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Sternenkinder: Tote Babys bekommen endlich einen Namen

Tote Babys unter 500 Gramm werden liebevoll Sternenkinder genannt.
Tote Babys unter 500 Gramm werden liebevoll Sternenkinder genannt. © picture-alliance/ dpa, Daniel Karmann

Sternenkinder gelten nun als Personen

Den Eltern blieb oft als Erinnerung an das Baby nur der Mutterpass und ein undeutliches Ultraschallbild. Mehr gab es nicht von dem Kind, das da einige Wochen oder Monate im Bauch seiner Mama heranwuchs, bevor eine Entwicklungsstörung oder Krankheit die Schwangerschaft beendete oder das Baby viel zu früh hinaus auf die Welt drängte - und starb. Denn Kinder, die kurz vor oder kurz nach ihrer Geburt starben, und dabei weniger als 500 Gramm wogen, galten bisher in Deutschland rechtlich gesehen nicht als Personen.

Von Ursula Willimsky

Mit traurigen Konsequenzen für die Eltern, die streng gesehen gar keine Eltern sein durften: Ihnen war es nicht gestattet, dem verstorbenen Baby offiziell einen Namen zu geben. Es wurde keine Geburtsurkunde ausgestellt. Ja, selbst eine Bestattung auf dem Friedhof wurde den Eltern manchmal verweigert. Sie hatten keinen Platz, an dem sie sich in der Nähe des Kindes fühlen und trauern konnten.

Die betroffenen Eltern waren auf das Entgegenkommen von Friedhofsverwaltungen angewiesen, da ja bisher eine offizielle Geburts- und Sterbeurkunde fehlte. Manchmal gab es eine Bestattung, manchmal wurden die sterblichen Überreste anonym einem anderen Grab beigelegt. Ja, manche Eltern hatten nicht einmal dazu eine Chance: Weil ihr Kind schlicht als Fehlgeburt eingestuft wurde - und von der Klinik entsorgt wurde, berichtet RP Online. Andererseits gibt es in Städten wie Berlin eigene Friedhofsareale für die viel zu früh gestorbenen Babys, die oft liebevoll "Sternenkinder" genannt werden.

Eine Geburtsurkunde für Sternenkinder

Eine Grammangabe entschied also bisher, ob ein kleines Wesen schon ein Mensch war - oder "nur" eine Fehlgeburt. Ein halbes Kilogramm galt bisher als Schwelle zwischen „Mensch“ und „Sternenkind“ - in Zeiten, in denen andererseits um das Leben winziger Frühchen gekämpft wird. Und es immer wieder Meldungen gibt, dass auch extreme Frühchen mit 460, 400, ja sogar 280 Gramm Geburtsgewicht überlebten.

Nun dürfen auch die Eltern von Sternenkindern ihren Babys Namen geben und sie beerdigen. Manchen mag das ein großer Trost in seiner Trauer sein. Die Gesetzesänderung hat ein Elternpaar erkämpft, das einen besonders tragischen Verlust verschmerzen musste: Sie hatten Zwillings-Frühchen verloren. Das Mädchen, das sie "Penelope" nannten, kam mit genau 500 Gramm zur Welt - und galt für die Behörden deshalb als Person. Sein Bruder "Tamino" wog 280 Gramm - zu wenig für eine Geburtsurkunde.

Unermüdlich kämpften die Eltern gegen diese Unterscheidung, sie reichten eine Petition ein, wurden zur Anhörung in den Bundestag geladen - und kamen per Zufall sogar mit der Kanzlerin ins Gespräch, erzählen sie "RP-Online". Fast vier Jahre lang mühten sich die Eltern, fanden Unterstützung von vielen anderen Betroffen, bis nun endlich das "Personenstandsgesetz" entsprechend geändert wurde: "Ich bin sehr froh, dass dieser Schritt gemacht wird", sagt die Mutter, die insgesamt drei Frühchen verloren hat.

Auch die Familienministerin unterstützte die Änderung: "Der Aufwand ist klein, das Ergebnis für viele erschütterte Paare in Deutschland sehr bedeutend". Die Ministerin betonte gegenüber "RP-Online" noch einen weiteren Aspekt neben der emotionalen Ebene: "Wir debattieren zu Recht immer wieder über die Frage, wann das menschliche Leben beginnt. Da ist es nur folgerichtig, diesem frühen Leben im Mutterleib auch beim Tod vor der Geburt einen Namen geben zu dürfen." Trauernde Eltern, die das wünschen, erhalten nun eine Urkunde, in der unter anderem der Name, das Geschlecht und Geburtsort vermerkt sind. Allerdings: Auf der Urkunde findet sich nach wie vor der Vermerk "Fehlgeburt", sobald das Baby weniger als 500 Gramm wog.

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