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Syphilis-Infektionen nehmen zu

Syphilis-Infektionen nehmen zu

Robert-Koch-Institut meldet alarmierende Zahlen

Die Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland ist im vergangenen Jahr um gut ein Fünftel auf knapp 3.700 gestiegen - alarmierende Zahlen, die das Robert-Koch-Institut in seinem aktuellen Epidemiologischen Bulletin veröffentlichte. Während die Werte zwischen 2004 und 2008 stagniert hatten und 2009 und 2010 sogar gesunken waren, erreichen sie nun das Niveau von 1986. Auch in diesem Jahr wurden bereits mehr Infektionen gemeldet als noch 2010 zur gleichen Zeit.

Die Geschlechtskrankheit sei sowohl bei Männern als auch bei Frauen aufgetreten, wobei homosexuelle Männer immer noch die Mehrheit ausmachen: Die Zahl infizierter Frauen stieg um 13 Prozent, die der Männer sogar um 23 Prozent.

Einen Anstieg der Fallzahlen registrierte das Robert-Koch-Institut in elf Bundesländern. Am stärksten betroffen sind die Stadtstaaten: Während bundesweit durchschnittlich 4,5 Infektionen auf 100.000 Einwohner kamen, waren es in Berlin 18, in Hamburg 13,3 und Bremen 7,9. In Köln gab es 24 Fälle je 100.000 Einwohner, in Frankfurt 21 und in München 17,3. In Saarland und Sachsen-Anhalt stagnierten die Zahlen, in Thüringen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz sanken sie.

Die Krankheit kann durch Sperma, Scheidenflüssigkeit oder Speichel übertragen werden und ist besonders in der ersten Phase der Erkrankung hoch ansteckend. Außerhalb des Körpers überlebt der Erreger, das Bakterium Treponema pallidum, allerdings nur wenige Sekunden. Mit Antibiotika kann eine Syphilis-Infektion gut behandelt werden und hinterlässt keine bleibenden Schäden, wenn sie bereits im Frühstadium erkannt wird. Die Dauer der Behandlung hängt davon ab, wie lange der Patient den Erreger schon in sich trägt.

Im 18. und 19. Jahrhundert galt Syphilis als "Schaffenskrankheit": Berühmtheiten wie Friedrich Schiller, Franz Schubert und Arthur Schopenhauer litten an der damals unheilbaren Syphilis-Infektion. Doch während ihr körperlicher Zustand sich verschlimmerte, soll die geistige Schaffenskraft regelrecht beflügelt worden sein. Aufgrund dieser Wirkung soll es sogar Künstler gegeben haben, die sich absichtlich mit Syphilis ansteckten.

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