PSYCHOLOGIE PSYCHOLOGIE

Tagträume ein Indiz für Zwangsstörungen? Studie deckt Zusammenhang auf

Tagträume ein Indiz für Zwangsstörungen? Studie deckt Zusammenhang auf
Tagträume sind doch schön - oder müssen wir uns deshalb jetzt Sorgen machen?

Wann sind Tagträume gefährlich?

Sich aus der Supermarktkasse an den Strand beamen, aus dem Zahnarztstuhl auf eine Blümchenwiese oder in der Mittagspause ins Bett eines Kollegen: Tagträume waren bis dato eigentlich immer ein Zeichen für eine blühende Phantasie. Doch nun scheint eine Studie einen Zusammenhang zwischen Tagträumen und Zwangsstörugnen entdeckt zu haben. Müssen wir uns deshalb jetzt Sorgen machen?

Von Camilla Koziol Camilla Koziol

Laut Forschern des kanadischen Instituts CIUSSS in Montréal' stehen Tagträume für den Kontaktabbruch zwischen dem Hier und Jetzt und für die Zuwendung zum Inneren. Im 'Journal of Clinical Psychology' berichten die Wissenschaftler um Studienleiter Frederick Aardema, dass Tagträumen an sich nicht problematisch oder krankhaft sei.

Während Probanden mit einer recht stabilen Psyche eher dazu neigen, Tagträume bloß als rege Phantasie ohne tiefere Bedeutung wahrzunehmen und schnell wieder 'präsent' sind, scheinen Menschen mit einer 'gestörten' Persönlichkeit in ihren Tagträumen mehr zu sehen, als sie eigentlich sind. In Interviews während des Studienverlaufs stellten Aardema & Co. fest, dass diese glauben, den genauen Grund für das Abdriften im Alltag zu kennen und vor allem, was der Tagtraum ihnen sagen möchte. Sie verlieren dann den Bezug zur Realität und können nicht länger zwischen Einbildung und Realität unterscheiden. Deswegen, so der Psychiater des CIUSSS, waschen Menschen mit einem Waschzwang sich unendlich oft die Hände: Dort, wo gesunde Probanden einfach nur saubere Hände sehen, kommen Kranke von der Vorstellung, sie hätten sich mit Keimen verseucht, nicht los. Für sie liegt die Ansteckungsgefahr förmlich auf der Hand.

Welche Mechanismen es genau sind, die hinter diesem Verhalten stecken, weiß Frederick Aardema nicht: "Darüber herrscht in der Wissenschaft kein Konsens." Fest steht jedoch: Die meisten Menschen, die sich in Tagträumen verlieren, sind einfach nur gestresst und gönnen sich auf diese Weise eine kleine Erholung.

Anzeige