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Susanne, eine Mutter zwischen zwei Extremen

Susanne ist alleinerziehende Mutter eines behinderten und eines hochbegabten Kindes
Susanne ist alleinerziehende Mutter eines hochbegabten und eines behinderten Kindes.

"Mir kann man(n) nicht kündigen"

Susanne* (38) ist alleinerziehend. Eigentlich nichts ungewöhnliches, wenn man bedenkt, dass etwa 1,6 Millionen Frauen in Deutschland ihr Schicksal teilen. Aber im Falle von Susanne hat das Schicksal besonders hart zugeschlagen. Sie hat zwei Söhne, den hochintelligenten Lutz* (6) und den kranken Janis* (4). Mit ihrem krebskranken Mann lebt sie im Kleinkrieg. Ein sorgenfreies Leben, das gibt es bei ihr derzeitig nur in Momentaufnahmen: "Wenn ich abends eine halbe Stunde lese tauche ich ab in die Welt der Geschichte und schlafe darüber ein. Wenn ich das nicht mache, denke ich nur wieder über das Scheidungsverfahren oder Janis Gesundheit nach." Für Frauenzimmer.de gibt Susanne Einblicke in ihre ganz eigene Geschichte - eine Geschichte, die zeigt, dass Glück und Leid oft nah beieinander liegen.

Von Jennifer Mönnekes

Es begann im Dezember vor vier Jahren mit einer Schockdiagnose und endete in einem kleinstädtischen Rosenkieg. Damals erfuhren Susanne und Markus, dass ihr zweiter Sohn Janis mit einem offenen Rücken zur Welt kommen werde. "Spina bifida", so der medizinische Fachausdruck für Janis vermeintliche Behinderung und in den Folgejahren das Synonym für viele Probleme. Welche? Das sollte sich noch herausstellen. Etwa zur gleichen Zeit erfuhr Markus, dass er an Lymphknotenkrebs erkrankt war. Ein Schicksalsschlag, an dem das junge Glück Jahr für Jahr zu zerbrechen drohte. Es war das übliche Programm, wie es im Handbuch für Eheprobleme stehen könnte: Überstunden, kein Interesse an gemeinsamer Zeit, getrennte Betten und dann kam der Tag, an dem Susanne merkte, dass ihre Ehe nicht mehr zu retten war. Es war der Tag der Trennungsvereinbarung, an dem Markus sie nach zehn gemeinsamen Ehejahren buchstäblich über den Tisch ziehen wollte. "Bis dahin dachte ich noch, er wolle keine Scheidung!" Doch nach Durchsicht der Unterlagen legte ihr Anwalt Susanne nahe: "Wenn Sie das unterschreiben, unterschreiben sie quasi einen neuen Ehevertrag." Deshalb stellte sie eigene Forderungen. Markus einzige Reaktion: „Wenn das dein Ernst ist, was dein Anwalt von mir will, dann musst du leider ausziehen."

Janis: Sorgenkind Nummer 1

Die Wohnungssuche erwies sich für eine Alleinerziehende mit zwei Kindern als äußerst schwierig. Nach ein paar erfolglosen Wochen fand eine befreundete Maklerin dann aber Susannes Traumhaus: Einen urigen Altbau, nahe am Stadtkern. Die Probleme hörten mit dem Umzug in ein neues Leben allerdings nicht auf. Der damals zweieinhalbjährige Janis machte zusehends Probleme, musste häufig gewickelt werden und war stark entwicklungsverzögert. Weil die häusliche Pflege für Susanne zugleich einen Arbeitsausfall bedeutete, beantragte sie für das Kind eine Pflegestufe. "Damit begann ein Behörden-Marathon", erinnert sie sich noch gut. Sowohl eine Vertrauensärztin, als auch ein Gutachter der zuständigen Krankenkasse kamen, um Janis und seine Entwicklung auf den Kopf zu stellen.

Es ist gesetzlich festgelegt, was ein gesundes Kind an Pflegekosten für Grundbedürfnisse wie wickeln oder füttern braucht. Alles, was darüber liegt wird schriftlich als Mehrbedarf festgehalten. "Da bei Janis ein Inkontinenz-Problem besteht und sein Anus nicht richtig schließt, braucht er häufiger eine Windel. Wenn er gelacht, geschrien oder gehustet hat, ging Stuhlgang ab", erklärt Susanne seinen Zustand. Der Mehrbedarf für die erste Pflegestufe beginnt bei 90 Minuten Pflegeaufwand. Janis beanspruchte zu dem Zeitpunkt etwa 94 Minuten für sich. Somit konnte Susanne die "Pflegstufe 1", für die es ca. 210 Euro Pflegegeld gibt, knapp durchboxen. Nicht zuletzt durch die Initiative der Vertrauensärztin, die wusste, was noch auf die junge Mutter zukommen würde. Inzwischen wurde Janis in der gleichen Pflegestufe mit 152 Minuten eingeordnet.

* Namen von der Redaktion geändert

"Janis merkt, dass er anders ist"

Single Mom Susanne ist alleinerziehende Mutter des behinderten Janis
Susanne ist alleinerziehende Mutter des behinderten Janis © picture-alliance/ ZB, Patrick Pleul

Heute ist Janis zu 80 Prozent schwerbeschädigt und hat einen Schwerbeschädigtenausweis, den Susanne für ihren Sohn hart erkämpfen musste. Auf Anraten der Kindergärtnerin ließ sie den Beschädigtenstatus auf Notwenigkeit eines Merkzeichens ( B = Begleitperson, G = Gehbehinderung, H = Hilflos) überprüfen. Erneut wurde der Kleine auf den Kopf gestellt. Das telefonische Gutachten der Ärztin brachte neue Erkenntnisse: "Ihrem Sohn steht ein Merkzeichen B, G und H zu und außerdem ist er mindestens zu 80 Prozent schwerbeschädigt". "Da kam ich mir vor, wie die schlechteste Mutter der Welt", erinnert sich die junge Frau. Nach Durchsicht der Anamnese stellte sich heraus: Es wurde, wenngleich ein schwerbeschädigtes Krankheitsbild vorlag, nie ein MRT oder eine Blasendruckmessung oder Ähnliches gemacht. Also wurde Janis wieder überwiesen in eine Spezialklinik mit Spina bifida-Spechstunden in Hannover, um dort eine adäquate Therapie anzuordnen. Doch für ihr Bemühen um den Ausweis, gab es von ihrem Mann bloß Ärger. Für ihn war das Kind gesund. Susanne würde nur übertreiben.

Im Laufe der Scheidung unterstellte er ihr sogar, dass sie den Schwerbehindertenausweis manipuliert hätte. Schnell wurde der Hintergrund für diese offensichtliche Fehleinschätzung deutlich. Er wollte sich um die künftigen Unterhaltszahlungen drücken, denn das Unterhaltsgesetz gilt nur für gesunde Kinder. Bei Mehraufwand durch ein krankes Kindes muss die Mutter nur eingeschränkt arbeiten gehen. So hat Susanne möglicherweise einen lebenslangen Anspruch auf Betreuungsunterhalt. Zusätzlich erhält sie einen Beitrag zur Rentenversicherung, deren Höhe vom Grad der Pflegebedürftigkeit abhängt. Dass sie Rentenbeiträge für den Arbeitsausgleich bekommt, findet Susanne nur gerecht: "Kann sein, dass ich Janis noch die nächsten 15 Jahre pflegen muss, da muss ich ja rentenversichert sein". Auch Janis bleibt mittlerweile nicht mehr verborgen, dass er irgendwie "anders" ist. "Er diskutiert abends mit mir, er sei doch kein Baby mehr, warum müsse er denn dann eine Windel tragen? Er hat jetzt eine Schamgrenze und ist traurig darüber, aber man kann ihm das nur schwer begreiflich machen."

Ganztagsbetreuung: "Da ging der Krieg los!“"

An den Kindergarten hat Susanne den kleinen Janis zunächst sukzessive gewöhnt. So brachte sie ihn erst einen Tag, dann zwei. Als er drei Jahre alt wurde, stellte sie einen Antrag für einen Regelplatz in einem Integrationskindergarten. Da geriet der Stein ins Rollen. Markus wehrte sich vehement gegen diese Regelung und forderte: "Der Junge geht den ganzen Tag in den Kindergarten!" Im Klartext heißt das, das Kind darf nicht vor 14 Uhr abgeholt werden und macht in der Kita auch seinen Mittagsschlaf. Erneut witterte er die Chance, sich um die Unterhaltszahlungen zu drücken. Das Kind wollte er ganztägig in den Kindergarten abschieben, damit seine Frau wieder arbeiten gehen kann. Sofern nämlich die Möglichkeit besteht, dass das Kind nach Vollendung des 3. Lebensjahres ganztägig betreut werden kann, müssen Mütter nach neuestem Unterhaltsrecht wieder arbeiten gehen. "Da ging der Krieg los", berichtet die sorgende Mutter.

Lutz: Sorgenkind Nummer 2

Single Mom Susanne ist alleinerziehende Mutter des hochbegabten Lutz
Susanne ist alleinerziehende Mutter des hochbegabten Lutz © Ernest Prim, © Ernest Prim - Fotolia.com

Während Janis Pflegebedürftigkeit daheim alle Zeit für sich beanspruchte, wurde Lutz im Kindergarten zunehmend auffällig: Er wollte sich nicht integrieren, nicht mit Jüngeren spielen. Als Susanne plötzlich von der Kindergärtnerin ins Büro gebeten wurde und sich schon alle denkbaren Szenarien ausmalte, schilderte die Erzieherin: "Lutz hat heute gefragt, warum Hitler wollte, dass die Welt Deutschland heißt, obwohl er doch ein Österreicher war?" Susanne schockierte das weit weniger. Zuhause setzt sich die studierte Lehrerin nämlich häufiger mit den kindlich-naiven Fragen ihres Sohnes auseinander. "Wir haben das Gefühl, dass mit ihrem Kind eventuell irgendetwas nicht in Ordnung ist. Seine Wortwahl und seine Interessen, das ist nicht normal", verwies sie die Kindergärtnerin an eine Beratungsstelle für Hochbegabte. Je mehr dieses Gespräch in Susanne nachhallte, desto mehr gestand sie sich ein, dass Lutz tatsächlich nach der Kita immer total aufgelöst und aggressiv war und suchte eine Beratungsstelle für Kinder mit besonderen Begabungen auf. Nach dem eineinhalbstündigen Gespräch sagte die Beraterin: "Herzlichen Glückwünsch, sie haben ein zweites Integrationskind! Die Tendenz zur Hochbegabung sehe ich als bestätigt.“

Als Integrationskind gilt in diesem Sinne, wer aufgrund seiner individuellen Entwicklung benachteiligt ist oder besonders gefördert werden muss. Lutz brauchte vorerst mehr Input und gezielte Förderung. "Mit Bauklötzen war er schlichtweg unterfordert, also wurde er mit damals fünf Jahren in das Schulkinderprogramm aufgenommen unter der Prämisse, dass wenigstens pro Forma ein Antrag auf vorzeitige Einschulung gestellt werden muss", berichtet Susanne. Von dem Tag an war zumindest mit Lutz wieder alles gut. Doch bei der Frage der Einschulung bekamen sich seine Eltern erneut in die Haare.

"Eine Trennung steckt kein Kind einfach so weg"

Mit einer frühen Einschulung hatte Susanne von Anfang an Bauchscherzen: "Lutz musste sich nach dem Umzug bereits auf eine neue Umgebung einstellen, ich wollte ihn nun nicht schon wieder abrupt aus seinem gewohnten Umfeld reißen." Markus hingegen meinte, das Kind sei tough und habe die Trennung gut weggesteckt. Diese Haltung vertrat er auch bei der örtlichen Schuluntersuchung, bei der er darauf bestand persönlich anwesend zu sein. Am Testtag löste Lutz die Aufgaben zwar souverän, saß aber spaßeshalber unterm Tisch oder brabbelte in Babysprache. Ein vernünftiges Gespräch mit beiden Eltern war kaum möglich, da es von Markus ständig Seitenhiebe gab. Susanne erinnert sich: "Die Schulärztin bat Lutz draußen ein Bild zu malen, während sie uns völlig nüchtern sagte: "Wir müssen doch wohl nicht darüber sprechen, dass eine besondere Begabung vorliegt."

Medizinisch gesehen war Lutz zwar schulreif, die Schulärztin legte Susanne jedoch nahe, einen Kinderpsychologen zu konsultieren und schlug ihr sinnvollerweise eine Hospitation in einer Schulklasse vor. Kurze Zeit darauf saß Susanne vor dem Kinderpsychologen und wartete auf das Gutachten: "Mit einem IQ-Wert über 120 ist Lutz überdurchschnittlich intelligent, aber nicht hochbegabt als solches. Es liegt eine besondere Begabung vor." Der Ratschlag des Psychologens: "Der Kindergarten ist das einzig Verlässliche, was dem Kind geblieben ist, das Einzige, was sich nicht geändert hat. Nehmen Sie dem Kind nicht den Boden unter den Füßen weg, lassen Sie es lieber später eine Klasse überspringen." Lutz wird nun später eingeschult.

Eine Mutter zwischen zwei Extremen

Single Mom Susanne ist alleinerziehende Mutter eines hochbegabten Kindes
Susanne ist alleinerziehende Mutter eines hochbegabten Kindes © deutsche presse agentur

Noch am selben Abend der psychologischen Untersuchung setze Susanne sich ans Internet und recherchierte stundenlang: "Ich dachte, dass es doch nicht sein kann, dass ich selbst Lehrerein bin, aber trotzdem nicht weiß, was Hochbegabung eigentlich genau bedeutet." Deshalb studiert Susanne nun wieder. Sie macht ein ECHA-Diplom, einen Ausbildungsgang zur Diplom-Spezialistin in Gifted Education. "Gift bedeutet zu deutsch "das Geschenk" und man ist dort der Ansicht, dass diese Kinder ein besonderes Geschenk erhalten haben mit ihrer Begabung", erklärt sie ihren mutigen Entschluss. In Kürze muss sie ihre Diplomarbeit abgeben. Ihre Klausur hat sie bereits bestanden - mit zwei: "Wie auch immer ich das geschafft habe!" Denn unter der Woche bleibt für das Lernen eigentlich kaum Zeit.

Immerhin ist sie eine Mutter zwischen zwei Extremen: Auf der einen Seite hat sie mit ihrem Erstgeborenen ein hochintelligentes Kind, das ständig Input auf höchstem Niveau braucht, damit es nicht unterfordert oder gar aggressiv wird. Auf der anderen Seite hat sie mit dem kleinen Janis ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob es eines Tages ohne ihre Hilfe klar kommen wird. Ob Janis jemals auf eine Windel verzichten oder sprechen und laufen kann wie seines Gleichen, das steht noch in den Sternen. Deshalb lässt Susanne kaum eine Therapieform aus, die ihm helfen könnte, sich normal zu entwickeln.

Keine Zeit für die eigenen Bedürfnisse

Sechs Termine die Woche sind nur für die Kinder geblockt. Allein die Schilderung des vergangenen Tages gibt Aufschluss über die Dichte in ihrem Terminkalender.

Ein Auszug: Um 6 Uhr war die Nacht zu Ende, die Kinder wurden geweckt, angezogen und Janis gewickelt. Um 8 Uhr die Entlastung: "Einmal die Woche kommt eine Putzfrau, die mir hilft, ohne die geht es gar nicht". 8.15 Uhr: Lutz in den Kindergarten gebracht, um 9.30 Termin mit Janis zur Osteopathie im Nachbarort inklusive 20 Minuten Wartezeit bis kurz nach elf, danach Anschlusstermin mit Janis bei der Krankengymnastik, unterdessen Lutz wieder von der Kita abgeholt, zurück zu Janis - mit beiden Kindern nach Hause. Der halbe Tag ist gestemmt.

13 Uhr Mittagessen machen, umziehen, wickeln, Sporttasche packen. 14.45 Uhr mit Janis zur Logopädie unterdessen Lutz in der Karate-Schule abgeben: "Dann bekam Lutz plötzlich wieder seine Allüren und klammerte tränenüberströmt an meinem Hals". Nach 20 Minuten mit einem heulenden Kind auf dem Schoß beschloss sie schließlich wieder mit Lutz im Gepäck zur Logopädie zu fahren, da wartete schon das nächste heulende Kind, weil Mama einfach nicht kam. Dazwischen gönnte sich Susanne kurz einen Kaffee. Gegen 17 Uhr neue Kraft und Koffein getankt, um mit den Kindern und den Hasen zu spielen. Gegen sieben dann gemeinsames Abendessen bis die nächste Entlastung - der Babysitter - klingelt, denn zusätzlich stand um 20 Uhr auch noch eine Schulveranstaltung als Hospitation für ihr Studium auf dem Plan. Um 23 Uhr kam Susanne dann endlich nach Hause, um sich einfach nur noch auf einer Matratze auf dem Fussboden fallen zu lassen, denn in ihrem Bett - ja, da schlummerten bereits ihre beiden Süßen.

"Es gibt ein bei Papa und ein bei mir"

Single Mom Susanne: Ein neues Leben nach der Trennung
Nach der Trennung führt Single Mom Susanne eine neues Leben © picture-alliance/ ZB, Waltraud Grubitzsch

Logopädie, Elternabend, Studium. Karate, Krankengymnastik, Hippo-Therapie, Osteopathie, Kochen, Lernen, um nur einige der Aufgaben zu nennen, die Susanne allein bewältigen muss. Woche für Woche. Parallel dazu läuft das kräftezehrende Scheidungsverfahren. Da Susanne und Markus nicht mehr direkt miteinander kommunizieren, kommen auch noch zahlreiche Telefonate mit Scheidungsanwälten und dem Jugendamt hinzu. Wenn sie an die Zeit des Kennenlernens zurückdenkt, sieht sie einen komplett anderen Menschen vor sich. Er war jung, sah gut aus, war erfolgreicher und gut verdienender Unternehmer. Die Kinder krönten die Liebe. Damals war es undenkbar, dass dieses Glück jemals zerbrechen würde. Heute muss sie ihm sogar hinterherlaufen, damit er Besuchszeiten einhält und seine Jungs überhaupt ausreichend zu Gesicht bekommt. "Wenn mir seine Termine nicht passen, gibt es immer Briefe, in denen er meint, ich würde ihm die Kinder entziehen. Jetzt bin ich nicht mehr kompromissbereit!" Immer sind es angeblich Geschäftstermine oder auf dem Golfplatz hat es mal wieder länger gedauert.

Schon während der Ehe, als beide noch unter einem Dach lebten, brauchte Susanne eine Schar von Babysittern, da es nicht möglich war, dass Markus um 15 Uhr zu Hause war, um sich dann auch mal mit den Kindern zu beschäftigen: "In all den Jahren war er nur einmal mit Lutz zur Zeit der Geburt von Janis und eine Woche mit beiden Kindern alleine als ich zur OP im Krankenhaus war, da hatten wir aber ein Sommer-Au-pair. Selbst eine Fahrt zu McDonalds lehnte er ab. Alles begründet durch seine Krebserkrankung und seine vielen Geschäfts- und Golftermine." Auch den Kindern bleibt das nicht verborgen und sie fragen sich, warum ihr Papa so wenig Zeit für sie hat: Seit einem Jahr arbeitet Susanne nun mit dem Jugendamt zusammen, trotzdem hat sich noch nicht viel geändert.

Ein neues Leben mit der "besten Mama der Welt"

Nach der Trennung konsultierte Susanne eine Jugendberatungsstelle für getrennt lebende Mütter. Auf die Frage, wie es ihr damals ging, antwortet sie: "Der gewisse Punkt wurde bei mir überschritten. Irgendwann ist nun mal Schluss, sich für doof verkaufen zu lassen. Nur weil man Jahre lang dem Mann im Haus das Gefühl der Stärke zugestanden hat, heißt es doch nicht, dass Frau sich selbst aufgegeben hat oder nicht lebensfähig ist.“ Heute habe sie ihre alte Form wieder gefunden. Ein neuer Partner fehlt ihr dabei nicht: "Ich glaube, dass es für uns überhaupt keinen neuen Partner geben würde, da er für ein fremdes Kind, sein ganzes Leben hinten anstellen müsste." Wenn, dann könne sie sich nur einen Partner aus dem medizinischen oder pädagogischen Bereich vorstellen: "Alle anderen haben keine Antenne dafür!" Nur den Jungs fehle es, die seien Männer-fixiert. Für die Zukunft wünscht sich Susanne vor allem, "dass Janis mit 18 Jahren gesundheitlich so da steht, dass er allein klar kommt, vor allem auch psychisch!" Außerdem wäre eine Einzelberatung für Hochbegabte schön. "Was ich mir wünsche, ist etwas anderes, als sich realisieren lässt. Wegen Janis habe ich fast keine Möglichkeit arbeiten zu gehen. Ich bräuchte einen Job, der mich nicht mehr als 3-6 Stunden die Woche in Anspruch nimmt."

Heute ist das Trio ein eigener Mikrokosmos mit ganz speziellen Ritualen: "Jedes Mal, wenn ich die Kinder aus dem Kindergarten abhole, habe ich eine Überraschung im Kindersitz: Schokolade, Caprisonne, Match Box Autos immer etwas anderes. Ganz egal was drin liegt, Lutz antwortet immer: "Beste Mama der Welt" und Janis tut es seinem großen Bruder mit geschlossen Augen gleich und plappert die schönsten Worte für ein Mutterherz nach. In diesen Momenten weiß Susanne, dass es sich manchmal lohnt, sich selbst aufzugeben…

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