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Studie zum Alterungsprozess: Ewige Jugend ist (leider) unmöglich

Der Alterungsprozess kann nicht aufgehalten werden.
Das Altern ist unvermeidlich, aber man kann es zumindest verlangsamen. © Getty Images, Xesai

Menschen können das menschliche Altern nicht aufhalten

Für Vampire reichte ein Biss in den Hals, um den Alterungsprozess unmittelbar zu stoppen. Der Rest der Menschheit tut sich allerdings schwer damit, das Altern aufzuhalten. Zwei US-Forscher haben nun berechnet, dass Altern rein mathematisch gesehen unvermeidlich ist: "Tut uns leid", so die Forscher.


Von Jutta Rogge-Strang

Konflikt im menschlichen Körper

"Das Altern ist mathematisch unvermeidlich", sagt Johanna Masel, Professorin für Ökologie und Evolutionäre Biologie an der University of Arizona: "Logisch, theoretisch und mathematisch gibt es einfach keinen Ausweg." Damit widerspricht sie der Vorstellung vieler Forscher weltweit, die seit vielen Jahren den Alterungsprozess erforschen. 


In der ganzen Welt versuchen Wissenschaftler, den Alterungsprozess zu entschlüsseln. Aber weder die iPS-Stammzellen des Japaners Shinya Yamanaka noch die Telomere, die am Ende der DNS-Ketten sitzen und sich im Laufe des Lebens immer mehr verkürzen, scheinen allein für das Altern verantwortlich zu sein. Manche Experten schätzen, dass 400 bis 500 Gene für den Alterungsprozess relevant sind, andere sprechen von bis zu 7.000. 


Dabei hat der menschliche Körper laut der neuen US-Studie aber einen grundsätzlichen Konflikt, den unsere Körperzellen austragen: Einerseits werden Zellen vom Körper aussortiert, die nicht mehr optimal funktionieren. Wenn der Körper aber die schlecht funktionierenden Zellen entsorgt, ermöglicht er es andererseits den munteren Krebszellen, sich unkontrolliert zu vermehren, erklärt Paul Nelson, Evolutionsbiologe und Hauptautor der Studie. Wenn der Körper wiederum die Krebszellen entsorgt oder bremst, können sich die trägen Zellen vermehrt anhäufen. Das wiederum beschleunigt das Altern. 

Der Evolution ist es egal

Welches Zell-Prinzip also für die Forscher zugrunde liegt, es läuft immer auf dasselbe hinaus: Der Körper wird sterben. Denn wenn dem Altern zwei sich widersprechende Faktoren zugrunde liegen, gibt es – zumindest mathematisch – keine Lösung. Für die Evolution ist Altern aber sowieso kein Problem: Denn das spielt sich erst, ab, nachdem der Nachwuchs gezeugt und die DNA weitergegeben wurde. Also gibt es keinen natürlichen Grund, noch ewig weiterzuleben. 

Theoretisch werden wir heute 100 Jahre alt

Nicht nur in Deutschland ist die durchschnittliche Lebenserwartung in den vergangenen fünf Jahrzehnten allerdings deutlich angestiegen. Zum Vergleich: Mitte des 19. Jahrhunderts galten Menschen mit 40 als uralt. Heute wird eine 50-jährige Frau durchschnittlich 88,2 Jahre alt und hat eine 13-prozentige Chance auf ihren 100. Geburtstag. Männer leben durchschnittlich etwa fünf Jahre weniger, und die Party zum 100. Geburtstag erlebt ein Mann nur mit einer zweiprozentigen Wahrscheinlichkeit. Dabei spielen Faktoren wie Frieden, höherer Lebensstandard und bessere Ernährung mindestens eine genauso große Rolle wie die medizinischen Fortschritte.


Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir das Altern zwar nicht stoppen, aber dennoch deutlich verlangsamen können. Denn sie verstehen die komplizierten Stoffwechselprozesse immer besser, die zu Falten, schlaffen Muskeln und brüchigen Knochen führen. Und was wäre, wenn der Menschheitstraum von ewiger Jugend in Erfüllung ginge? Jeder weiß, dass sogar die Vampire mit ihrem ewigen Leben unglücklich waren. Vielleicht sollten wir uns also besser an den Ratschlag der US-Sängerin Joan Baez halten: "Du kannst dir nicht aussuchen, wie du stirbst. Oder wann. Du kannst nur entscheiden, wie du lebst. Jetzt."

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