Sternenkinder: So bekamen Totgeborene das Recht, Mensch zu sein

Sternenkinder: Wenn ein Baby stirbt
Sternenkinder: Wenn ein Baby stirbt Neuregelung für Totgeborene 00:02:11
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Barbara und Mario Martin kämpften für Sternenkinder

Für die Eltern sind es ihre Kinder, doch die Kliniken nannten sie 'Verlust' oder 'Abort'. Die Rede ist von Sternenkindern - also werdenden Babys, die selten mehr als 500 Gramm wiegen und im Mutterleib sterben. Bis Mai diesen Jahres hatten diese Kinder keine Namen und existierten offiziell nie als Menschen. Doch ein Ehepaar aus Hessen kämpfte um die Würde der Sternenkinder und gewann.

Sternenkinder: So bekamen Totgeborene das Recht, Mensch zu sein
Barbara und Mario Martin aus Hessen

In ihrer Biografie 'Fest im Herzen lebt ihr weiter' (Adeo-Verlag) erzählen Barbara und Mario Martin ihre Geschichte: Sie selbst verloren drei Kinder während der Schwangerschaft und erlebten am eigenen Leib, wie grausam das System zu Sternenkindern und deren Eltern sein kann. Das Klinikpersonal entsorgte ihre Kinder als Klinikmüll und ließ die Eltern rechtlos und trauernd zurück. Die Babys hatten nie das Recht auf einen Namen oder darauf, als Person anerkannt zu werden.

Die Martins aus Niederbrechen bei Limburg an der Lahn starteten eine Petition an den Bundestag, die von rund 40.000 Menschen unterzeichnet wurde. Seit Mai 2014 ist die das Gesetz geändert. Heute haben Eltern von Sternenkindern das Recht, ihrem Kind einen Namen zu geben und es zu registrieren. Außerdem ist es ihnen gestattet, den Kindern ein eigenes Grab zu geben. Das Personal in Kliniken ist nun dazu verpflichtet, tot geborene Kinder als Personen zu behandeln, nicht wie Abfall.

Es gibt keinen Mutterschutz für Mütter von Sternenkindern

Das Buch von Barbara und Mario Martin ist nicht nur eine Biografie, die ihre Familiengeschichte erzählt, sondern auch ein Ratgeber für Eltern, die selbst eine Totgeburt erleben und nicht sicher sind, was sie tun können und wie sie ihre Trauer bewältigen. Jährlich gibt es mehr als 3.000 Fälle von Sternenkindern allein in Deutschland. Dass diese Babys bis vor wenigen Jahren als Müll zusammen mit amputierten Körperteilen entsorgt wurden, ist wahrhaftig unbegreiflich.

Es gibt sogar einen neuen Fall, für den die Martins überlegen, eine weitere Petition in Gang zu bringen: Müttern, deren Kinder mit einem Gewicht von unter 500 Gramm zur Welt kommen, wird kein Mutterschutz gewährt. Auch dies ist laut den Autoren ein Unrecht, gegen das vorgegangen werden sollte.

Am Anfang und am Ende der Biografie des Ehepaares stehen zudem 1.400 Vornamen in goldener Schrift. Es sind die Namen von Sternenkindern, die zuvor nicht existieren durften. In diesem Buch aber haben sie ihren Platz gefunden.

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