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Studie enthüllt: So funktioniert eine Depression

Warum ist es so schwierig, mit Depressiven umzugehen?

In Deutschland leiden rund vier Millionen Menschen an einer Depression - das sind Dimensionen einer echten Volkskrankheit. Eine neue Studie des 'rheingold Instituts' in Köln im Auftrag von Pascoe Naturmedizin enthüllt 'Die geheime Logik der Depression'. Wie funktioniert eine Depression? Die Wissenschaftler beantworten aber auch die Frage: Was macht es für Betroffene, Angehörige, Freunde und Ärzte so schwierig, mit der Krankheit umzugehen?

Depression: Ursache und Therapie
Keine Perspektive mehr, keine Aussicht auf Besserung: Depressive stecken oft in einer schier ausweglosen Situation fest. © picture alliance / Bildagentur-o

Die Liste der körperlichen Beschwerden, die Depressions-Patienten plagen, ist lang. Dazu gehören Schlafstörungen, Gedankenkreisen, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, hoher Blutdruck, Konzentrationsprobleme, Kribbeln im Körper, Getriebensein, erhöhter Puls, Schweißausbrüche, Bauchschmerzen, Migräne, Durchfall, Angst, Panikattacken und schließlich auch Selbstmordgedanken.

Für die tiefenpsychologische Studie wurden 80 Betroffene - je 40 Männer und Frauen - zu zweistündigen Einzelinterviews eingeladen. Übereinstimmend berichteten alle Patienten von Zuständen unendlicher Traurigkeit und einem Gefühl, lahmgelegt und im Alltag komplett überfordert zu sein. Wie kommt das zustande?

Entgegen den Erwartungen der Interviewer zeigten sich die Patienten nicht immer niedergeschlagen. Sondern sie berichteten alle über hohe Ideale und von extrem aktiven Phasen. Diese Ideale und Ansprüche wirkten aber wie ein ruheloser Antreiber, stellten die Psychologen fest. Wenn etwas nicht klappt, fehlt den Depressions-Patienten die Möglichkeit, sich Fehler selbst zu verzeihen. Wenn sie ein Schicksalsschlag trifft, können sie nicht trauern. Wenn sie von anderen Menschen schlecht behandelt werden, begehren sie nicht wütend dagegen auf.

Die Depression friert die Trauer ein

Es klingt wie ein Widerspruch, aber das Nicht-Trauern-Können ist der Grund für die unendliche Traurigkeit der depressiven Menschen, so ein Ergebnis der Studie. Es fehlt ihnen die Möglichkeit, sich aktiv mit der Situation auseinanderzusetzen. Die Depression friert die Trauer ein, konserviert sie. Die Kranken ziehen sich zurück, legen sich still. Aber auch das ist keine aktive Handlung, denn auf die Betroffenen wirkt es, als würden sie ferngesteuert.

Diese Stilllegung ist allerdings nur Fassade. Die Wissenschaftler nutzen den Vergleich mit einem Auto, dessen Motor im Leerlauf auf Vollgas läuft. Dieses Heißlaufen führt schließlich dazu, dass in Alltagssituationen nicht mehr priorisiert werden kann: Alles erscheint gleich wichtig, gleich bedeutend. Ergebnis: "Vor den Betroffenen ragt ein riesiger Berg auf, der nicht zu erklimmen ist."

Da die Kranken nicht entscheiden können, was wichtig und dringend ist und was unwichtig, kapitulieren sie vor der schieren Masse der Anforderungen. Nach außen wirken die Depressiven dann lethargisch. Nahestehende Menschen meinen es natürlich nur gut, wenn sie sagen "reiß dich doch mal zusammen, gib dir einen Ruck!" Dieser Appell nützt aber überhaupt nichts. Er zeugt nur davon, dass die Situation des Kranken nicht verstanden wird. Innerlich läuft der nämlich die ganze Zeit auf Vollgas, findet keinen Schlaf, kann sich keine Auszeit gönnen. Der Appell müsste also genau entgegengesetzt lauten: "Komm runter, mach dir heute einfach mal keine Sorgen - morgen ist auch noch ein Tag!"

Das "Vollgas im Leerlauf" führt dazu, dass die Betroffen "in ihrem eigenen Saft schmoren", wie die Psychologen es in ihrer Studie bezeichnen. Die Umwelt wird mehr oder weniger ausgeblendet. Alle Gedanken und alles Erleben kreisen nur noch um das eigene Elend. Am Ende resignieren die Depressiven, finden sich mit der Depression ab und versuchen lediglich, die Symptome zu bekämpfen.

Statt Energie in eine tatsächliche Veränderung zu investieren, werde oft die gesamte Kraft in einen Beweisgang verlagert, dass alles schlimm ist und nur noch schlimmer wird. Viele Betroffene setzten auch sehr viel Energie dafür ein, ihrer Umgebung ein Theater von heiler Welt vorzuspielen. Da werden gegenüber Familie, Freunden und Ärzten nur die körperlichen Probleme mit Blutdruck oder Puls, Schlaflosigkeit oder Migräne eingestanden. Eine gefährliche Strategie, so die Fachleute, denn am Ende droht der Suizid.

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