BABY BABY

Stillen in der Öffentlichkeit: Die Gesellschaft denkt um

Der neueste Beitrag zur Diskussion kommt aus England: Vor einem Café im Cheltenham hängt ein Schild, dass stillende Mütter auffordert, sich im Café zu entspannen - wer stillt, bekommt ohne zusätzliche Anfrage eine Tasse Tee kostenlos.
Auf dem Schild vor einem englischen Café steht: "Stillende Mütter: Wenn ihr eine Pause braucht, kommt rein und lasst euch eine Tasse Tee einschenken - ihr braucht weder etwas zu essen noch nachzufragen. Entspannt euch einfach!"

Öffentliches stillen: Es wird wieder normaler

Stillen in der Öffentlichkeit: Kaum ein anderes Thema kehrt mit solch einer Regelmäßigkeit zurück und entfacht immer wieder aufs Neue die Diskussion um Nacktheit und Natürlichkeit in der Öffentlichkeit. Während sonst häufig über Stillverbote berichtet wird, facht jetzt ein positives Beispiel aus England die Diskussion an: Vor einem Café im Cheltenham hängt ein Schild, dass stillende Mütter auffordert, sich im Café zu entspannen - wer stillt, bekommt ohne zusätzliche Anfrage eine Tasse Tee kostenlos. Toll, oder?

Von Michael Burakowski

Stillen mit der Brust ist schließlich ein natürlicher Vorgang – und Muttermilch die beste Nahrung für das Baby. Das Stillen mit der Brust ist mindestens so alt wie der Mensch selbst. Viele Menschen stören sich trotzdem daran: Gerade in den USA sorgt der Umgang mit Frauen, die in der Öffentlichkeit stillen, immer wieder für Empörung. "Können Sie dafür sorgen, dass diese Frau aufhört, das in aller Öffentlichkeit zu machen? Das ist widerlich" – mit diesen Worten beschwerte sich zum Beispiel vor kurzem eine Frau bei einem Barista einer amerikanischen Starbucks-Filiale. Anstatt die stillende Mutter des Cafés zu verweisen, entschuldigte sich jedoch der junge Mann bei der stillenden Frau und schenkte ihr einen Gutschein als Wiedergutmachung.

Solch eine Reaktion ist nicht selbstverständlich: In vielen Fällen wurden stillende Mütter schon eines Cafés, Restaurants oder etwa eines Freibads verwiesen, weil sich andere daran gestört haben. Einige Frauen sehen das Stillen in der Öffentlichkeit als das Natürlichste auf der Welt, für andere ist es ein Tabuthema. Wieso eigentlich? Anscheinend gilt die weibliche Brust, trotz der inflationären Nutzung des Motivs in der Werbung und anderen Medien, immer noch als stark sexuelles Symbol – selbst, wenn sie in einem nicht sexuellen Kontext zum Vorschein kommt.

Stillen in der Öffentlichkeit: Das Internet gibt nach

Immerhin bewegt sich die Meinung der Gesellschaft langsam zum Vorteil für die stillenden Mütter: Im Juni 2014 erklärte der Internetgigant Facebook, Bilder von stillenden Müttern nicht mehr auf dem sozialen Netzwerk zu sperren, die gleiche Regel gilt für die Foto-Austausch-App Instagram. Obwohl es davor keine explizite Anweisung seitens Facebook gab, Bilder mit weiblichen Brüsten zu sperren, wurden die meisten Fotos mit stillenden Müttern aus dem Netzwerk gelöscht.

Für mich als Mann ist es auch erstaunlich, dass die Diskussion über das Stillen fast ausschließlich unter Frauen stattfindet. Sowohl die größten Befürworter als auch die größten Gegner des öffentlichen Stillens gehören zum schönen Geschlecht. Das ist umso überraschender, wenn man(n) bedenkt, wie Frauen sonst immer zusammenhalten, wenn es um Unterdrückung oder Diskriminierung geht. Unter den Männern ist öffentliches Stillen jedenfalls kein Thema: Kaum jemand fühlt sich davon gestört oder sieht die Notwendigkeit, stillende Mütter wegen ihrer „Nacktheit“ anzusprechen.

Letztendlich ist es, wie ich finde, egal, was die Gesellschaft oder einzelne Menschen denken oder sagen: Das Wohl des Kindes sollte immer an erster Stelle stehen. Und wenn das Baby nun mal unterwegs Hunger bekommt, sollte es für niemanden ein Problem sein, dass es direkt und vor Ort gestillt wird.

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