Tabuthema Tampons: Welche Vorurteile gibt es über Tampons und Co.?

Tabuthema Tampons: Welche Vorurteile gibt es über Tampons und Co.?
© dpa, Federico Gambarini

Was Sie über Tampons wissen sollten

Neulich im Café. Mehrere Frauen unterhalten sich: "Hört mal, mir ist da was echt Peinliches passiert: Mitten in der Kantine ist mir ein Kondom aus der Tasche gefallen!" „"Echt? Bei mir war es viel schlimmer, ich hab mal in der U-Bahn einen Tampon verloren, der einem ziemlich süßen Typen genau vor die Füße gerollt ist" "Waaas? Ihh!!!" "Ja, unbenutzt natürlich!" "Ja trotzdem eklig!", waren sich alle einig. Was haben wir bloß gegen Tampons? Viele assoziieren sie mit widerlich, lästig und sogar gefährlich! Es wird Zeit, mit den schlimmsten Vorurteilen aufzuräumen. Und die fünf wichtigsten Fragen um den umstrittenen Hygiene-Artikel zu klären!

Von Dagmar Baumgarten

Teilweise löst das unschuldige weiße Ding sogar heftige Aggressionen aus. Die Journalisten Jessica Valenti hatte bei Twitter die harmlose Frage gestellt, ob es Tampons eigentlich irgendwo in der Welt umsonst gibt. Brauchbare Antworten? Fehlanzeige. Stattdessen wurde sie mit seltsamsten Kommentaren und Beleidigungen überschüttet.

1. Woher kommt diese heftige Reaktion?

Eigentlich müssen die Tampons nur ausbaden, was die Menstruation angerichtet hat. Nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auch symbolisch. Denn natürlich verbindet man den Hygieneartikel automatisch mit der Regelblutung. Und der haftet als Überbleibsel aus dem Mittelalter immer noch der Makel ‚unrein‘ an. In Zeiten, in denen der Gebrauch von Wasser und Seife unregelmäßig bis gar nicht stattfand, kann man sich ja auch vorstellen, dass der Geruch, der bei der Blutung, oder genauer gesagt durch die bakterielle Zersetzung des Blutes, entstand, wirklich nicht unbedingt angenehm war. Erst 1958 wurde das Vorurteil wissenschaftlich widerlegt, dass Frauen während ihrer Regel giftig sind, weil sie angebliche Menotoxine produzieren, die sogar Wein sauer machen sollten.

2. Können Tampons tödlich sein?

Immer wieder hört man von Horror-Meldungen, dass besonders junge Frauen sterben, weil sie einen Tampon benutzt haben. Die Diagnose dafür lautet dann TSS! Also Toxic-Shock-Syndrom. Verantwortlich dafür sind die Toxine von Streptokokken. Wenn plötzlich heftiges Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufprobleme auftreten, sollte man sofort zum Arzt gehen. Um vorzubeugen, sollte man den Tampon spätestens nach acht Stunden wechseln und auch keine saugstarken Tampons benutzen. Das Klima, das in ihnen entsteht, kann das Bakterienwachstum fördern!

3. Kann mein Tampon in die Vagina rutschen?

Das kann man getrost mit Nein beantworten. Der Tampon wird von Muskeln gehalten, die verhindern sowohl ein hoch- als auch ein herausrutschen. Wenn man ihn richtig eingeführt hat, also so tief, dass nichts mehr unten herausragt. Und keine Angst - man kann sich auch durch energisches Einführen nicht entjungfern - dafür ist er dann doch zu klein!

4. Machen Tampons unfruchtbar?

Der Grund für diese Befürchtung ist, dass die Tampons kleine Wattefäden hinterlassen, die Mini-Entzündungen auslösen können. Das könnte dann Vernarbungen zur Folge haben, die eventuell unfreiwillig sterilisieren. Die Annahme, dass sich kleine Wattefäden lösen, ist berechtigt. Allerdings werden sie vom Körper abtransportiert, und haben bisher noch keine Probleme ausgelöst. Wenn man das Gefühl hat, dass sich die Tampons nur schwer entfernen lassen, sollte man lieber zu einer kleineren Saugstärke greifen.

5. Machen Tampons krank?

Wer schon einmal eine Infektion oder einen Pilz hatte, will natürlich kein Risiko eingehen. In der Regel gelangen keine Erreger mit den Tampons in die Vagina. Allerdings kann man nicht ganz ausschließen, dass Tampons unter Umständen ein Nährböden für bereits vorhandene Keime sein können, die sich so leichter vermehren können. Deshalb sollten Frauen, die zu wiederholten Infektionen in der Vagina neigen, lieber Binden benutzen. Alle anderen können, sofern sie oft genug - also alle vier bis acht Stunden - wechseln, auf die sicherere Variante Tampon zurückgreifen, und so die Menstruation wenigstens für kurze Zeit vergessen.

Es sei denn, unser Körper erinnert uns krampfhaft daran! Das liegt an dem Hormon Vasopressin, das teilweise heftige Schmerzen auslöst. Die gute Nachricht: Dagegen wird gerade ein Medikament getestet, dass dieses Krampf-Hormon unterdrückt. Bis jetzt mit vielversprechenden Ergebnissen. Wenn die Tests weiterhin so gut verlaufen, kann es schon bald auf den Markt kommen.

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