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Studie zu Regenbogenfamilien: Geschlecht der Eltern spielt keine Rolle

Kind mit Papas
Suchen Kinder aus Regenbogenfamilien ein gleichgeschlechtliches Vorbild? Eine Studie wollte das herausfinden. © iStockphoto, Leonardo Patrizi

Zwei Mamas, zwei Papas oder Mama und Papa: Kaum Unterschiede festzustellen

Fehlen Kindern, die von gleichgeschlechtlichen Paaren aufgezogen werden, die Rollenvorbilder, an denen sie sich orientieren oder von denen sie sich abgrenzen können? Muss ein Junge einen Vater haben, ein Mädchen eine Mutter? Eine Frage, die nicht zuletzt bei der Diskussion um die 'Ehe für alle' wieder aufkam. Eine US-Amerikanische Studie sagt: nein. Für die Entwicklung von Kindern sei es egal, ob sie von zwei Mamas, zwei Papas oder von Mama und Papa geliebt und erzogen werden. Hauptsache, sie werden geliebt und erzogen.

Suchen Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern eine Identität?

Von Ursula Willimsky

In Deutschland wachsen Schätzungen zufolge rund 6600 Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern auf - ob die nun in einer eingetragenen Partnerschaft leben, demnächst heiraten wollen oder einfach so zusammen leben, tut kaum etwas zur Sache. Es sind Kinder, die zwei Papas oder zwei Mamas haben. Demnächst sogar bei Adoptivkindern ganz offiziell. Nach dem Ja zur 'Ehe für alle' dürfen auch gleichgeschlechtliche Paare gemeinsam Kinder adoptieren - bisher war das bei gleichgeschlechtlichen Paaren nur einem Elternteil möglich.

Jetzt sind also beide gleichberechtigt und gleich erziehungsberechtigt. An den Vorurteilen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen, dürfte das aber wenig ändern. Beliebtes Argument: Fehlt das männliche oder das weibliche Rollenvorbild, werden es die Kinder schwer haben, ihre geschlechtliche Identität zu entwickeln.

Kinder verhalten sich geschlechterkonform

Eine Studie der University of Kentucky widerlegt diese Annahme. Studienleiterin Rachel Farr begleitete 106 Familien, die Kinder adoptiert hatten: 29 schwule Paare, 27 lesbische Paare und 50 heterosexuelle Paare. Sie notierte, ob die Kinder lieber mit Modell-Autos oder Puppen spielten - oder geschlechtsneutral am liebsten malten. Fünf Jahre später überprüfte sie bei den inzwischen Achtjährigen noch einmal, wie sich das Kind in Hinblick auf die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht entwickelt hatte.

Das Ergebnis: Kaum Unterschiede festzustellen. Mit acht Jahren taten die meisten Kinder das, was sie in dem Alter eben tun: Sie verhielten sich absolut geschlechterkonform. Eine deutsche Studie - diesmal nicht auf Adoptivkinder beschränkt - kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Das Rollenvorbild allein macht´s also nicht.

Haben wir uns fast schon gedacht. Sonst würde sich ja auch das Gros aller Jungs, die bei einer alleinerziehenden Mutter aufwachsen, für (Achtung, kleiner Klischee-Scherz, muss einfach sein) eine Karriere als Friseur oder Nageldesigner entscheiden. Tun sie aber nicht.

Wir vermuten daher, dass es bei Regenbogenfamilien, Ein-Eltern-Familien und klassischen Familien immer auf die gleiche Erziehungsmaxime hinausläuft: Liebe. Liebe. Liebe. Wichtig ist, dass alle Beteiligten miteinander respektvoll umgehen, sich Vertrauen und Sicherheit schenken. Und die Kinder mit viel Selbstvertrauen stark gemacht werden für den langen, spannenden Weg ins Leben da draußen.

Wo der endet? Das erfährt man ohnehin erst, wenn das Kind kein Kind mehr ist, sondern ein erwachsener Mensch. Mit ganz eigenen Vorlieben, Neigungen, Interessen, Plänen und einem Leben, das ganz anders gestaltet sein kann wie das der Eltern. Oder ganz nah dran an dem, was daheim vorgelebt wurde. Insofern braucht vermutlich jedes Kind Vorbilder. Nicht unbedingt für seine Geschlechter-Rollen, aber auf jeden Fall aber für die Rolle, die es in der Welt übernehmen will.

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