Studie zu Familienfreundlichkeit in Unternehmen: Sind Kind und Karriere unvereinbar?

Arbeitende Mutter mit Kind auf dem Arbeitsplatz
Familie und Karriere zu vereinbaren, ist schwierig - deutsche Unternehmen helfen nicht viel © diego cervo - Fotolia

Image widerspricht gelebter Realität

Kinder und Karriere schließen sich zwar nicht grundsätzlich aus, doch gerade in Deutschland haben es erwerbstätige Mütter und Väter sehr schwer. Manche Unternehmen versuchen sich öffentlich als familienfreundlich darzustellen – Stichwort Frauenquote, Elternzeit und Kita-Ausbau. Doch der gute Ruf ist oft mehr Schein als Sein, wie nun eine Studie des Beratungsunternehmens A.T. Kearney zeigt.

Viele junge Menschen entscheiden sich für die Karriere und gegen Kinder, was zum derzeitigen Kindermangel in Deutschland geführt hat. Dass sich Menschen überhaupt für das Eine und gegen das Andere entscheiden müssen, liegt oft an den fehlenden Angeboten seitens der Arbeitgeber. Diese versuchen immer mehr, sich als besonders familienfreundlich darzustellen. Leider stecken in vielen Fällen nur leere Versprechen hinter der Fassade. Eine repräsentative Umfrage von A.T. Kearney und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und dem Infas Institut für Angewandte Sozialwissenschaft unter knapp 1.800 Beschäftigten in mehr als 400 Unternehmen belegt diese Tatsache mit einer Studie.

Darin sprechen die Zahlen eine klare Sprache: Die Unternehmen tun zu wenig. Fast drei Viertel der Befragten ist nicht der Meinung, dass ihr Unternehmen viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tut. Nur dreizehn Prozent glauben, dass ihr Betrieb alles Mögliche tut, um ihren Angestellten sowohl Kind als auch Karriere möglich zu machen.

Teilzeit ist Karriere-Killer Nummer 1

Eine Großzahl der Befragten bemerkt einen Widerspruch zwischen dem Image des Unternehmens und gelebter Realität: Ihr Arbeitgeber lege zwar großen Wert auf ein arbeitnehmerfreundliches Betriebsimage, zeige jedoch kein allzu großes Verständnis für die Bedürfnisse einer Familie. So befürchtet jeder dritte Arbeitnehmer Karrierenachteile, wenn er familienfreundliche Leistungen in seinem Unternehmen in Anspruch nimmt. Die Studie zeigt allerdings auch, dass die Mitarbeiter, die solche Leistungen und Angebote genutzt haben, loyaler und zufriedener mit dem Unternehmen sind.

Gerade für junge Familien wären Teilzeitmodelle und flexible Arbeitszeiten sehr wichtig. 80 Prozent der Befragten glauben allerdings, dass ihr Arbeitgeber sehr großen Wert auf die ständige Präsenz am Arbeitsplatz legt. Und Teilzeit gilt als Karriere-Killer Nummer 1. Kein Wunder, dass viele junge Frauen aus Angst nicht den Schritt in die Mutterschaft wagen.

Anzeige