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Streiten in der Beziehung ist wichtig - aber bitte richtig!

Streiten in der Beziehung ist wichtig - aber bitte richtig!

Beziehungsprobleme Ade: Streit ist wichtig aber will gelernt sein!

Fliegen bei Ihnen daheim auch mal die Fetzen? Schreien Sie sich an, sind Sie richtig wütend? Gut so, denn das ist gesund und allemal besser, als den Ärger in sich hineinzufressen. Allerdings sollte man nicht übertreiben: Was geht, was sollte man vermeiden?

Von Jutta Rogge-Strang

Eine neue Studie zeigt: Deutsche Paare streiten nicht gerne. Lieber zieht sich ein Partner schweigend und beleidigt zurück (29 Prozent), als das Problem zu besprechen. Gestritten wird schon gar nicht in der Öffentlichkeit: Nur ein Prozent traut sich, auf offener Straße zu streiten, im Supermarkt wagen es nur sechs Prozent. Insgesamt streiten sich nur fünf Prozent aller Paare täglich und nur jedes zehnte Paar ein Mal pro Woche. Dabei ist es nicht gesund, den Ärger über die zerquetschte Zahnpasta oder die lieben Verwandten in sich hineinzufressen, denn das geht, so Experten, mittelfristig schief. Das Problem löst sich nicht von alleine.

Aber wie geht richtig streiten, wenn man wütend ist?

Natürlich kommt es immer zu Meinungsverschiedenheiten, wenn zwei Menschen zusammenleben. Das ist normal. Aber wie geht man am besten damit um, wenn man sich über den anderen ärgert? Verboten sind auf jeden Fall Kritik, Verachtung, Abwehr, Erpressung, Schweigen. Aber genau das kommt in fast in jedem Streit vor, mal mehr, mal weniger. Schweigen ist besonders gefährlich: Denn dann überwiegen die negativen Gefühle und im schlimmsten Fall zerbricht die Beziehung.

Streiten kann man lernen – leichter gesagt als getan. Perfekt wäre es, erst einmal eine Nacht zu schlafen, bis die Wut verraucht ist: Denn Streit ist Stress, und unter Stress schaltet unser Verstand auf Durchzug. Dann gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Angriff oder Flucht. Besser ist es aber, lösungsorientiert zu streiten. Das kennt doch jeder von uns: In der Hitze des Gefechts wirft man dem Gegenüber eine böse Beleidigung an Kopf und freut sich über seinen „Sieg“ - aber schon nach 30 Sekunden bereut man seine Worte, denn eigentlich waren sie nicht so gemeint.

Wer sich versöhnen will, muss Mitgefühl zeigen!

Machen Sie sich klar, dass es immer Dinge gibt, über die Sie verschiedener Meinung sind und bleiben werden. Versuchen Sie nicht, Ihren Partner zu ändern, sondern suchen Sie gemeinsam nach einer kreativen Lösung. Manchmal kann die auch von außen kommen: Wenn es immer wieder zu Konflikten kommt, weil die Wohnung aufgeräumt und geputzt werden muss, ist vielleicht eine Putzhilfe eine gute Idee. Notfalls kann auch ein Coach oder Familientherapeut eine hilfreiche Inspiration sein. Oder vielleicht haben andere Paare eine Lösung gefunden?

„Du hast...“ oder „Immer...“, damit fangen oft die falschen Sätze an, denn dann folgt ein pauschaler Vorwurf. Vielleicht ein Tipp für den nächsten Ehekrach: Wie würden Sie streiten, wenn Sie mit einem geschätzten Arbeitskollegen sprechen würden? Ein bisschen vorsichtiger, weniger auf Angriff, weniger beleidigend und eher sachlich würden Sie Ihr Problem beschreiben. Dabei wären Sie zielorientiert: Was können wir tun, um das Problem zu lösen?

Ist das Kind in den Brunnen gefallen, hilft nur noch Versöhnung: Aber gerade eine Entschuldigung fällt so richtig schwer, weil sie meist als Zeichen der Schwäche empfunden wird. Dabei ist derjenige, der nach dem Streit auf den Partner zugeht, nicht der Schwache, sondern der Mutige. Also warten Sie nicht lange ab, sondern geben Sie Ihren Fehler zu – übrigens persönlich, nicht per Brief, SMS oder Email. Letztlich kommt es auf eine geglückte Versöhnung an: Denn schon bei einer innigen Umarmung wird Oxytocin ausgeschüttet, was Stresshormone reduziert und für eine ausgleichende Stimmung sorgt. Mache Paare schwören auf Versöhnungssex. Wie auch immer Sie nach einem Streit wieder zueinander finden: Bleiben Sie ein glückliches Paar.

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