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Sudden Adult Death Syndrome: Mutter stirbt 2 Tage nach dem Kaiserschnitt

Hätte ihr Tod verhindert werden können?
Hätte ihr Tod verhindert werden können? Sudden Adult Death Syndrome 00:01:03
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Hätte das Sudden Adult Death Syndrome verhindert werden können?

Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt? Jede Schwangere macht sich Gedanken über verschiedene Möglichkeiten der Entbindung. Dabei scheint der Kaiserschnitt im Trend zu liegen, denn nur die wenigsten Kaiserschnittgeburten sind tatsächlich medizinisch notwendig. Die OP scheint zunächst eine angenehme Variante zu sein und auch Prominente machen es vor: Die Entbindung ist zeitlich einfacher planbar und typische Verletzungen, die mit einer natürlichen Geburt einhergehen, lassen sich vermeiden. Doch dass der Kaiserschnitt schwerwiegende Gefahren mit sich bringt, zeigt die Geschichte von Lisa Parkisson (35) aus England, die zwei Tage nach ihrem Kaiserschnitt starb.

Lisa Parkisson brachte im Juni 2014 Ihren Sohn Zac im Royal Oldham Hospital in Manchester per Kaiserschnitt zur Welt. Zwar hatte die frischgebackene Mutter zunächst starke Kopfschmerzen nach der Epidural-Anästhesie, doch nach der Geburt schien es beiden gut zu gehen. In der zweiten Nacht nach der Entbindung klagte Lisa über Rippen- und Schulterschmerzen. Sie bekam Schmerzmittel und schlief wieder ein. Nur knapp vier Stunden später lag die Mutter regungslos in ihrem Bett. Jegliche Wiederbelebungsmethoden waren erfolglos, Lisa starb nur zwei Tage nach ihrer Entbindung per Kaiserschnitt.

Experten sehen den Grund für Lisas Tod in dem sogenannten Sudden Adult Death Syndrome (SADS). Dieser plötzliche Tod kann durch eine Herzrhythmusstörung ausgelöst werden. Studien zufolge sterben rund 500 Menschen pro Jahr in Großbritannien am plötzlichen Herztod. Genaue Ursachen sind aber bislang ungeklärt. Die tragische Geschichte und wie es der Familie heute geht, sehen Sie im Video.

Vielen Schwangeren sind die Risiken eines Kaiserschnitts nicht bewusst

Grundsätzlich ist die Rate der Kaiserschnittgeburten in Deutschland drastisch gestiegen. Fast jedes dritte Kind kommt mittlerweile per OP zur Welt. Die Kaiserschnittraten variieren regional. Dabei ist er in den meisten Fällen medizinisch nicht notwendig. „Nur zehn Prozent der Kaiserschnitte erfolgen aufgrund einer tatsächlichen Gefährdung von Mutter oder Kind“, erklärt Gesundheitswissenschaftlerin Petra Kolip von der Universität Bielefeld im Zusammenhang mit einer Datenerhebung zum Thema. Gründe für die Operation sind vielmehr die Vorbeugung des Aufplatzens der Narbe bei vorheriger Kaiserschnittentbindung, ein höheres Durchschnittsalter der werdenden Mütter, ein höheres Gewicht der Babys und eine Zunahme an Früh- und Mehrlingsgeburten.

Kolip warnt jedoch vor einer zu positiven Sicht des vermeintlich ‚angenehmen‘ Kaiserschnitts: "Zwar sind die Komplikationen dank des medizinischen Fortschritts zunehmend gesunken, trotzdem handelt es sich hierbei immer noch um einen großen und schmerzhaften Eingriff. Allerdings sind sich viele Frauen der Folgen eines Kaiserschnitts nicht bewusst und die Ärzte klären hierüber auch nicht gut auf." Die Erwägung einer geplanten Entbindung ohne medizinischen Auslöser sollte gründlich durchdacht werden. Folgende Gefahren einer Kaiserschnittgeburt sind zu berücksichtigen:

1. Risiko einer Thrombose

Da sich jede Schwangerschaft auf das Gerinnungssystem der Mutter auswirkt, besteht bereits bei einer natürlichen Geburt ein erhöhtes Risiko einer Thrombose oder Lungenembolie. Durch einen Kaiserschnitt steigt dieses Risiko jedoch noch weiter an.

2. Höheres Risiko für das Kind

Studien zufolge leiden Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind, häufiger an Infektionen, Allergien, Asthma, Übergewicht, Diabetes Typ 1 und Zöliakie, einer Überempfindlichkeit gegenüber Weizenbestandteilen in der Nahrung. Auch Lungenprobleme bei dem Neugeborenen sind wahrscheinlicher als bei einer natürlichen Geburt. Während bei einer vaginalen Entbindung auf dem Weg durch den Geburtskanal Flüssigkeitsreste aus der Lunge des Babys herausgepresst werden, können diese bei Kaiserschnittgeburten im Organ verbleiben und Atemprobleme verursachen.

3. Folgen für spätere Schwangerschaften

Vor allem Frauen, die sich mehrere Kinder wünschen, sollten nicht unüberlegt einen Kaiserschnitt erwägen. "Viele werdende Mütter wissen nicht, dass sich ein Kaiserschnitt auch auf zukünftige Schwangerschaften auswirkt. Durch die Narbe ist die Einnistung des Embryos in der Gebärmutter häufig beeinträchtigt", warnt Kolip. Zudem kann das Wachstum des Mutterkuchens (Plazenta) eingeschränkt sein. Die Plazenta versorgt das ungeborene Baby mit Nährstoffen und frischen Sauerstoff aus dem Blut der Mutter und ist entscheidend für die Versorgung des Kindes vor der Geburt. Wächst der Mutterkuchen an falscher Stelle oder zu tief in der Gebärmutter, können schwere Blutungen entstehen, die lebensbedrohlich für Mutter und Kind sind.

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