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Statt Babyklappe: So funktioniert die 'vertrauliche Geburt'

Vertrauliche Geburt statt Babyklappe
Die vertrauliche Geburt soll Frauen davon abhalten, Kinder allein zur Welt zu bringen und sie bei einer Babyklappe abzugeben. Denn das ist mit großen gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind verbunden. © iStockphoto

Verschiedene Gründe für eine vertrauliche Geburt

Seit dem 1. Mai 2014 ist es in Deutschland möglich, dass Frauen Kinder im Krankenhaus zur Welt bringen, ohne ihre Identität preiszugeben. Das Jugendamt übernimmt danach die Betreuung des Babys und vermittelt es an Adoptiveltern. In den vergangenen drei Jahren entschieden sich 345 Frauen für die sogenannte 'vertrauliche Geburt'. 

Von Christiane Mitatselis

Wie läuft eine vertrauliche Geburt ab?

Nach einer entsprechenden Beratung kann eine Schwangere, die sich in einer persönlichen Notlage befindet, ihr Kind medizinisch betreut gebären. Sie muss ihren Namen vorher nur einmal einer Beraterin nennen. Er kommt in einen versiegelten Umschlag. Wenn das Kind 16 Jahre alt ist, kann es das Recht wahrnehmen, den Namen der Mutter zu erfahren.

Der Gedanke hinter dem Gesetz: Frauen sollen davon abgehalten werden, Kinder allein zur Welt zu bringen und sie bei einer Babyklappe abzugeben. Denn das ist mit großen gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind verbunden. Außerdem haben diese anonym geborenen Kinder nie die Möglichkeit zu erfahren, wo sie herkommen. Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, sagt: "Mit der vertraulichen Geburt gibt es erstmals eine legale Regelung, die hilft, Kindesaussetzungen zu verhindern."

Was passiert, wenn die Mutter das Kind doch behalten will?

Sie kann ihre Meinung ändern, solange das Adoptiv-Verfahren, das vom Jugendamt durchgeführt wird, noch nicht abgeschlossen ist. In der Regel dauert es ein Jahr. Die Mutter muss dann allerdings ihre Anonymität aufgeben. Das Familiengericht fällt unter Berücksichtigung des Kindeswohls eine Entscheidung.

Laut Familienministerium änderten viele Frauen schon in der Beratungsphase ihre Meinung. 26 Prozent entschieden sich nach Beratung für ein Leben mit dem Kind, 15 Prozent für eine reguläre Adoptionsfreigabe (hier muss der leibliche Vater zustimmen - oder bei Minderjährigen die Eltern). 19 Prozent wählten die vertrauliche Geburt. Die restlichen 40 Prozent gingen einen anderen Weg, zum Beispiel den der Abtreibung.

Warum entscheiden sich Frauen für eine vertrauliche Geburt?

Beratungsstellen berichten, dass diese Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten stammen – und meist eines gemeinsam haben: Sie stehen unter starken psychischem und/oder sozialen Druck. Es kann ein Ehemann sein, der auf keinen Fall ein weiteres Kind will, sodass die Frau Angst hat, verlassen zu werden. Sehr junge Mütter fürchten sich vor ihren strengen, konservativen Eltern. In letzter Zeit sollen sich auch Flüchtlingsfrauen für die vertrauliche Geburt entschieden haben.

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