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Stashing – fieser Dating-Trend führt Partner in Beziehungs-Hölle

Frau überlegt, ob ihr Freund zu ihr hält
Stashing ist eine neue Beschreibung eines alten Verhaltensmusters. © WavebreakMediaMicro - Fotolia

Nach Benching, Ghosting, Zombieing kommt nun Stashing dazu

Die Welt des Datings, oder auf Deutsch: der Partnersuche, ist groß und gefährlich. Da es im Netz unzählige Möglichkeiten gibt, einen potenziellen Partner zu treffen, ist es zwar leicht jemanden kennenzulernen. Für Beziehungs-Gestörte wird es jedoch gleichzeitig immer einfacher, schlechte Eigenschaften auszuleben. Es existierten bereits die Begriffe des Benching (sich tagelang nicht melden und dann plötzlich wieder da sein, als ob nichts passiert sei), des Ghosting (vollständiger Kontaktabbruch ohne Vorwarnung), des Zombieing (sich nach einer Trennung aus dem Nichts wieder melden) – und nun kommt eine besonders fiese Spielart hinzu, das Stashing. 

Bindungsgestörte Partnerschaft

Von Christiane Mitatselis

Wie bei allen anderen Dating-Phänomenen handelt es sich auch beim Stashing um ein Verhaltensmuster, das es schon immer gab. Stashing leitet sich vom englischen Verb "to stash", es bedeutet: "etwas verstecken". Und es funktioniert so: Eine (ahnungslose) Person lernt jemanden kennen. Alles scheint zu stimmen. Die Treffen sind schön und harmonisch, die Verliebtheit ist groß. Selbstverständlich ist die (ahnungslose) Person bald bereit, den mutmaßlichen neuen Partner in ihr Leben zu integrieren. Sie stellt ihn ihren Freunden vor, vielleicht sogar der Familie. Sie postet gemeinsame Fotos, kann sich auch einen Urlaub mit dem neuen Partner vorstellen. 

Doch sie bemerkt nach einiger Zeit, dass etwas nicht stimmt, nämlich, dass der andere all dies nicht tut. Treffen mit den Freunden des neuen Partners gibt es auch nach Monaten nicht, mit den "Jungs" geht er nur allein aus. Genauswenig lernt man die Familie kennen. Die Eltern seien so schwierig, sagt er. Gemeinsame Fotos werden prinzipiell nicht veröffentlicht. Oder anders ausgedrückt: Er lässt die (ahnungslose) Person nicht in sein Leben, er versteckt sie und hält sie aus allem heraus.

Warum? Vielleicht will er sich nicht festlegen, vielleicht schämt er sich sogar, weil er die (ahnungslose) Person im Grunde nicht schön oder klug genug findet, um sie seinen Freunden vorzustellen. Und er sich mit ihr nur die Zeit vertreiben will, bis er eine Schönere und/oder Klügere findet. Er macht es sich auf jeden Fall sehr einfach, denn wenn die Geschichte zu Ende ist, hat die (ahnungslose) Person keine Spuren in seinem Leben hinterlassen. Er ist fein raus. Der Gestashte erlebt dagegen die Hölle. Denn eine solche Behandlung nagt am Selbstbewusstsein und ruft Selbstzweifel hervor. Man fühlt sich schäbig und fies, man fragt sich, was man falsch mache.

Die Antwort: Nichts! Das Problem ist der bindungsgestörte Stasher. Es gibt nur einen Weg, sich von der Pein zu befreien. Wer den Verdacht hat, ein Stashing-Opfer zu sein, der muss es offen ansprechen. Und wenn der andere nicht eine 100-prozentig überzeugende Erklärung liefern kann und sofort ein gemeinsames Treffen mit Freunden und/oder Eltern ausmacht, dann sollte man das Weite suchen. Und zwar sofort.

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