Taylor Kitsch reist zum Mars: 'John Carter - Zwischen zwei Welten' - Filmkritik

07.03.12 13:51
John Carter rettet die schöne Mars-Prinzessin
 

4 von 5 Punkten

Historische Kostümfilm meets SciFi - was für eine Kombination! Der US-amerikanische Bürgerkrieg hat aus John Carter (Taylor Kitsch, ‚The Bang Bang Club‘ ‚X-Men Origins: Wolverine‘) einen verbitterten Mann gemacht. Frau und Kind sind tot, und das einzige was ihn am Leben hält, ist die Hoffnung auf den großen Goldfund. Doch statt glänzendes Edelmetall zu entdecken, findet sich John ohne eigenes Zutun auf einem fernen Planeten wieder. Der ehemals blühende Barsoom (Mars) steht vor dem Untergang, denn die ansässigen Stämme sind verfeindet und kämpfen um die alleinige Macht.

Durch die geringe Schwerkraft auf dem Mars ist John nicht nur stärker geworden, er kann auch enorm weit und hoch springen. Bei einem Erkundungsausflug rettet er die wunderschöne Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins, ‚True Blood‘), in die John sich – wie sollte es auch anders sein - sofort verliebt. Dummerweise hat Dejahs Vater sie dem hinterhältigen Marsianer Sab Than (Dominic West) versprochen. Die Zweckehe soll die verfeindeten Völker versöhnen und den Krieg um den roten Planeten beenden. Das kann John natürlich nicht zulassen. Denn nicht nur das Leben der Prinzessin steht auf dem Spiel sondern auch die Zukunft des gesamten Planeten. Mit Hilfe seines Verbündeten Tars Tarkas (William Dafoe spielt den Anführer der riesigen, vierarmigen und grünen Tharks) und seinem treuen, blitzschnellen, hundeähnlichen Zehnbeiners Woola (das Vieh ist echt drollig und zum Knuddeln, ähnelt allerdings eher einer Schildkröte ohne Panzer als einem Hund) macht er sich auf, den Mars zu retten.

Taylor Kitsch ist nicht der glatte Schönling, das Ex-Model mit einem tollen Körper, sondern ein charismatischer Schauspieler, der 99 Prozent seiner Stunts selbst ausführte und bis zur Erschöpfung trainierte. Es macht Spaß, dem Erdling zuzuschauen, wie er hüpfend und fliegend den Mars und sich selbst entdeckt. Lynn Collins, die schöne Prinzessin, ist durchtrainiert und eine ‚gestandene‘ Frau – kein hübsches Püppchen. Die Chemie zwischen den beiden stimmt. Kein Wunder, denn Collins und Kitsch standen bereits gemeinsam in ‚X-Men Origins: Wolverine‘ vor der Kamera.

Die Szenen zwischen John und der Prinzessin sind leider oftmals schnulzig, fast schon kitschig und sehr pathetisch. So mancher Kinobesucher rollt mit den Augen und wünscht sich stattdessen noch mehr Action, Kampfszenen und schöne Bilder. Denn das ist stimmig in ‚John Carter – Zwischen den Welten‘. Viele Szenen erinnern an bekannte Science-Fiction- und Fantasy-Filme wie ‚Star Wars‘, ‚Gladiator‘, ‚Herr der Ringe‘, ’Flash Gordon‘. Das erstaunt nicht weiter, wenn man erfährt, dass Superheld John Carter von ‚Tarzan‘-Schöpfer Edgar Rice Burroughs erfunden wurde – und das bereits vor über 100 Jahren. Kein Wunder, dass die Comic-Figur für viele nachfolgende Filme zum Vorbild wurde. Die anderen haben ordentlich beim Urvater aller Weltraumhelden abgekupfert!

Brutalität, Gemetzel und Blut hat das Fantasy-Spektakel von Drehbuchautor und Regisseur Andrew Stanton (‚WALL-E ‚, ‚Findet Nemo‘) nicht nötig – Fantasie, Humor, tolle Effekte und viel Action genügen, um aus der Comic-Geschichte einen wahrhaft phantastischen Film zu machen. Der 3D-Effekt ist eher störend als förderlich und wäre nicht notwendig gewesen. Insgesamt aber ist der neue Disney-Film ein kurzweiliger Streifen, die 138 Minuten sind schnell vorbei - ohne Längen und ohne einen Moment der Langeweile.

Von Britta Ploetner

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