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Stiftung Warentest: Mineralöl in Fleischersatz-Produkten - nur 6 von 20 gut

Fleischersatz Stiftung Warentest
Schnitzel, Frikadellen und Bratwürstchen ohne Fleisch - wie gesund sind solche Ersatzprodukte? Das hat die Stiftung Warentest untersucht. Die drei Produkte im Bild schnitten mit 'gut' ab. © Stiftung Warentest

Schnitzel, Würstchen und Frikadellen im Test

Zu kaum einem anderen Lebensmittel gehen die Meinungen so stark auseinander wie zu Fleischersatzprodukten. Die einen lieben sie als Alternative zu Würstchen und Co. Die anderen sehen keinen Sinn darin, echte Schnitzel und Frikadellen zu imitieren. Aber was genau steckt in Fleischersatz und wie schmecken Würstchen ohne Fleisch? Und ist das gesünder als Schwein und Rind oder stecken womöglich auch in Veggie-Wurst bedenkliche Stoffe? Dieser Frage ist Stiftung Warentest nachgegangen. Es wurden 20 Fleischersatzprodukte getestet. Das Fazit fällt durchwachsen aus: Sechs Produkte sind gute Alternativen zu fleischhaltigen Vorbildern. Sechs haben aber ein Problem mit Schafstoffen. Fünf Bratwürstchen und ein Schnitzel waren mit hohen Mengen an Mineralölbestandteilen belastet, die die Europäische Lebensmittelbehörde 'Efsa' als "potentiell besorgniserregend" einstuft.

Schnitzel, Würstchen und Frikadellen: So wurden sie getestet

Unter den getesteten 20 Produkten waren jeweils sechs Schnitzel und Frikadellen und acht Bratwürste, darunter neun Bioprodukte. Sie wurden alle nach Packungsanleitung in der Pfanne zubereitet und dann auf Herz und Nieren untersucht. Wichtig waren den Testern vor allem die sensorischen Eigenschaften wie Aussehen, Geschmack, Geruch und Konsistenz. Aber auch die Kennzeichnung sowie Schadstoffe und Kalorien- und Nährstoffgehalte waren den Prüfern wichtig. Außerdem spielten die Anzahl an Keimen und die Verpackung eine Rolle bei der Beurteilung.

Vegetarische Schnitzel: Von saftig bis gummiartig alles dabei

Wer seine Schnitzel durch fleischlose Alternativen ersetzen will, sollte genau hinschauen. Denn Veggie-Schnitzel ist nicht gleich Veggie-Schnitzel. Alle sechs getesteten Produkte bestanden aus einer panierten Grundmasse bestehend aus Soja und Weizeneiweiß aber auch aus Milch und Eiern. Außerdem in jedem Veggie-Schnitzel: Verdickungsmittel. Wer Kalorien sparen will, ist bei Schnitzeln ohne Fleisch an der falschen Adresse: Im Schnitt liefern sie 230 Kilokalorien - vergleichbar mit einem typischen Schnitzel aus Schwein oder Hähnchen. Der Grund ist die Panade, die besonders fettreich ist.

Geschmacklich überzeugten die Schnitzel von Valess und Rügenwalder Mühle. Die Mühlenschnitzel können die Tester jedoch nicht empfehlen. Sie waren sehr stark mit Mineralölbestandteilen belastet und schnitten mangelhaft (5,1) ab.Valess-Schnitzel waren mit dem Urteil gut (2,0) die Testsieger unter den Veggie-Schnitzeln.


Veggie-Bratwürstchen: Weniger Fett, aber oft mit Mineralöl belastet

Wie die Schnitzel bestehen auch vegetarische Bratwürstchen aus Soja und Weizeneiweiß, 'Valess' aus Käse und Milch, 'Alberts' aus Weizen und Lupinen. Im Geschmackstest konnte keine Wurst wirklich überzeugen - sie schmeckten trockener als das Schweinefleisch-Vorbild. Dafür haben Veggie-Würstchen durchschnittlich zehn Gramm weniger Fett als Bratwurst aus Schweinefleisch. Fünf von acht Proben waren stark mit Mineralöl-Bestandteilen belastet. Drei davon (alle Bio) bekamen deshalb nur das Urteil ausreichend. Die am besten bewertete Bratwurst war die von Valess mit dem Urteil gut (2,0), am schlechtesten schnitten die 'BioBio'-vegetarischen Bratwürste von Netto ab - mit dem Urteil ausreichend (4,0)

Fleischlose Frikadellen: Keine davon ist vegan

Von den sechs getesteten Veggie-Fleischbällchen enthielten alle Eier. Für Veganer sind sie also keine Alternative zu Fleisch. Für Kalorienbewusste jedoch schon: Mehrere Veggie-Bällchen sind fettärmer als die aus echtem Hackfleisch. Außer Eiern hatten alle sechs hatten als Basiszutat Soja, die meisten auch Weizeneiweiß. Geschmacklich waren diese Fleischersatz-Produkte ihren fleischhaltigen Vorbildern am ähnlichsten. Am schlechtesten - Testurteil befriedigend (3,3) - schnitten die Mini-Frikadellen von Lidl ab. Sie konnten geschmacklich nicht überzeugen und hatten außerdem den höchsten Gehalt an Keimen. Am besten abgeschnitten haben mit dem Gesamturteil gut (2,3) die Frikadellen von Rügenwalder Mühle

Fleischersatz für die Umwelt und Tierwohl nicht viel besser

Schlechte Nachrichten hatten die Tester für die Weltverbesserer. Die Hälfte der Proben enthielten Bestandteile aus Eiern. Nur bei einem Anbieter stammten sie aus Biohaltung, bei zwei aus Bodenhaltung. Auch Soja sehen die Tester kritisch - für die Anbauflächen werden oft Regenwälder gerodet. Immerhin enthielt keine Probe gentechnisch verändertes Soja. Und auch wenn durch den Verzicht auf Fleisch Kohlendioxid eingespart wird, verschlechtert die starke Verarbeitung der Ersatzprodukte die Bilanz. Wie in vielen Fällen kommt es also auch bei den fleischlosen Würstchen, Schnitzeln und Frikadellen auf die Menge an.

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