Serie 'Unser Öl': Warum unser Sprit nie wieder billig wird

13.06.12 17:35
Brand der Deepwater Horizon
Bildquelle: dpa bildfunk
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EU-Kommissar: Autofahrer müssen mit steigenden Preisen rechnen

Als Edwin Laurentine Drake im August 1858 in Pennsylvania als Erster erfolgreich in den USA nach Öl bohrte, da war noch nicht abzusehen, dass die Menschheit einmal so abhängig von diesem Rohstoff sein würde. Doch schon seit dem 20. Jahrhundert ist Erdöl der wichtigste industrielle Rohstoff.

Es dient vor allem als Treibstoff für den Transport von Menschen und Waren. In Form von Heizöl wird es zur Erwärmung unserer Wohnungen und zur Warmwasseraufbereitung genutzt. Zudem dient es als Grundstoff für unzählige Gegenstände, die die Menschen herstellen. Plastik, Farben, Reinigungsmittel, überall ist Öl enthalten.

Doch das begehrte 'schwarze Gold’ ist endlich. Nach aktuellen Modellen reichen die Reserven in der Erde noch etwa 50 Jahre. Der tägliche weltweite Verbrauch liegt bei etwa 87 Millionen Barrel, wobei ein Barrel etwa 159 Litern entspricht. Die USA benötigen den Löwenanteil davon, etwa 20 Millionen Barrel, was fast 23 Prozent des weltweiten Verbrauchs ausmacht. Deutschland verarbeitet 2,7 Millionen Barrel täglich und liegt damit hinter den USA, China, Japan, Indien und Russland auf Platz sechs. Auch im Pro-Kopf-Verbrauch sind die USA einsame Spitze. Im Jahr 2003 verbrauchte ein US-Bürger 26 Barrel Öl, ein Deutscher 11,7 und ein Bangladeschi 0,2. Diese Zahlen lassen die Bevölkerungsexplosion in einem ganz anderen Licht erscheinen, denn jeder neue Erdenbürger, der in einem Industrieland geboren wird, belastet die Umwelt um ein Vielfaches im Vergleich zu einem Menschen in einem Entwicklungsland.

Die Benzinpreisentwicklung ist naturgemäß eng an die Ölpreisentwicklung gebunden. 1976 kostete ein Barrel Öl 12,23 US-Dollar. 2011 allerdings schon knapp 95 Dollar. Und mussten die Deutschen 1950 nur 28,6 Cent für einen Liter Benzin bezahlen, ist heute locker 1,60 Euro fällig. Natürlich verdienen die Deutschen heute auch mehr als noch 1950.

Dennoch: Da die Erdölvorräte endlich sind und das bittere Ende sogar schon absehbar ist, wird der Ölpreis nicht mehr signifikant sinken. Das bestätigte unlängst der deutsche EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger. "Eine Debatte in der deutschen Politik wird den Preis an der Zapfsäule nicht wirklich beeinflussen, Autofahrer müssen mit weiter steigenden Preisen rechnen."

Der Grund für seine Aussage ist einfach. Nicht nur, dass die Erdölvorräte immer weniger werden, es wird vor allen Dingen immer schwieriger, die verbleibenden Ölfelder auszubeuten. Der oben genannte Pionier Drake musste nur 20 Meter tief bohren, bis ihm die kostbare Flüssigkeit entgegensprudelte. Heute sind die leicht zugänglichen Felder längst abgeerntet. Weil immer tiefer gebohrt werden muss, wird die Förderung teurer.

Leider wird sie nicht nur teurer, sondern auch weniger berechenbar und gefährlicher, wie das Unglück der Deepwater Horizon am 20. April 2010 der Welt dramatisch vor Augen führte. Nach einem Blowout, dem unkontrollierten Austreten von Rohöl aus einem Bohrloch, war die Plattform im Golf von Mexiko gesunken. Der Betreiber BP versuchte sich wochenlang erfolglos daran, das Ölleck in 1.500 Meter Tiefe zu versiegeln. Erst am 19. September, also fünf Monate nach der Katastrophe, die die schwerste dieser Art war und durch die weite Teile der US-amerikanischen Golfküste verseucht wurden, erklärte ein Sonderbeauftragter der US-Regierung, das Leck sei geschlossen.

Nachfrage steigt - Ölsand-Abbau mit hohen Kosten verbunden

Dabei ist die Förderung in 1.500 Metern sogar noch vergleichsweise harmlos. Das riesige brasilianische Ölfeld 'Carioca’ liegt in 5.000 Metern Tiefe. Man mag sich nicht vorstellen, was passiert, wenn es dort zu einem vergleichbaren Unglück kommt. Der technische Anspruch bei Tiefseebohrungen ist enorm, die Kosten daher auch. Doch so lange der Preis für das Öl so hoch ist, so lange verdienen die Staaten und die großen Förderunternehmen damit noch Geld.

Schon seit langem warnt die Umweltschutzorganisation Greenpeace vor den Risiken, die von den Ölplattformen vor Europas Küsten ausgehen. Dennoch werden immer wieder Tiefseebohrungen erlaubt, in der Nordsee und im Mittelmeer.

Die Profitgier der Konzerne steht auch im Jahr 2012 noch weit über dem Umweltschutz. Auch das ist ein Grund, warum der Ölpreis stabil bleiben wird. Die großen Mineralölkonzerne gehören zu den wichtigsten Unternehmen der Welt. Hier geht es um Gewinnmaximierung. Im Jahr 2005 waren unter den vier umsatzstärksten Unternehmen der Welt mit Shell, ExxonMobil und BP gleich drei Mineralölkonzerne. Nur der US-Einzelhandelsriese Walmart setzte noch mehr Geld um.

Wie wichtig der Profit ist, zeigt ein nochmaliger Blick auf die Deepwater-Horizon-Katastrophe. Nur wenige Monate nach dem Desaster erlaubte die US-Regierung schon wieder neue Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko. 2010 machte BP wegen der Katastrophe 4,9 Milliarden Dollar Verlust. 2011 jedoch schon wieder gigantische 25,7 Milliarden Dollar Gewinn. So leidet am Ende nur die Umwelt, nicht aber der verantwortliche Konzern.

In letzter Zeit spielten vermehrt die Ölsande eine Rolle. Erst durch den hohen Ölpreis wurde die Förderung dieser Öl-Sand-Gemische im Boden überhaupt rentabel. Die größten Vorkommen liegen in Kanada und da vor allem in der Provinz Alberta, und in Venezuela an den Gestaden des Orinoco-Flusses. Die Förderung ist aufwändiger und teurer als die herkömmliche Erdölförderung, weil das Gemisch getrennt werden muss.

Zudem hinterlässt die Förderung hässliche Narben in der Natur, denn der Abbau erfolgt im Tagebau. Das ist aber noch nicht alles: Es werden Unmengen von Wasser und Energie benötigt, ein weiteres, ungelöstes Problem ist die Wasserentsorgung und natürlich der Raubbau an einzigartigen Ökosystemen wie dem borealen Nadelwald in Kanada und dem tropischen Orinoco-Delta. Zurück bleibt ein öliger Schlick, eine giftige Brühe, die in riesigen Bassins versickert. Auch die Treibhausgasemission ist bei der Ölsandförderung sehr hoch.

Da auch die Nachfrage nach Öl und Treibstoff vor allen in den bevölkerungsreichen Schwellenländern China, Indien und Brasilien mit insgesamt fast drei Milliarden Einwohnern wächst, ist nicht davon auszugehen, dass die Preise sinken. Eher wird es zu einer Verknappung kommen und damit zu einer weiteren Teuerung.

Experten erwarten, dass in den kommenden Jahren der 'Peak Oil‘ eintritt, der Höhepunkt der globalen Förderung. Für die deutschen bleibt also die bittere Erkenntnis: Billiger wird’s nicht. Daher macht es Sinn, sich nach alternativen Antriebsarten umzuschauen.

Im dritten Teil unserer Serie beleuchten wir den Umweltskandal des 'Gas-Flarings' - das kontrollierte Abfackeln von Erdgas. Jedes Jahr verbrennen etwa 30 Prozent des europäischen Gasverbrauchs, weil die Konzerne das Gas nicht auffangen wollen. Millionen Menschen erkranken, in manchen Regionen kann man kaum mehr atmen.

Oliver Scheel

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