Sterbehilfe: Ehepaar plant gemeinsamen Tod am 64. Hochzeitstag

Sterbehilfe: Ehepaar plant gemeinsamen Tod am 64. Hochzeitstag
Zwei Senioren aus Belgien wollen gemeinsam sterben (Symbolbild) © picture-alliance/ ZB, Jörg Lange

Sie fürchten sich vor der Einsamkeit

Unglaublich romantisch oder unverständlich? Weil ein Ehepaar aus Brüssel sich ein Leben ohne einander nicht vorstellen kann, will es gemeinsam sterben, und zwar am 64. Hochzeitstag. Keiner der beiden leidet an einer unheilbaren Krankheit, doch Francis (89) und seine Frau Anne (86) fürchten sich vor der Einsamkeit, wenn einer von ihnen zuerst eines natürlichen Todes sterben sollte, wie die 'Daily Mail' berichtet. Es klingt unglaublich, doch in Belgien ist diese Art des geplanten Selbstmordes legal.

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Sogar die Kinder der beiden Senioren unterstützen die Entscheidung ihrer Eltern - halfen ihnen sogar dabei, einen Arzt zu finden, der die Sterbehilfe leisten soll. Am 3. Februar 2015 feiert das Paar seinen 64. Hochzeitstag und plant, sich durch eine Giftspritze unter Aufsicht eines Spezialisten das Leben zu nehmen. "Wir wollen zusammen sterben, weil wir beide Angst vor der Zukunft haben", erklärt Francis. "So einfach ist das: Wir haben Angst vor dem, was noch vor uns liegt."

Bei bester Gesundheit ist keiner der beiden Ehepartner: Francis ist seit 20 Jahren in Behandlung wegen Prostatakrebs und muss jeden Tag Morphium nehmen. Anne ist teilweise blind und fast völlig taub. In ein Heim wollen sie nicht, denn sie fürchten sich davor, dass sie irgendwann einmal so hilflos enden, dass sie ihrem Wunsch zur Sterbehilfe nicht mehr Ausdruck verleihen können. Zudem fürchten Francis und Anne sich vor den hohen Kosten für ein gutes Altenheim.

"Es ist die beste Lösung für sie"

Sterbehilfe wurde in Belgien 2002 legalisiert und der Spezialist, der Francis und Annes Sterbehilfe leisten soll, begründet seine Unterstützung damit, dass das Ehepaar sonst starke psychische Qualen erleiden würde. Ohne die Unterstützung ihrer beiden Kinder wäre es für die beiden wohl nicht möglich gewesen, einen passenden Arzt zu finden. "Es ist die beste Lösung für sie", erklärt John Paul, der Sohn des Ehepaars. "Sollte einer der beiden sterben, würde der andere todtraurig und unglücklich zurückbleiben und absolut abhängig von uns sein."

Die beiden sind dankbar für die Abmachung, denn Selbstmord zu begehen, durch Erhängen oder durch einen Sprung von einem hohen Gebäude, hätten sie sich nicht getraut, so Francis. "Wir sind nicht traurig, wir sind glücklich", erklärt Francis. "Als uns gesagt wurde, dass wir unsere Leben gemeinsam beenden konnten, waren wir endlich wieder glücklich. Es war, als könnten wir endlich wieder das Licht am Ende des Tunnels sehen."

Die Nachricht der geplanten Sterbehilfe für ein älteres Ehepaar ging in Belgien durch die Medien und wurde mit geteilten Meinungen aufgenommen. Viele Menschen argumentieren, dass die Sterbekultur in Belgien als etwas viel zu Positives angesehen wird und mittlerweile jeder Mensch auch ohne nachgewiesenes psychisches oder körperliches Leiden sich auf legale Weise umbringen lassen kann. Andere sehen es ganz einfach als freien Willen eines jeden Menschen zu entscheiden, wann er sterben möchte. Und im Fall von Francis und Anne dazu auch noch ganz romantisch.