LIEBE LIEBE

Streit ums Geld in der Beziehung

Streit ums Geld in der Partnerschaft
Streit ums Geld in der Partnerschaft

Der Streit ums Geld verschont nur wenige Paare

„Öaaahh, musste das denn wirklich sein? Brauchst Du das tatsächlich?“. Wer diesen Satz nicht direkt durch ein „Du hast doch ohnehin schon so viele Schuhe“ oder „Dein altes Smartphone ist doch noch tippeditopp“ ergänzen kann, braucht diesen Artikel eigentlich gar nicht weiter zu lesen. Denn er gehört offenbar zu den wenigen Glücklichen, die sich in der Partnerschaft nie um unnütze (oder – je nach Standpunkt - bitternotwendige!) Anschaffungen streiten. Bei allen anderen gibt es regelmäßig Zoff: Ein Fünftel der Paare gerät in Streit, wenn ein Partner mehr als 100 Euro ohne Rücksprache ausgibt. Wenn ein Partner eigenmächtig mehr als 250 Euro ausgibt, hängt der Haussegen bei mehr als der Hälfte der Paare (55 Prozent) schief. Steigt die Ausgabenhöhe auf mehr als 1.000 Euro, führt das in 71 Prozent der Partnerschaften zu Ärger.

von Ursula Willimsky

Das ergab eine neue Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Versicherung Asstel. Für die Studie befragte die GfK 600 Erwachsene, die mit einem Partner zusammenleben oder verheiratet sind. Nun gut, dass man bei Ausgaben jenseits der Tausender-Grenze schon mal vorher gefragt werden möchte, ist eigentlich klar. 250 Euro sind eine knackige Summe, die man sich leisten können muss. Und auch 100 Euro haben oder nicht haben macht einen deutlichen Unterschied auf dem Konto.

Einerseits. Andererseits: Es kann schon auch nerven, wenn jedes neue T-Shirt, das mehr als 30 Euro gekostet hat, mit Gemaule kommentiert wird. Gerade, wenn man erst in der Anfangsphase einer Beziehung ist, fragt man sich dann ja auch vielleicht mal: „Wie wird das denn, wenn wir mal verheiratet sind und Kinder haben? Und ich vielleicht nicht mehr so viel eigenes Geld verdiene wie jetzt?“. Wird dann aus dem „Also ich hätte nie im Leben so viel Geld für sowas ausgegeben“ ganz schnell ein Bittgang, bevor man sich etwas neue kaufen kann?

Tatsächlich, das zeigt eine ältere GfK-Studie, sind es vor allem die Jüngeren, die sich uneins darüber sind, wie sie mit dem lieben Geld umgehen sollen. Bei den 20- bis 29-Jährigen berichteten zwei von drei Befragten über „Uneinigkeiten“ darüber, wie man größere Geldsummen ausgeben sollte.

Mein Geld, Dein Geld - Der Beziehungskiller Nr.1

Die älteren Befragten schienen damit weniger Probleme zu haben. Was - unsere Spekulation - entweder daran liegen kann, dass Kombinationen wie Sparfuchs/Shopping-Queen zu dem Zeitpunkt bereits wieder zerbrochen sind und man sich passendere Partner gesucht hat. Oder auch daran, dass erfahrenere Paare vielleicht einen Weg gefunden haben, sich finanziell zu arrangieren. Die Wendelsteiner Therapeutin Karin Kutz schlägt auf ihrer Seite Paaren, die „ in ihrem Kaufverhalten sehr unterschiedlich sind und für die daher ein gemeinsames Konto nicht in Frage kommt“ die Drei-Konten-Regelung vor: Ein gemeinsames Konto für den Alltag und für Rücklagen, von dem beide die laufenden Kosten begleichen. Hier wichtig: Vorher genau festlegen, ab welcher Summe eine Rücksprache mit dem Partner Pflicht ist.

Der Rest des Geldes soll auf zwei weitere Konten wandern: Eins für mich, und eins für Dich. Und das entsprechende Geld gehört dann auch mir. Oder dir. Und darf für Designer-Klamotten oder teure japanische Messer ausgegeben werden, ohne dass der andere reinreden darf.

Klingt sehr erwachsen. Setzt aber auch voraus, dass man selber gewillt ist, zu akzeptieren, dass auch der Partner Bedürfnisse hat, die man selber nie und nimmer verstehen wird. Wieso um Gottes Willen kommt der jetzt schon wieder mit einem brandneuen Mountain-Bike nach Hause? Der hat sich doch erst vor zweieinhalb Jahren eins gekauft - solche Gedanken dürfte man dann nur noch im Verborgenen haben. Schwer. Sehr schwer offenbar. Zumal der Streit ums Geld, so Kutz, manchmal eigentlich ein „Nebenkriegsschauplatz“ ist: Man streitet über Geld - aber eigentlich sucht man nur einen Anlass, mal seinen Frust loszuwerden. Man ärgert sich über das teure Equipment fürs Hobby – in Wahrheit wurmt es einen aber eher, dass nicht nur so viel Geld, sondern auch so viel Zeit für's Hobby draufgeht.

Wie dem auch sei: Bei rund 40 Prozent aller Paare ist das Geld angeblich DAS Streitthema. Eine Studie der Univerity of Virginia hat gar herausgefunden, dass der Streit ums Geld der Beziehungskiller Nummer Eins ist. Und Dinge wie gerechte Verteilung der Hausarbeit oder Sex auf die hinteren Plätze in Sachen Trennungsgrund verweist.

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