch eine Animé-Style-Kultur entwickelt.

Viele Fans verkleiden sich in ihrer Freizeit als ihr Lieblings-Animé- oder Manga-Star. Gehüllt in selbst genähte Fantasy-Gewänder holen sie so die Fiktion in ihr reales Leben hinein. Dieser extrem schräge Verkleidungstrend wird Cosplay genannt. Der Begriff kommt von dem englischen Wort "costume play". Da wird Simon aus München zum animalischen Kratos, dem Helden aus dem Videospiel "God of War". Und Felicia aus Berlin verwandelt sich zu einer Darstellerin aus dem Spiel "Darkstalkers" – mit weißen Katzenpfötchen, Ohren und leuchtend blauem Wuschelhaar. Nichts ist zu verrückt – alles geht! Dies scheint das Motto der Animé- und Cosplay-Fans zu sein.

Stars als Vorbild

Ob La Fee, Silbermond oder Ashley Tisdale – Fan zu sein ist "in" bei den Teenagern. Diese Fankultur wird durch Sendungen wie RTLs "DSDS" stark gefördert. Die Jugendlichen haben Spaß daran, ihrem Idol nachzueifern. Einmal so singen können wie Miley Cyrus oder Lady Gaga oder so aussehen wie ein angehendes Topmodel - davon träumen viele. Und kann man sich schon nicht in Deutschlands größten Superstar verwandeln, so will man ihm wenigstens nahe sein: Die Merchandise-Artikel von angesagten Stars, Serien und Spielfilmen wie "Gossip Girl", "Hannah Montana", "High School Musical" oder "Twilight" verkaufen sich wie warme Semmeln.

Teenager geben ihr Geld gerne für T-Shirts, Kappen, Tassen oder Schlüsselanhänger aus, laden sich Bilder und Klingeltöne ihrer Stars aufs Handy und reisen, wenn es das Taschengeld erlaubt, ihnen auch hinterher. Über die Homepages ihrer Stars bleiben sie stets auf dem Laufenden, sie folgen ihrem Idol über Twitter und tauschen sich in Fan-Foren aus. Manche Fans nehmen das Fan-Sein sogar noch ernster und kleiden sich wie ihr Star: Wenn aus der niedlichen Laura also nachmittags ein kleiner Bill Kaulitz wird, schockt das natürlich auch die nachsichtigsten Eltern.

4. Drogen

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Bei einer Umfrage kam heraus, dass jeder vierte Teenager zwischen 12 und 15 Jahren und knapp 40 Prozent aller Jugendlichen schon einmal Tabak durch eine Shisha geraucht hat. © picture-alliance/ dpa, Tass Samolygo Yuri

Zum Erwachsenwerden, so meinen viele Teenies, gehört auch der Konsum von Zigaretten, Alkohol und Drogen. Man will in der Clique nicht unangenehm auffallen und vor allem eines sein: Cool. Im aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung werden die momentanen Trends der Teenies aufgeführt. Als absoluter Negativ-Trend liegt bei den Kids zwischen 12 und 17 immer noch das sogenannte "Binge Drinking" oder "Komasaufen" auf Platz Eins.

Fast jeder zehnte Jugendliche hat einen Alkoholkonsum, der als riskant oder sogar gefährlich eingestuft wird. Nach Expertenmeinung kommt dies daher, dass viele Teenager gerne mit Drogen experimentieren, deren Gefahren aber überhaupt nicht einschätzen können. Komasaufen ist in Jugendcliquen zur Modeerscheinung und zu einer Art Mutprobe geworden. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, vor den Belastungen des Alltags zu fliehen, Hemmungen abzubauen und gleichzeitig allen zu zeigen, was man "drauf hat". Das Ergebnis: Jährlich werden mehr Jugendliche mit akuter Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert.

Einen wahren Siegeszug hat in den vergangenen Jahren die Shisha, eine arabische Wasserpfeife, bei den deutschen Jugendlichen erlebt. Das Shisha-Rauchen ist auch heute noch total hip. In großen Städten gibt es zahlreiche Bars und Clubs, in denen man durch lange Schläuche Tabak mit Fruchtaromen rauchen kann.

Bei einer Umfrage kam heraus, dass jeder vierte Teenager zwischen 12 und 15 Jahren und knapp 40 Prozent aller Jugendlichen schon einmal Tabak durch eine Shisha geraucht hat. Obwohl viele Jugendliche gerne erzählen, dies sei harmloser als Zigarettenrauchen, ist das nicht richtig: Studien haben gezeigt, dass die Schadstoffmengen im Shisha-Tabak sogar höher ausfallen können als die in einer filterlosen Zigarette. Nachgewiesen wurden darin Arsen, Chrom und Nickel nachgewiesen, die zu Lungenkrebs, Blasenkrebs und Tumoren an den Lippen führen können.

Während die Shisha immer noch sehr beliebt ist, ist der Zigarettenkonsum bei Jugendlichen gesunken. Zwar rauchen aktuell immer noch etwa 15 Prozent der Zwölf- bis 17jährigen regelmäßig Zigaretten, im Jahr 2001 waren es allerdings noch fast doppelt so viel, nämlich 28 Prozent. Der neuste Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung sieht deshalb bei den Kids die Trendwende mit großer Zufriedenheit.

Unerfreulich ist hierbei, dass die Mädchen den Jungen beim blauen Dunst den Rang abgelaufen haben: Die Raucherquote bei den Jungs liegt bei 14, 7 Prozent, bei den Mädchen dagegen bei 16, 2 Prozent! Mehr Mädchen als je zuvor greifen also heute zur Zigarette. Sie nutzen diese auch oft zur Gewichtskontrolle, indem sie mit Rauchen den Hunger bekämpfen. Dafür zahlen sie einen hohen Preis. In den letzten 20 Jahren hat sich das Rauchverhalten von Jungen und Mädchen fast völlig angeglichen und gleichzeitig damit hat sich auch die Lungenkrebsrate bei Frauen verdoppelt.

Auch die in den 80er Jahren als eher harmlos eingestufte Droge Cannabis ist in den vergangenen Jahren immer gefährlicher geworden. Das liegt an dem THC-Gehalt der Cannabis-Pflanzen, der früher rund 5 Prozent betrug und jetzt bei 25 – 30 Prozent liegt. Studien haben bewiesen, dass Jugendliche, die regelmäßig Cannabis rauchen, massive psychische Störungen bekommen. In der Universitätsklinik Essen und in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Viersen wurden bereits so genannte Cannabis-Ambulanzen eingerichtet, die betroffenen Jugendlichen Hilfe anbieten.

Religion und Werte

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Viele Jugendliche eigentlich nicht atheistisch eingestellt und glauben an einen Gott. © dpa, A3482 epa AAP Dean Lewins

Religiosität und Glaube sind bei deutschen Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren nicht besonders ausgeprägt. Eine Erhebung des Institutes Allenbach zeigt, dass Religion nur bei 14 Prozent aller Jugendlichen eine große Rolle spielt. Jeder zehnte zwischen 14 und 29 Jahren stufte sich als "religiös" und "gläubig" ein. Ebenfalls nur etwa zehn Prozent aller Befragten halten eine Religion oder Glaubensüberzeugung für wichtig.

Dennoch scheint ein grundsätzliches Interesse an Religion vorhanden zu sein: So sind zum Beispiel mehr als 80 Prozent der deutschen Jugendlichen dafür, dass im Schulunterricht sachlich über die Religionen informiert wird. Daraus kann man schließen, dass die Jugend von heute sich wünscht, dass in der Religion dasselbe gelte, was in allen anderen Lebensbereichen des demokratischen Westens auch gilt: Vielfalt und Pluralität.

Auch sind viele Jugendliche eigentlich nicht atheistisch eingestellt und glauben an einen Gott. Aber auch hier scheinen sie für Pluralität zu stimmen: Bei einer Befragung meinten nur sechs Prozent der Teenager, dass sie ihre Religion für die einzig wahre halten. Von türkische Jugendliche dagegen, die in derselben Studie befragt wurden, hielten dagegen 68 Prozent ihren Glauben für das Allergrößte.

Einen regelrechten Schub erreicht die Religiosität von Jugendlichen übrigens mit deren Konfirmation. Bundesweit lernen zuvor Jungen und Mädchen etwa eineinhalb Jahre lang im regelmäßigen Konfirmationsunterricht die Grundlagen des evangelischen Glaubens kennen. Die Geschenke, die sie am Ende von der Familie erhalten, spielen dabei meistens nur eine Nebenrolle.

Jährlich erweitern rund 250.000 Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren im Konfirmationsunterricht ihr Wissen um Dinge wie Abendmahl und das Pfingstfest. Das entspricht etwa einem Drittel aller Gleichaltrigen und 90 Prozent der evangelisch Getauften. Laut einer aktuellen Umfrage der Evangelischen Kirche in Deutschland fanden dies immerhin zwei Drittel aller Konfirmanden "gut" bis "sehr gut" und ganze 72 Prozent hatten sogar Spaß dabei.

6. Familie und Individualität

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Teenager müssen sich von der Familie ablösen.

Teenager und Eltern beurteilen ihr Verhältnis zueinander während der Pubertät sehr unterschiedlich. Wenn die Mutter klagt, dass ihre Tochter jetzt Geheimnisse vor ihr hat, nicht mehr so anhänglich ist und nicht mehr offen mit ihr spricht, kann es sein, dass die Tochter – wie die 15-jährige Simone – sagt: "Das Verhältnis zu meiner Mutter ist ganz gut. Manchmal ist sie genervt, weil ich in der Schule schlechte Noten schreibe oder nicht mit ihr über meine Probleme reden will. Aber das kann ich nicht, denn meine Eltern verstehen mich sowieso nicht. Außerdem bin ich ja sowieso meistens mit meinen Freundinnen zusammen!"

Während also das junge Mädchen zu ganz neuen Ufern aufbricht, bleibt die Mutter oft ratlos zurück und trauert den Kinderjahren hinterher. Moderne Jugendforscher erklären aber, dass die Teenager sich von der Familie ablösen müssen – denn nur dann können sie intime Bindungen auch außerhalb des Familienkreises eingehen. Trotz dieser Loslösung von zu Hause, bleibt die Nähe zwischen Eltern und Kindern stets erhalten und begleitet sie bis ins Erwachsenenalter. Die Familie bietet den Teenagern in der schwierigen Übergangszeit Schutz und Halt, auf die sie im Notfall gerne zurückkommen. Die Eltern müssen jetzt die Veränderung, die ihr Kind durchmacht, nur aushalten.

Kinder sind von Geburt an sehr auf ihre Eltern fixiert. Besonders zwischen Mutter und Kind bestehen enge Bindungen, die allerdings eine schwere Belastungsprobe erfahren, sobald das Kind ins Teenageralter kommt. Denn nun wird sich der Junge oder das Mädchen von der Familie lösen, weniger auf die Hilfe und Fürsorge seiner Eltern angewiesen sein und sich mehr zu gleichaltrigen Freunden hingezogen fühlen.

Die Pubertät wird nicht selten für die ganze Familie zu einer Belastungsprobe. Jetzt sucht der Teenager nach seiner eigenen Identität. Er lehnt die Werte und Ziele seiner Eltern erst einmal ab und geht eigene Wege. Je krasser er sich benimmt und kleidet, umso mehr zeigen sich die Eltern geschockt: Lange Jahre haben sie versucht, ihm Tugenden wie Ordnung, Sauberkeit und Höflichkeit beizubringen – und jetzt das! Während die Mutter gerne ein Bilderbuch-Mädchen im Blümchenkleid hätte, wirft sich die "liebe Kleine" in einen superknappen Minirock und schwarze Lackstiefel.

Augen zu und durch!

Trotz Mangas und Chatrooms, Zungenpiercings und "Arschgeweih": Eltern sollten sich von der Pubertät ihrer Kinder nicht abschrecken oder sich gar zum Rückzug animieren lassen. Diese Phase ist auch irgendwann wieder vorbei. Und ganz so schlimm kann es mit den elterlichen Vorbildern auch nicht gewesen sein, wie jetzt die Studie des Magazins "Eltern-Family" zeigte: Danach erklärten 74 aller befragten Kinder und Teenager zwischen acht und 19 Jahren, dass sie später einmal heiraten wollen.

Doch bis dahin heißt es: Augen zu und durch! Und so manch einer Mutter wird es in nächster Zeit ähnlich ergehen wie Dorit, die im Forum erzählt: "Ich brachte meine 14-jährige Tochter vor kurzem zum ersten Mal zur Fahrschule. Zwei Straßen vor dem Gebäude wollte sie unbedingt aussteigen. Als ich fragte, warum ich sie nicht bis vor die Tür fahren sollte, sagte sie: 'Mama, das wäre mir peinlich! Du bist doch schon so alt!' Peng – das saß! Es erwischte mich kalt. Meine Tochter war in der Pubertät. Als süßes Engelchen ist sie eingeschlafen, aber das war jetzt vorbei!"

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