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Stillende Mütter, Ihr seid NICHT alleine auf der Welt!

Stillende Mütter, Ihr seid NICHT alleine auf der Welt!

Eigentlich ist Stillen doch total intim!

Stillen ist wichtig. Und wunderschön. Und gesund. Es beugt Allergien vor, stärkt das Immunsystem des Babys, fördert die Bindung zwischen Mama und Kind. Und ja, es ist auch das Normalste der Welt. Das man wirklich überall tun dürfen sollte. Aber dabei sollte man den Rest der Welt nicht vergessen!

Von Jasmin Faber

Der Einkaufswagen ist voll mit Windeln, die Schlange an der Kasse zehn Meter lang und dann passiert das, was ja eigentlich vorher schon klar war: Das Baby fängt an zu schreien – Hunger! Und genau das ist der Augenblick, in dem jede frischgebackene Mama froh ist, dass es in dem Drogeriemarkt unseres Vertrauens eine Bank gibt, auf die man sich schnell zum Stillen setzen kann. Aber mal ehrlich – so richtig schön ist das ja nicht. Also ich habe mich gefühlt wie auf dem Präsentierteller und war auch immer drauf bedacht, das so dezent wie möglich abzuwickeln. Denn die ganze Sache ist doch irgendwie super intim.

Deshalb kann ich auch bis heute nicht verstehen, wie freizügig sich manche Mütter in der Öffentlichkeit verhalten. Gerne in Cafés. Um jetzt keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde es absolut legitim, das Baby dort zu stillen, aber muss Mutti die nackte Brust mitten auf den Tisch packen? Tschuldigung, aber da sind ja auch noch andere Gäste. Eine stillende Mama ist ja völlig in Ordnung, aber das heißt ja nicht, dass sie sich dabei gleich nackt ausziehen muss. Und wenn ich in Ruhe einen Kaffee trinken möchte, will ich mir dabei echt nicht die Milchbar einer anderen Mutter anschauen. Und ich bin selbst Mutter.

Wie muss sich erst der 28-jährige Hipster fühlen, der in dem Café einfach nur seinen neuesten Blogeintrag schreiben möchte und mit dem Thema Baby und Stillen nichts am Hut hat? Sorry, aber auch der hat eine Daseinsberechtigung! Auch er bezahlt seinen Kaffee. Ganz zu schweigen von den armen Vätern, die sich pausenlos ungefragt die komplett entblößten Brüste aller Stillfreundinnen ihrer Partnerinnen anschauen müssen.

Woher nehmt Ihr diese Arroganz?

Damit einher geht ja die wirklich sehr interessante "Hallohoo? Wir haben ein Baby zur Welt gebracht und uns gehört deshalb jetzt die ganze Welt" - Haltung vieler Frauen. Da bekommt der Begriff 'Mütter-Mafia' nochmal eine ganz neue Bedeutung. In großen Rudeln besetzen sie ganze Lokale, umringt von sperrigen Retro-Kinderwagen, und halten sich stundenlang an einem Latte Macchiato auf. Gibt es im Bad keinen Wickeltisch (Frechheit!), wird das Baby kurzerhand auf dem Tisch gewickelt. Lecker. Das ist natürlich nicht gerade geschäftsfördernd. Kein Wunder, dass sich der ein oder andere Lokalbesitzer dazu entscheidet, seinen Laden nicht familienfreundlich zu gestalten.

Und das Schlimmste: Viele nehmen diese rechthaberische Haltung schon in der Schwangerschaft ein. Neulich saß ich mit meiner Freundin (auch Mama) rauchend auf einem öffentlichen Platz in der Sonne. Da kommt plötzlich eine wild fuchtelnde und sehr wütende Frau auf uns zu und fordert uns entsetzt dazu auf, SOFORT die Zigaretten auszumachen. Sie sei schließlich schwanger! Achsoooo! Konnten wir gar nicht sehen, war nämlich noch kein Bauch da. Wir waren beide ein bisschen verwundert, denn der Platz war sehr groß und es gab sehr viele Bänke, die auch alle noch sehr frei waren. Nun, das wird noch spannend mit der Frau. Wenn das Kind erstmal da ist. Und sie im Supermarkt befiehlt, die Wursttheke leer zu räumen, damit sie – als Veganerin – dort in Ruhe und guten Gewissens stillen kann.

Also nochmal: Ich weiß ganz genau, wie das so ist, mit einem Baby. Auch ich bin, vollgepumpt mit Hormonen, verstrahlt durch die Gegend gelaufen. Habe mich über jede nicht vorhandene Wickelmöglichkeit echauffiert. Habe in dieser kuschelig verliebten, watteweichen und Babyduft geschwängerten Welt gelebt. Ständig in der Grätsche zwischen Glückseligkeit und dem immensen Drang, das kleine Ding zufrieden zu stellen. Koste es, was es wolle.

Aber ich habe trotzdem nicht die Welt um mich herum vergessen. Und habe nicht jede Freundlichkeit als Selbstverständlichkeit hingenommen. Sondern mich bedankt, wenn mich die nette Cafébesitzerin in meiner Not in ihr Büro geführt hat, damit ich meinen Sohn dort wickeln kann – anstatt mich zu beschweren, dass es keinen Wickeltisch gibt. Denn so kinderfeindlich ist unsere Gesellschaft nicht. Im Gegenteil – ich hatte in der Kleinkindzeit meines Sohnes sehr viele schöne Begegnungen. Und deshalb distanziere ich mich von der fordernden Mütter-Mafia. Rücksichtnahme und Toleranz sind wichtig – allerdings auf beiden Seiten. Also Mädels, lasst doch nicht so viel negative Energie zu! Ihr haltet das Allerschönste auf der Welt in euren Armen. Genießt das doch einfach mal.

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