BERUF BERUF

Stutenbissigkeit unter Müttern - was soll der Konkurrenzkampf?

Der Brief einer Mutter an die andere Mutter

Liebe andere Mutter!

Stutenbissigkeit unter Müttern - was soll der Konkurrenzkampf?

Wir treffen uns jeden Tag. Du bist die Bäckerin, bei der ich morgens die Brötchen kaufe, die Kollegin im Büro, die Ärztin, der ich vertraue, die Erzieherin, der ich mein Kind übergebe, die Frau, die an der Bar neben mir steht. Du kennst mich also. Aber warum schenkst du mir dann so selten ein Lächeln, wenn wir uns begegnen? Dabei sind wir uns doch so ähnlich, denn es ist das Gleiche, was wir über alles lieben auf der Welt – unser Kind. Ich finde, das ist eine große Gemeinsamkeit.

Von Britta Dorn

Immerhin grüßen sich sogar Wohnmobilfahrer auf der Autobahn, wenn sie aneinander vorbei fahren. Manchmal denke ich, dass du mich verachtest. Weil ich arbeite und ein Kind habe und dazu auch noch glücklich bin. Entweder arbeitest du nicht und kannst es nicht verstehen, warum ich mich zu diesem Leben entschieden habe. Denn du denkst, dass nur dein Weg der richtige ist. Oder du bist mir zu ähnlich und siehst an mir, was dir an dir selbst missfällt. Weshalb du unglücklich bist.

Zum Glück gibt es dich auch in nett!

Anders kann ich mir nicht erklären, warum du manche Dinge zu mir sagst. „Deiner hat noch Wutausbrüche?! Dabei ist er schon vier! Also meine Nele hatte ihren letzten mit drei. An deiner Stelle würde ich mir da mal Gedanken machen.“ Ja, danke, da wäre ich jetzt selber auch nicht drauf gekommen. Ich mache mir ja nie Gedanken. Und wenn überhaupt nur über mein neuestes Projekt im Job. Wobei, das machst du ja auch, denn schließlich ist dein Kind dein Projekt.

Deshalb hast du auch immer Apfelschnitze und Feuchttücher dabei. Und wenn ich auf dem Spielplatz neben dir sitze und meinem Sohn einen ganzen Apfel reiche, dann schaust du missbilligend rüber, und ich lese an deinen Augen, dass du jetzt am liebsten fragen würdest: „Ist der wenigstens bio?“ Aber stell dir vor, mein Sohn kann einen ganzen Apfel essen. Und das sogar schon, seitdem er zwei ist, so!

Oder wenn ich nach Feierabend mit einem vollen Einkaufswagen an der Supermarktkasse stehe und mein Kind lauthals krakeelt: „Mama, ich muss Aa. Gaaanz dringend!“, dann stehst du hinter mir und schaust voller Genugtuung zu mir rüber und wartest ab, was ich jetzt wohl mache. Aber du musst nicht so schauen, ich weiß, dass du selbst ein Kind hast! Ich weiß, dass du die Situation selbst schon tausendmal erlebt hast! Warum schenkst du mir kein verbündetes, optimistisches Lächeln? Das würde mir helfen. Aber du tust es einfach nicht. Als hätten wir nicht schon genug mit unserem Leben zu tun. Nein, anstatt uns Freunde zu suchen, schaffen wir Feindschaften.

Aber zum Glück gibt es dich auch in nett, liebe andere Mutter. Ich treffe dich nachmittags am Gartenzaun, und du streckst die Arme aus. Ich reiche dir mein Kind rüber, gehe in die Wohnung und koche mir einen Kaffee. Und ruhe mich eine Stunde aus, während unsere Söhne wild in eurem Garten toben. Ich reiche dir abends das Babyphone nach oben, damit ich zum Yoga kann, obwohl mein Mann noch nicht aus dem Büro zurück ist. Und du nimmst es jedes Mal voller Verständnis an. Ich treffe dich beim Kinderturnen, und wir sitzen auf dem Schulhof, während wir auf unsere Kinder warten. Wir reden über unsere Jobs, unsere Männer, nur selten über unsere Kinder.

Ich treffe dich im Park, und wir sitzen auf der Wiese und sehen zu, wie unsere Jungen Fahrrad fahren. Wir lächeln und platzen vor Stolz und sehen uns an, spüren beide das gleiche, überwältigende Gefühl in unserer Brust. Und wir treffen uns nachts im Club, tanzen nebeneinander und freuen uns, dass wir das aus unserem Leben vor dem Kind mitnehmen konnten. Danke für all das!

Anzeige