LIEBE LIEBE

Streit in einer Beziehung ist nicht immer förderlich

Birgit Ehrenberg
Birgit Ehrenberg gibt Tipps in Sachen Liebe

Richtig streiten kann man lernen!

Ich habe es Euch schon oft gesagt: Liebe ist zwar ihrem Wesen nach immer gleich und bewegt sich unbeirrt durch die Jahrhunderte wie eine Wanderdüne, aber sie unterliegt dennoch punktuell dem Wandel der Geschichte. Das macht die Beschäftigung mit Liebe so unerlässlich und spannend.

Was die News über die Liebe angeht, schlage ich mich, wie Ihr wisst, oft mit den Ergebnissen von Studien herum, die nicht ergiebig sind. Stattdessen wirbeln sie nur Staub auf, viel Lärm um nichts, kann ich da nur sagen. Nun ist mir eine These zugetragen worden, die wirklich interessant ist. Es geht um Streit. Für gewöhnlich heißt es, dass Streit der Harmonie in der Beziehung zuträglich ist, dass er wirkt wie ein reinigendes Gewitter.

Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen weiß man, dass dem nicht so ist. Im Gegenteil, Auseinandersetzungen sind selten konstruktiv, weil gerade Frauen dazu neigen, den Mann mehr oder weniger aggressiv anzugreifen. Es geht dabei weniger um den Versuch des Ausgleichs, sondern um Manipulation. Frauen sind wunderbare Wesen, aber sie erliegen häufig der Versuchung, ihre Partner ändern zu wollen, sie bohren quasi an den Herren herum, wie ein Zahnarzt an kariösen Zähnen.

Das ist keine Streitkultur, aus der etwas Gutes hervorgehen kann. Professor Kurt Hahlweg vom Institut für Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig sagt: „Streit sieht meistens so aus, dass die Frau dem Mann Vorhaltungen macht, weil er sein Verhalten nicht ändert. In der Kommunikationspsychologie bezeichnen wir diese Vorwürfe als Äußerungen indirekter Gefühle. Die Frau hat negative Emotionen und drückt die in Du-Botschaften aus," so Hahlweg. Das sei kontraproduktiv.

Besser ist es, ruhig mit Ich-Botschaften zu erklären, welche Gefühle durch das Verhalten des Partners aufkommen. Und gemeinsam zu überlegen, wie die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt werden können. Nur auf diese sanfte Weise kann ein Konflikt die Partnerschaft positiv beleben. Wüste verbale Angriffe dagegen führen zu seelischen Wunden und Narben, die häufig das Ende der Liebe einleiten.

Nun könnte man meinen, es sei das Beste, jedem Streit aus dem Weg zu gehen. Auch falsch, sagt Herr Hahlweg. Es nützt nichts, sich vorzunehmen, nie wieder zu streiten. Denn eine langjährige Beziehung ohne Krisenzeiten gibt es einfach nicht. Entscheidend ist, bewusst mit Streitpunkten umzugehen, im Dialog miteinander zu sein, sich immer wieder zu fragen: Wie lösen wir Konflikte in der Partnerschaft?

In der ersten Phase der Beziehung schon über Streit sprechen

Wie äußere ich meine Bedürfnisse? „Wer auf dem Standpunkt beharrt, dass sich zuerst der Partner ändern muss, bevor man es selbst tut, der wird seine Beziehungsprobleme nicht lösen," warnt Hahlweg. "Das Fatale dabei ist, dass dann beide Partner darauf warten, dass der andere den Anfang macht, und sich deshalb gar nichts bewegt.“

Die Lösung: Für Hahlweg ist die Liebe leicht gemacht, wenn ein Paar sich noch in der Phase absoluter Glückseligkeit damit befasst, wie es in Zukunft Probleme angehen will. Frisch verliebt ist die Euphorie und der Wille, miteinander glücklich zu bleiben einfach am stärksten, das sehe ich genauso.

Wer sich von Anfang an professionellen Unterstützung von außen holen will, um den Anfängen zu wehren, der kann an dem partnerschaftliche Lernprogramm EPL (Erlebnis, Partnerschaf, Liebe) teilnehmen, das von Professor Hahlweg mitentwickelt wurde. Hier lernen Paare anhand von Kommunikations-Regeln, Gefühle offen anzusprechen, Erwartungen verständlich auszudrücken, einander zuzuhören und zu verstehen.

Mit Erfolg: Im Rahmen einer Studie wurden ausgewählte Paare im Abstand von elf Jahren befragt. Von den Paaren, die sich vor elf Jahren auf ein EPL-Coaching eingelassen hatten, waren nur 26 Prozent getrennt. Von der Vergleichsgruppe, die die Teilnahme aus verschiedenen Gründen abgelehnt hatte, waren 56 Prozent kein Paar mehr.

Ob mit oder ohne Programm, passt auf Eure Liebe auf. Bleibt im Streit bei Euch, bei Euren Emotionen, lasst die Anklage und den erhobenen Zeigefinger weg, dann ist die Chance groß, dass Ihr auch mit Euren Liebsten zusammenbleibt.

Alles Liebe, Eure Birgit

Birgit Ehrenberg verrät, warum streiten nicht immer förderlich für eine Beziehung ist, und wie man als Paar besser streiten lernen kann.

Anzeige