Studie: Alle Länder bewundern Deutschland - nur Griechenland nicht

Die Arbeit von Kanzlerin Angela Merkel wird von einem Großteil der EU-Bürger als gut bewertet.
Die Arbeit von Kanzlerin Angela Merkel wird von einem Großteil der EU-Bürger als gut bewertet. © dpa, Felix Kindermann

Euro-Studie: Ist eine solche Umfrage repräsentativ?

Wer hätte das gedacht? Laut einer US-Studie werden die Deutschen von allen Ländern in Europa am meisten bewundert, auch Kanzlerin Angela Merkel ist hoch angesehen, heißt es. Sie werde für ihren Führungsstil respektiert. Nur Griechenland ist in diesem Punkt ein Außenseiter, die Stimmung dort sei anders, stellt das Pew Research Center fest.

Von Christiane Mitatselis

Merkel wird sich über den unerwarteten Zuspruch freuen. Schließlich befindet sich ihre CDU in den Meinungsumfragen auf dem absteigenden Ast. Allerdings muss man die Frage stellen, wie repräsentativ diese Umfrage wirklich sein kann. Das US-Institut befragte 9000 Menschen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Italien, Polen, Spanien und Tschechien. Die EU besteht aber aus 27 Staaten.

Wie auch immer, die Ergebnisse sind nun da und werden überall zitiert. Und wie so oft, werden dabei nur ein paar Punkte herausgezogen. Schaut man durch die Online-Portale, so hebt niemand hervor, dass die US-Forscher auch ermittelten, dass in vielen Ländern die Meinung herrsche, das Zusammenwachsen Europas habe die heimische Wirtschaft geschwächt; die Mehrheit der Befragten beurteilte auch die aktuelle europäische Sparpolitik als zu hart und lehnte weitere Sparzwänge ab.

Nein, neben der Beliebtheit der Deutschen wird herausgestellt, dass Griechenland wieder einmal aus der Reihe tanze. Nur 14 Prozent der Befragten schätzten Merkel dort als Politikerin, heißt es in der Studie. Dabei sind ihre schlechten Werte in Hellas nur verständlich.

In tumber Stammtischmanier unterstellte sie 2011 der von den europäischen Sparmaßnahmen gebeutelten griechischen Bevölkerung, sie arbeitete nicht hart und strenge sich nicht genug an. Außerdem gingen die Südländer zu früh in Rente. Mit der Realität hat das nichts zu tun.

Die Wochenarbeitszeit in Griechenland liegt bei 40 Stunden - und nicht wie in Deutschland bei 38,5. Das griechische Renteneintrittsalter betrug im Jahr 2011 61,7 Jahre und entsprach genau dem EU-Durchschnitt. Es wurde inzwischen um zwei Jahre erhöht. Die Mehrheit der griechischen Rentner erhalten weniger als 500 Euro im Monat.

Deutschland rückt Griechen in schlechtes Licht

Überhaupt geht es den Menschen in Griechenland mehrheitlich schlecht. Ich bin seit zehn Tagen in Griechenland und erlebe ein leidendes Land.

Täglich wird man hier mit traurigen Schicksalen konfrontiert. Einer 25-jährigen Englisch-Lehrerin wird das Gehalt einfach mal von 900 auf 600 Euro gekürzt. Ein Restaurant-Besitzer muss seinen Laden schließen, da keine Touristen mehr kommen. In den großen Städten stehen viele Menschen erst ohne Arbeit und dann auch ohne Wohnung da. Sozialhilfe wie in Deutschland gibt es hier nicht. Hielten die griechischen Familien nicht so gut zusammen, wäre alles noch viel schlimmer.

Anders als in einigen Medien suggeriert, gibt es aber keine Deutschenfeindlichkeit. Viele Griechen haben lange in Deutschland gelebt und das Land für seine Kultur und Toleranz immer geschätzt. Niemand kann deshalb verstehen, warum deutsche Politiker die Griechen plötzlich in ein so extrem schlechtes Licht gestellt haben.

Die Griechen wünschen sich europäische Solidarität und Hilfe, die die Wirtschaft wieder ins Laufen bringt – und keine Sparmaßnahmen, die sie weiter abwürgen. Deutsche sind nicht unbeliebt in Griechenland, unbeliebt sind nur deutsche Politiker, die den Ruf des Landes mit populistischen Parolen ruinieren.

Anzeige