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Sterilisation ist weltweit Verhütungsmethode Nummer 1

White lingerie with flower on the perfect unblemished woman's body
flower on the perfect unblemished woman's body © Getty Images/iStockphoto, Valua Vitaly

200.000 ungewollte Schwangerschaften täglich

74 Millionen ungewollte Schwangerschaften pro Jahr: Eine mächtige Zahl – bedeutet sie doch, dass Tag für Tag über 200.000 Frauen (noch einmal) schwanger werden, obwohl sie eigentlich (noch) nicht bereit sind, Mutter zu werden. Der Weltverhütungstag erinnert in dieser Woche daran, dass es weltweit immer noch viel zu viele Frauen gibt, die sich nicht vor Schwangerschaften schützen können.

Von Ursula Wilimsky

Zwar verhüten immer mehr Frauen weltweit, aber die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) weist darauf hin, dass nicht alle Frauen von diesem Fortschritt profitieren. "Während Verhütung für die meisten Frauen in Industrieländern eine Selbstverständlichkeit und leicht zugänglich ist, können Frauen in Afrika südlich der Sahara davon nur träumen. Dort haben drei von fünf Frauen, die verhüten möchten, keine Möglichkeit dazu.“

Wo es schwierig bis unmöglich ist, an Informationen über Verhütungsmethoden zu kommen oder sich regelmäßig mit Präparaten zu versorgen, entscheiden sich viele Frauen für eine radikale, endgültige Lösung: Die Sterilisation. Jede dritte Frau weltweit, die verhütet, hat diesen Schritt getan. Die Problematik dahinter: "Nur wer wirklich über Wissen verfügt, kann sich frei entscheiden“, so formuliert es die DSW auf Nachfrage.

Die Deutschen zum Beispiel entscheiden sich recht munter mit einer großen Bandbreite. Pille und Kondome sind ihre bevorzugten Mittel der Wahl – gerne auch im Doppelpack: 53 Prozent nutzen die Pille, wiederum 15 Prozent von ihnen greifen sicherheitshalber zusätzlich noch zu Kondomen, hat die Gesellschaft für gesundheitliche Aufklärung in einer Studie herausgefunden. Und auch die Sterilisation ist hierzulande beliebt – allerdings erst in der Altersgruppe Ü 40. Hier entscheidet sich fast ein Viertel für den endgültigen Cut. Sie haben mit ihrem Kinderwunsch abgeschlossen. 

Endlich unabhängig vom Partner

Weshalb sich weltweit gesehen so viele Frauen sterilisieren lassen, dafür gibt es mehrere Erklärungsansätze. Fehlende Aufklärung - ein möglicher Grund. Ebenso wie die Angst vor vermeintlichen gesundheitlichen Folgen, die Hormonpräparate mit sich bringen könnten. Ob der operative Eingriff selbst, durchgeführt in Ländern mit niedrigen medizinischen Standards, für die Frauen ein Risiko birgt – dazu gibt es keinen Zahlen. Aber in unseren Köpfen spuken noch die Meldungen über Todesfälle bei Reihen-Sterilisationen in Indien. Dort hatten sich die Ärmsten der Armen "freiwillig“ für den Eingriff gemeldet – winkte doch als Belohnung die Teilnahme an einer Auto-Lotterie.

Vielleicht suchen die Frauen in Entwicklungsländern auch nach einer Methode, die sie unabhängig von ihrem Partner anwenden können. Kondome können nur benutzt werden, wenn der Mann mitspielt. Dabei wären Kondome gerade für Frauen in Gebieten mit hoher AIDS-Rate so wichtig, stellen sie doch die einzige Methode dar, mit der sie sich effektiv vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen können. Aber sie landen nur auf Platz 4 der weltweiten DSW-Liste.

Sexualaufklärung, gute Beratungsangebote und ein hochwertigeres Angebot an Verhütungsmitteln sind, so die DSW, "vor allem für junge Frauen in Entwicklungsländern lebenswichtig, denn sie sind besonders vom Mangel an Familienplanung betroffen und zugleich besonders hohen Risiken bei einer zu frühen Schwangerschaft ausgesetzt.“

Diese Risiken zeigen sich in weiteren mächtigen Zahlen. Jedes Jahr gibt es 28 Millionen ungewollte Geburten und 36 Millionen Schwangerschaftsabbrüche, zum Teil (20 Millionen) unsachgemäß durchgeführt mit teilweise gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen.

Und: es gibt eine ohnmächtig große Zahl von Mädchen und jungen Frauen, die Schule und Ausbildung abbrechen müssen, weil sie ungewollt Mutter werden. Mit ihnen beginnt die nächste Spirale aus Unwissenheit und Armut. Zeit, dagegen etwas zu tun und in Bildung und Aufklärung zu investieren!

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