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Sucht bekämpfen: Die fünf Stufen zur Abstinenz

Eine Sucht kann man mit gezielter Therapie bekämpfen.
Alkohol, Drogen und Medikamente können abhängig machen. Die Sucht zu bekämpfen ist schwer, aber nicht unmöglich. © deutsche presse agentur

So schaffen Sie den Entzug

Alkohol, Drogen oder Medikamente bestimmen Ihr Leben? Die Sucht aktiv zu bekämpfen, ist der erste Schritt aus dem Teufelskreis der Abhängigkeit.

Der Weg aus einer Abhängigkeit führt über fünf typische Phasen, die fast alle Betroffene durchlaufen. Er ist zwar nicht leicht, aber mit ein paar Strategien können Sie es schaffen.

Viele Betroffene haben lange Zeit keine realistische Wahrnehmung für ihren problematischen oder bereits krankhaften Konsum. Die Realität wird verdrängt oder verleugnet. Durch das Verdrängen, Verleugnen und Bagatellisieren wird versucht, das Schlechte weit weg zu halten. Das kann dann problematisch sein, da der Wunsch etwas zu verändern ausbleibt.

Das ist jedoch der Grundstein, um aus einer Sucht herauszukommen. Der Wille zur Veränderung ist eine notwendige, aber eben leider oft nicht ausreichende Voraussetzung für eine Veränderung.

Stellen Sie sich die fünf Stadien wie die Stufen einer Treppe vor. Jede Stufe muss gegangen werden, um oben - beim abstinenten Leben - anzukommen. Man kann jederzeit einen Schritt zurück machen und landet dann wieder bei der vorherigen Phase oder man fällt ganz herunter und muss sich von unten wieder auf den Weg machen.

Stufe 1: Die Absichtslosigkeit

Das Stadium, in dem Sie konsumieren und keine Änderung in Sicht ist. Wenn Sie sich jedoch eine Zukunft mit weniger oder ohne Suchtmittel wünschen, heißt das, dass Sie nach Ihrer eigenen Einschätzung zurzeit zu viel konsumieren. Wenn Sie sich jetzt eingestehen, dass mehr gegen als für den Konsum spricht, sind Sie bereit für Schritt zwei.

Stufe 2: Ja, ich will etwas ändern

In diesem Stadium sollten Sie sich damit auseinandersetzen, was Sie bisher daran gehindert hat, konkrete Schritte in die Wege zu leiten und sich Hilfe zu holen. Machen Sie ein Gedankenexperiment, was im schlimmsten Fall passieren kann. Meistens ist die Scham groß, dass jemand von den eigenen Problemen erfahren könnte. Überprüfen Sie die eigenen Befürchtungen kritisch. Wahrscheinlich kommen Sie zu dem Ergebnis, dass manche Ihrer Befürchtungen unrealistisch sind. Und wahrscheinlich haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Abwarten und Weitermachen in den alten Mustern nichts verbessert. Oft ahnten Familie, Freunde und Kollegen schon von der Sucht und sind erleichtert, dass sie endlich darüber reden können.

Informieren Sie sich, wie andere es geschafft haben und nutzen Sie die Erfahrungen anderer Betroffener. Vereinbaren Sie (anonym oder nicht anonym) einen verbindlichen Termin bei einer Beratungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe.

Die Sucht zu bekämpfen, erfordert Durchhaltevermögen

Stufe 3: Vorbereitung - Ich packe es an

Wer bereits den Vorsatz gefasst hat, etwas an seinem Konsumverhalten zu ändern, wird sich die Frage stellen, wie er vorgehen soll.

Wenn Sie so weit sind, sollten Sie 'Nägel mit Köpfen machen'. Dieser Schritt hat sicherlich einen langen Anlauf gebraucht. Jetzt sind Sie an einem Punkt, an dem Sie wieder Hoffnung schöpfen können.

Nehmen Sie unbedingt professionelle - insbesondere medizinische - Hilfe in Anspruch. Das kann der Hausarzt sein oder ein Facharzt für Psychiatrie oder Psychotherapie. Insbesondere größere Betriebe verfügen über eine betriebliche Suchthilfe.

Stufe 4: Handlung - Entzug und Entwöhnung

Wer diese Stufe - das Stadium der Handlung - erreicht hat, hat seinen Konsum bereits auf positive Weise verändert, also reduziert oder gar ganz eingestellt.

Die körperliche Alkoholentgiftung dauert meist nur wenige Tage. Eine Entwöhnungsklinik bietet einen geschützten Raum, um sich zu entwickeln und auszuprobieren, ohne gleich mit Alttagssorgen konfrontiert zu werden.

Für viele beginnt mit der Entwöhnung ein Wachstumsprozess. Das Selbstvertrauen wächst wieder an. Eine begleitende Therapie unterstützt diesen Prozess.

In der ersten Phase der Abstinenz ist das Suchtgedächtnis noch sehr aktiv. Dies ist eine gefährliche Phase. Kritische Situationen können äußerliche Merkmale haeben, wie das Zusammensein mit Sportskameraden nach dem Training. Der Suchtdruck steigt. Je öfter Sie kritische Situationen ohne Suchtmittel bewältigen, desto wirksamer ist das Suchtgedächtnis geschwächt.

Stufe 5: Aufrechterhaltung - Ich lebe ohne Suchtmittel

Abstinent zu leben, ist weniger eine Frage des Willens, sondern eher ein Prozess des aktiven Umlernens. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Sucht eine lebenslange Erkrankung ist - auch in der Abstinenz.

Vermeiden Sie den Gechmack von Alkohol in jeglicher Form. Auch konsequent selbst in kleinsten Mengen, zum Beispiel in Pralinen, in Kuchen oder sonstigem Essen.

Um den Alltag zu bewältigen brauchen Sie Strategien und Notfallpläne. Erstellen Sie sich einen persönliche Krisenplan. Planen Sie am besten schriftlich, was zu tun ist, wenn Gefahr besteht rückfällig zu werden.

Neben den bish aufgeführten Institutionen - Beratungsstellen, psychiatrische Institutsambulanzen, Haus- und Facharztpraxen, Selbsthilfegruppen, betribliche Suchthilfe - gibt es noch weitere Möglichkeiten, Hilfe zu erhalten. Diese Hilfsangebote können in einer Krise eine wichtige Rolle spielen. Sehr leicht erreichbar ist die anonyme und kostenfreie Telefonseelsorge an. In einigen Regionen existiert auch ein Krisendienst mit unterschiedlichen Bereitschaftszeiten.

Richten Sie den Blick auf Ihre Stärken

Spätestens in der Phase der Aufrechterhaltung ist es sehr hilfreich, sich noch einmal intensiv mit der eigenen Vorstellung vom Leben zu beschäftigen. Nehmen Sie sich mindestens eine viertel Stunde am Tag Zeit, um sich Gedanken über Ihre eigenen Stärken zu machen. Schauen Sie sich an, welche Menschen Ihnen gut tun. Bei welcher Sportart und welchem Hobby haben Sie sich richtig wohlgefühlt?

Wichtig ist: Sorgen Sie gut für sich, kümmern Sie sich um Ihre Wünsche und Bedürfnisse und belohnen Sie sich zum Beispiel mit Wellness-Behandlungen.

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