Sterbehilfe: Fakten und Gesetze - was ist legal?

Diskussion um Sterbehilfe
Das Für und Wider von Sterbehilfe ist stark umstritten. © dpa, Oliver Berg

Selbstbestimmtes Sterben: Das müssen Sie wissen

Vor dem Tod kommt das Sterben - und das ist oft schwerer, qualvoller, entwürdigender als Menschen es sich für das Ende ihres Lebensweges wünschen. Keine leichte Kost, aber über das Thema 'Sterbehilfe' sollten wir uns alle rechtzeitig Gedanken machen. Denn nur so ist in manchen Fällen ein halbwegs selbstbestimmtes Sterben möglich. Zumal es Gesetze und ärztliche Standesordnungen gibt, die manche Handlungen unter Strafe stellen.

Es gibt vier Tatbestände, von denen nur drei legal sind:

1. Aktive Sterbehilfe ist verboten und wird mit bis zu 5 Jahren Haft bestraft. Aktive Sterbehilfe heißt, dass der Tod von außen zum Beispiel durch ein Gift herbeigeführt wird. Für die Strafbarkeit ist es ohne Belang, ob sich der gestorbene Mensch den Tod gewünscht hat oder nicht.

2. Beihilfe zur Selbsttötung oder assistierter Suizid ist erlaubt, wenn der kranke Mensch etwa das bereitgestellte Gift selbst eingenommen hat. Voraussetzung für die Straffreiheit der Helfer ist in diesem Fall, wie auch in den folgenden beiden, dass es eine klare Willensbekundung des Kranken zum Freitod gegeben hat. Im Idealfall ist das eine notariell bestätigte Patientenverfügung, aber auch mündliche Willensäußerungen des Gestorbenen gelten.

3. Passive Sterbehilfe ist - sofern eine Patientenverfügung vorliegt - ebenfalls legal. Das heißt, dass Ärzte darauf verzichten, lebenserhaltende Maßnahmen fortzusetzen.

4. Indirekte Sterbehilfe ist ebenfalls bei eindeutigen Willenbekundungen legal. Indirekte Sterbehilfe bedeutet, dass beispielsweise bei der Schmerzbekämpfung in Kauf genommen wird, dass die verwendeten Medikamente das Sterben beschleunigen.

Diese Auflistung sagt zunächst aber nur etwas aus über die Rechtsfolgen, die Helfern einer selbstbestimmten Beendigung des Lebens drohen, nicht aber, ob dem Wunsch eines Menschen nach einem würdigen Ende tatsächlich entsprochen wird. Es gibt ein Problem: Das ärztliche Standesrecht untersagt den Ärzten in Deutschland die Beihilfe zum Suizid. Sie dürfen also die notwendigen Medikamente nicht verordnen. Laut Bundesärztekammer handelt es sich beim gesetzlich legalen assistierten Suizid um eine verbotene Tötung auf Verlangen. Diese wird nach Paragraf 216 des Strafgesetzbuchs mit sechs Monaten bis 5 Jahren Haft bestraft. Die Lage für Patienten ist also unklar.

Umso wichtiger ist es, frühzeitig eine notariell beurkundete Patientenverfügung aufzusetzen, die festhält, dass auf lebensverlängernde Maßnahmen der Apparatemedizin verzichtet wird, wenn die Krankheit nicht mehr heilbar ist und sich der Patient nicht mehr selbst äußern kann.

Diese Verfügung ist auch für die Hinterbliebenen wichtig. Fehlt das Schriftstück, müssen sie stellvertretend den Willen des Kranken bekunden, so dass etwa die Entscheidung über das Abstellen einer Beatmungsmaschine bei ihnen liegt. Das setzt sie einer großen Belastung aus, insbesondere, wenn es dazu unterschiedliche Ansichten im Kreis der Hinterbliebenen gibt.

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