Papst-Besuch: Viele Fragen, wenige Antworten

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Zentrale Fragen des Glaubens statt Einzelprobleme

Vier Tage war der Papst in Deutschland. Mit Hunderttausenden hat er Gottesdienste gefeiert, aber seine Predigten und Ansprachen hinterlassen viele Fragen. Will Benedikt eine andere Kirche?

Der Papst geht, die Probleme bleiben. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bezeichnete den Besuch des Kirchenoberhaupts als wichtigen Anstoß, zugleich habe er die deutschen Katholiken aber auch vor einige Herausforderungen gestellt.

Konkrete Lösungsvorschläge für die aktuellen Probleme hatte der Papst nicht. Vielmehr öffnete er mit seiner Anregung, dass die Kirche auf ihre staatlichen Privilegien verzichten soll, noch ein weiteres Diskussionsfeld. Zudem war in seinen Reden eine gewisse Kritik am Dialogprozess durchzuhören, den Zollitsch ins Leben gerufen hat.

Die Feststellung des Papstes, dass sich die Kirche ihren eigentlichen Aufgaben besser zuwenden könnte, wenn sie sich von ihren staatlichen Privilegien trenne, wertete Zollitsch nur als Signal zum Innehalten. Dem Papst gehe es nicht um die Abschaffung der Kirchensteuer oder des Religionsunterrichts. Er habe vielmehr sagen wollen, dass sich die Kirche nicht zu sehr um ihre finanzielle Absicherung kümmern solle, sondern mehr um ihren inneren Geist.

Der Tübinger Theologe Hans Küng zeigte sich vom Papstbesuchs in Deutschland bitter enttäuscht. In einem Gastbeitrag für die 'Freie Presse' schrieb Küng, das Motto des Besuches habe zwar geheißen: "Wo Gott ist, da ist Zukunft". Doch richtig sei: "Wo dieser Papst ist, da ist Vergangenheit." Ein ähnliches Fazit zog auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne): "Ich glaube, dass die ganze Organisation des Vatikans einfach nicht ins 21. Jahrhunderts passt", sagte Kretschmann der Zeitung 'Die Welt'.

Pontifex fordert radikale Neuausrichtung

Zum Abschluss seines Deutschlandbesuches hatte der Pontifex in Freiburg eine radikale Neuausrichtung der katholischen Kirche gefordert. Er stellte die Zusammenarbeit mit dem Staat infrage. Die Kirche dürfe sich nicht der Gegenwart anpassen, sondern müsse mehr auf Distanz zur Gesellschaft gehen.

In anderen Reden und Predigten verlangte der 84-Jährige am Wochenende von den Gläubigen Treue zu Rom. An die Jugend appellierte der Papst, "glühende Heilige" zu werden.

Es war der dritte Besuch des deutschen Papstes in seiner Heimat und der erste Staatsbesuch in Deutschland. Am Sonntagabend flog er nach Rom zurück. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi zog eine positive Bilanz der Reise: "Dem Papst geht es außerordentlich gut. Wir sind etwas erstaunt, wie gut er diese Reise überstanden hat." Als spektakulär und historisch wurden Benedikts Auftritte im Bundestag in Berlin und beim Ökumene-Gipfel in Erfurt gewertet. Allerdings hatten sich viele deutlichere Signale für eine Annäherung zwischen katholischer und evangelischer Kirche gewünscht.

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