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Steuererklärung: Das sollten Sie beachten, um das meiste für sich rauszuholen

Mit diesen Steuertipps bekommen Sie Ihr Geld zurück
Mit diesen Steuertipps bekommen Sie Ihr Geld zurück Steuererklärung 00:02:38
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So holen Sie sich Ihr Geld zurück!

Ende Mai endet die Frist für die Steuererklärung. Obwohl Angestellte im Normalfall keine Steuererklärung abgeben müssen, kann es sich lohnen. Im Schnitt holen sich die Deutschen durch eine Steuererklärung rund 800 Euro vom Finanzamt zurück. Wer es geschickt anstellt, der bekommt sogar noch mehr wieder. Wir verraten ihnen für welche Ausgaben sie sich auf jeden Fall Geld zurückholen können.

Formular zur Einkommensteuererklärung
Mit ein paar Tricks holen Sie bei der Einkommensteuererklärung mehr für sich heraus. © imago/Christian Ohde, imago stock&people

Werbungskosten:

Als Werbungskosten werden sämtliche Ausgaben bezeichnet, die dazu dienen, Einnahmen zu erwerben, zu sichern und zu erhalten. Pauschal sind hier 1000 Euro absetzbar. Wollen Sie mehr absetzen, müssen Sie die entsprechenden Kosten beweisen (Rechnungen, Kontoauszüge). Zu den Werbungskosten zählen folgende Posten:

- Fahrtkosten zur Arbeit: Für die reine Fahrt von der Wohnung zur Arbeit können 30 Cent pro Entfernungs-Kilometer geltend gemacht werden, egal ob Sie mit dem Auto oder mit Bus, Bahn, Rad zur Arbeit fahren. Grundsätzlich gilt: Nehmen Sie den kürzesten Weg. Eine längere Strecke gilt nur, wenn sie deutlich verkehrsgünstiger ist und viel Zeit einspart. Das Finanzamt rechnet pro Arbeitnehmer mit etwa 220 Arbeitstagen pro Jahr und erkennt Fahrtkosten von bis zu 4500 Euro in der Regel problemlos an. Übersteigen Ihre Fahrtkosten diesen Betrag, werden Sie möglicherweise zum Umzug aufgefordert. Allerdings können berufsbedingte Umzugskosten ebenfalls abgesetzt werden. Auch eine doppelte Haushaltsführung für eine zweite Wohnung am Arbeitsort kann abgesetzt werden.

- Arbeitskleidung und Arbeitsmittel: Fachbücher, Sprachkurse, Kosten für eine Fortbildung im bisherigen Beruf inklusive Fahrtkosten können ebenfalls abgesetzt werden. Aber Achtung: Dinge, die auch privat genutzt werden, können unter Umständen nur zu 50 Prozent abgesetzt werden.

- Bewerbungskosten: Auch vermeintlicher ‚Kleinkram‘ in Form von Bewerbungskosten kann abgesetzt werden. Es lohnt also, jede Rechnung aufzubewahren. Fotos, Porto, Kopien, Fachbücher über Bewerbungen, Internetgebühren für die Online-Stellensuche oder Bewerbungen per E-Mail und Gebühren für Telefongespräche fallen in die Kategorie Bewerbungskosten. Wer seine Belege verlegt hat, kann übrigens pauschal 2,50 Euro für elektronische und 8,50 Euro für postalisch versendete Bewerbungen geltend machen. Machen Sie Kopien der Bewerbungsschreiben sowie der -antworten!

- Beiträge für Gewerkschaften und Berufsverbände können auch – egal in welcher Höhe – abgesetzt werden.

- Arbeitszimmer bis 1250 Euro im Jahr, wenn Sie keinen Büroraum im Job haben und mehr als die Hälfte der Arbeitszeit in dem Zimmer verbringen (zum Beispiel Lehrer oder Vertreter). Interessant auch für Arbeitnehmer, die aus dem Homeoffice heraus arbeiten. Aber Vorsicht: Büroräume, die auch privat genutzt werden, können nicht immer abgesetzt werden.

- Eltern dürfen pro Kind 7.248 Euro im Jahr absetzen. Das ist der so genannte Kinderfreibetrag, der dazu dient, die Kinder mit Essen, einer Wohnung sowie mit Betreuung und Ausbildung zu versorgen. Dazu erhalten Eltern auch noch das Kindergeld. Steuerlich absetzen lässt sich aber nur das Kindergeld ODER der Kinderfreibetrag. Das Finanzamt prüft je nach Fall selbstständig, welche Variante für Sie günstiger ist. Der Kinderfreibetrag wird gewährt bis das Kind 18 ist und kann verlängert werden bis das Kind 25 ist, wenn es sich bis dahin noch in der Ausbildung befindet. Achtung: Wenn das Kind im Ausland außerhalb Europas studiert, sollte es seinen Erstwohnsitz unbedingt bei den Eltern behalten damit der Anspruch auf Kindergeld/Kinderfreibetrag weiterhin besteht.

- Gerichtskosten: Beruflich bedingte Anwalts- oder Gerichtskosten sind ebenfalls steuerfrei.

- Reisekosten: Dienstreisen, die teilweise auch privat bestritten werden, müssen trotzdem anteilig als Werbungskosten abgerechnet werden.

- Telefonkosten: Telefon- und Internetanschlüsse, die zuhause teilweise beruflich genutzt werden, können zu 20 Prozent (monatlich maximal 20 Euro) abgesetzt werden. Mit Einzelverbindungsnachweis geht sogar mehr!

Was ist absetzbar?

Formular zur Einkommensteuererklärung
Mit ein paar Tricks holen Sie bei der Einkommensteuererklärung mehr für sich heraus. © imago/Christian Ohde, imago stock&people

Sonderausgaben:

- Beerdigungen: Übersteigen die Bestattungskosten eines Angehörigen den Wert des Erbes, können sie als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden.

- Ehrenamt: Wenn Sie Aufwandsentschädigungen erhalten, gilt für diese ebenfalls ein steuerlicher Freibetrag. Der Übungsleiter-Freibetrag gewährt Nebeneinkünfte von 2400 Euro pro Jahr für Chorleiter, Sporttrainer, Pfleger etc. Wer bei Vereinen einen Vorstandsposten bekleidet, kann bis zu 720 Euro absetzen.

- Haushaltsdienstleistungen: Von Haushaltshilfen oder Gartenarbeiten können bis zu 20 Prozent von der Steuer abgezogen werden, auch Zweit- und Ferienwohnungen können geltend gemacht werden. Höchstbetrag für alle Wohnsitze zusammen: 4000 Euro. Auch Umzugsdienstleister lassen sich hier abziehen, es sei denn der Umzug ist beruflich bedingt. Dann fallen die Kosten unter Werbungskosten.

- Renovierungen: Auch hier können 20 Prozent von der Steuer abgezogen werden. Auch Wartungen von Haushaltsgeräten zählen. Aber: Sie dürfen nicht bar zahlen und keine Materialkosten anrechnen. Höchstbetrag: 6000 Euro.

- Rürüp-Rente: Die Förderhöchstgrenze steigt auf 22.172 Euro. 80 Prozent davon können Sparer absetzen. Das sind 17.717,60 Euro.

- Trennungen: Wer sich scheiden lässt, kann die Kosten seit 2013 nicht mehr absetzen. Aber im Trennungsjahr gilt noch ein letztes Mal das Ehegattensplitting.

Steuerberatung:

Bei der Vielzahl an Paragraphen und Änderungen behält man als Arbeitnehmer kaum den Überblick. Es macht deswegen fast immer Sinn, sich für seine Steuererklärung Unterstützung zu holen. Die einfachste Variante sind dabei elektronische Steuer-Programme, die zu unterschiedlichen Preisen im Fachhandel und im Internet erhältlich sind. Sie eignen sich besonders für Angestellte.

Wenn Sie selbständig tätig sind oder über zusätzliche Einnahmen (Vermietung, Bankgeschäfte) verfügen, wird Ihre Steuererklärung meist komplizierter. Hier lohnt sich ein Steuerberater, der über aktuelle Urteile und die Feinheiten bestimmter Branchen informiert ist. Die Kosten dafür liegen dabei im Schnitt zwischen 200 und 400 Euro.

Günstiger ist die Unterstützung eines Lohnsteuerhilfevereins. Gebühren je nach Einkommen und Verein im Schnitt 100 bis 120 Euro. Selbstständige und Vermieter mit Einkommen über 13.000 Euro sind allerdings per Gesetz von Lohnsteuerhilfevereinen ausgeschlossen.

Was noch absetzbar ist

Ein Paar mit einem Kind steht auf einer Zwei-Euro-Münze
Auch die Kinderbetreuung lässt sich von der Steuer absetzen. © picture alliance / dpa, Andreas Gebert

Außergewöhnliche Belastung

Absetzbar als außergewöhnliche Belastung ist grundsätzlich alles, was über ein bis sieben Prozent des Einkommens (je nach Kinderzahl, Familienstand, Einkommen) liegt.

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen beispielsweise:

- Unterstützung armer Angehöriger (auch, wenn sie im Ausland leben)

- Scheidungskosten, Unterhalt Behindertenpauschbeträge (310 bis 1420 Euro pro Jahr, je nach Grad der Behinderung),

- Pflege von Angehörigen (unter diversen Voraussetzungen). Außerdem: Wer als Kind für eine Unterbringung eines Elternteils oder beider Eltern im Pflegeheim aufkommt, kann einen Teil der Kosten als außergewöhnliche Belastung geltend machen

Dienstleistungen

- Handwerkerkosten sind zu 20 Prozent absetzbar, maximal aber 1200 Euro pro Jahr – es gelten dabei nur Arbeitskosten, nicht das Material. Das geht auch, wenn Sie Mieter sind.

- Kinderbetreuung: arbeiten beide Elternteile, bis zwei Drittel der Kosten, maximal 4000 Euro. Arbeitet nur ein Elternteil, geht das nur bis zum 6. Lebensjahr (in Ausnahmefällen, beispielsweise Krankheit, bis zum14. Lebensjahr)

- Putzfrau, Haushaltshilfe: 20 Prozent der Kosten, maximal 4000 Euro (allerdings nur dann, wenn die Putzhilfe angemeldet ist), bei 400-Euro-Kräften nicht

Weitere Steuertipps

- Im Trennungsjahr kann man sich noch mit seinem Partner zusammen veranlagen lassen. Welche Veranlagungsart für Sie selbst vorteilhaft ist, sollten Sie im Vorfeld prüfen. Im Regelfall dürfte die Zusammenveranlagung vorteilhafter sein

- Mieter können einen Teil der Nebenkostenabrechnung der Wohnung absetzen. Hier gilt das Gleiche wie bei Handwerkern. Möglich zum Beispiel für Reinigungsarbeiten, Schornsteinfeger, Hausmeister, Aufzugs- und Heizungswartung sowie Gartenpflege.

- Selbst private Umzüge mit Umzugsunternehmen sind steuerlich anteilig absetzbar. Man kann 20 Prozent der Speditionskosten (nur Arbeitszeit!) ansetzen, maximal 600 Euro pro Jahr. Das gilt dann als „haushaltsnahe Dienstleistung“. Voraussetzung ist eine Rechnung und die Bezahlung ist per Bankauszug belegbar!

- Seit diesem Jahr können Beiträge zur privaten Krankenversicherung in größerem Umfang steuerlich geltend gemacht werden. Die Abzugsbeträge steigen auf 2800 statt 2400 Euro für Selbstständige bzw. 1900 statt 1500 Euro für Angestellte.

- Wer nach der Scheidung Unterhalt zahlen muss, kann auch diese Unterhaltsleistungen steuerlich absetzen. Ab dem 1. Januar 2010 erhöht sich der Betrag von 13.805 Euro noch um die Beiträge, die der Unterhaltsverpflichtete für die Kranken- und Pflegeversicherung der unterhaltsberechtigten Person gezahlt hat. Der Unterhaltsempfänger muss die Unterhaltszahlungen als sonstige Einkünfte versteuern; der höhere Teilbetrag kann als eigene Vorsorgeaufwendungen abgesetzt werden.

- Wer sein privates Telefon oder Internetanschluss auch beruflich nutzt, der kann 20 Prozent der Kosten (Grundgebühr, Gesprächsgebühren) absetzen – ohne weiteren Einzelnachweis. 20 Prozent des Rechnungsbetrags, maximal 20 Euro pro Monat.

- Grundsätzlich kann jeder Gegenstand ein steuerlich absetzbares Arbeitsmittel sein, wenn er ganz überwiegend für berufliche Zwecke genutzt wird. Zu den typischen Arbeitsmitteln gehören Aktentasche, PC, Schreibtisch, Bücherregal, Fachliteratur etc. Wichtig ist die Darlegung der beruflichen Nutzung sowie die Vorlage entsprechender Kaufbelege.

Wie viel Ihnen ohne Steuertipps von Ihrem Bruttogehalt bleibt, können Sie übrigens mit dem Brutto-Netto-Rechner von RTL NEXT überprüfen.

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